Rock setzt Zeichen gegen Resignation

Rock setzt Zeichen gegen Resignation

Mit einem Benefizkonzert zugunsten der Neurologie des Trierer Brüderkrankenhauses haben Vereinsaktive aus Trier-Biewer auf die seltene Nervenkrankheit ALS aufmerksam gemacht, an der auch der Biewerer Familienvater Wolfgang Leinen erkrankt ist.

Foto: Martin Recktenwald

Mit einem Kübel Eiswasser über dem Kopf hatten Prominente in der Ice Bucket Challenge ein kurzes Schlaglicht auf die seltene Nervenkrankheit ALS gesetzt. In Biewer ist das Unbekannte nun für viele Menschen konkreter geworden, denn Wolfgang Leinen kennen sie durch sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement. Als selbst Betroffenem ist es dem Familienvater ein Anliegen auf die Erkrankung aufmerksam zu machen. Ein Benefizkonzert zugunsten der Neurologie des Trierer Brüderkrankenhauses hat hierzu ein deutliches Zeichen gesetzt.

Für viele Vereinsaktive aus Biewer und Pluwig sowie die Musiker war es Ehrensache beim Benefizkonzert in der Sporthalle "Auf der Kipp" mitzumachen. Wolfgang Leinen kennen sie als "Wolli" durch seinen vielfältigen Einsatz, beispielsweise in der Öffentlichkeitsarbeit und bei diversen Filmprojekten. "In diesem Sommer hat man nicht viel von ihm gehört. Und nichts von Wolli hören - das gibt es nicht", brachte Nils Teuber auf den Punkt was vielen in Biewer in den vergangenen Monaten aufgefallen war.

Grund ist die extrem seltene und daher nur wenig erforschte Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), die nach langen Monaten der Ungewissheit auch bei Leinen diagnostiziert wurde. Weltweit erkranken jährlich zwischen einem und drei Menschen daran. Es ist ein chronisch fortschreitender Prozess: der stückweise Verlust von immer mehr Körperfunktionen. Betroffen sind Nervenzellen, die Informationen vom Gehirn zu den Muskeln senden. Hände, Arme und Beine bewegen, Sprechen, Schlucken und Atmen werden zunehmend schwieriger. Da keine heilende Therapie bekannt ist, endet die Krankheit nach zumeist drei bis fünf Jahren tödlich.

Wolfgang Leinen und seine Frau Gisela hatten vor einigen Wochen die Idee, mit einem Konzert auf ALS aufmerksam zu machen. Die vier Kinder der Patchwork-Familie griffen sie als erste auf. Musikverein Lyra Trier, Freiwillige Feuerwehr, Heimatpflegeverein und Sportverein TSG aus Biewer sowie die Karl-May-Freunde Pluwig folgten als nächste dem Ruf. "Die Resonanz war sehr gut. Viele haben mitgemacht", freute sich Wolfgang Leinen, der von einem Podest mit Sessel aus das Geschehen des Abends mitverfolgte.

Die Bands und Musiker haben ebenfalls alle eine direkte Verbindung zu "Wolli". Gert Bukowski arbeitet beispielsweise bei der Selbsthilfeeinrichtung "Club Aktiv" in der Gruppe, die auch Leinens betreut. Das Brüderpaar Gert und Daniel Bukowski läutete mit Gitarre, Keyboard und Percussion das musikalische Programm ein. Vom Eingang her tänzelte "Rock' n' Elvis" durch die Reihen im Saal zur Bühne. Mit Haartolle und 50er-Jahre-Klamotten hatte sich Gerd Forster nicht nur optisch dem berühmten Vorbild angepasst, sondern schmetterte auch zahlreiche Songs im unverwechselbaren Elvis-Presley-Stil. Der Nachahmungskünstler aus Saarlouis und Wolfgang Leinen kennen sich noch aus Studienzeiten, in Birkenfeld teilten sie damals eine Wohngemeinschaft.

Bei den Biewerer Lokalmatadoren "Rooster Rock" steuert Leinens Schwiegersohn Christian Cartarius ein Drittel bei. Jens Klinkhammer und Schlagzeuger Gregor Zengerling komplettieren den kraftvollen Sound. Mit Charthits von Sido bis Limp Bizkit oder auch BAPs "Verdammt lang her" heizten sie ein. Den Auftritt von Tochter Miriam Cartarius mit der Band "Gooseflesh" erlebte Leinen nicht mehr live mit. Gegen 22.30 Uhr wurde er unter mehrminütigem donnerndem Applaus aus dem Saal verabschiedet.