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Römer-Offensive gegen Gästeschwund

Römer-Offensive gegen Gästeschwund

Trier lebt von und - statistisch gesehen - derzeit mit seiner Vergangenheit. Die Touristen-Übernachtungszahlen fielen 2013 auf Werte von 2006 zurück. Für Fachleute kein Anlass zur Sorge. Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin hat Trier eine Römer-Offensive gestartet.

Berlin/Trier. Was haben Äthiopien-Reiseführer Yohannes Zigiju, Merzigs Viezkönigin Fabienne Horf und der aus Südafrika stammende Münchner Sänger und Choreograf Prince Damian gemeinsam? Sie - und Hunderte andere ITB-Besucher - waren ganz wild auf ein gemeinsames Foto mit dem Gladiator aus Trier. Stilecht ausstaffiert war der Schauspieler Jan Krüger der Hingucker schlechthin am Rheinland-Pfalz-Stand. Und weil Gladiatoren ja vor 2000 Jahren nicht einfach so in der Gegend rumposierten, gab der 38-Jährige, der eine Gladiatorenschule betreibt, auch eindrucksvolle Kampfbewegungs-Action-Kostproben.
Krügers Mission: Auf der ITB (5. bis 9. März) für Deutschlands älteste Stadt und ihr reichhaltiges Unesco-Weltkulturerbe werben. Beim ersten Blick in die frisch veröffentlichte Fremdenverkehrs-Statistik könnte man glauben, Trier habe Promotion bitter nötig. 2013 haben 386 000 Touristen rund 734 000 Hotel-Übernachtungen gebucht.300 Hotelbetten weggefallen


Das sind 4,3 Prozent weniger Gäste und minus 3,1 Prozent Zimmerbuchungen. Solche Zahlen gab es zuletzt 2006, dem Jahr vor der Konstantin-Ausstellung, in deren Gefolge zum bislang einzigen Mal mehr als 800 000 Übernachtungen gezählt wurden. Hans-Albert Becker (58), Chef der Tourist-Information (TIT), sieht das Ganze differenzierter: "Klar, der Rückgang wurmt uns. Doch wir kennen den Grund: Seit der Schließung des NH-Hotels 2012 haben wir 300 Gästezimmer weniger. In der Hochsaison konnten wir viele Gästegruppen nicht in der Stadt unterbringen."
Die 2014er Statistik werde positiver ausfallen, weil ab Sommer zusätzlich 102 Doppelzimmer im umgebauten und modernisierten Ex-NH (neuer Name: IAT-Tower) zur Verfügung stehen. "Es dürften gerne mehr sein", meint Becker. Mit seiner Einschätzung, Trier (rund 4000 Hotelbetten) könnte einen weiteren großen Beherbergungsbetrieb gut gebrauchen, eckt er immer wieder bei der lokalen Hotellerie an.
Tatsächlich dürfte es schon bald wieder eng werden in den Beherbergungsbetrieben. TIT-Chef Becker berichtet von "enormem Interesse", das Reiseveranstalter und Busunternehmen auf der ITB gezeigt hätten. Besonders gefragt: Der neue Prädikatswanderweg Moselsteig (Eröffnung am 12. April), der in Trier mit Eifel- und Saar-Hunsrück-Steig verknüpft ist, und die Ausstellungs-Events. Allen voran die Nero-Schau, die 2016 in Landes-, Stadt- und Dommuseum gezeigt wird. Doch auch die nächste Landesmuseums-Sonderausstellung "Ein Traum von Rom" (15. März bis 28. September) sorgt bereits für Furore: "Die werden wir uns auf jeden Fall anschauen", kündigen die ITB-Besucher Arno (76) und Hannelore Senske (73) aus Berlin-Spandau spontan an, als ihnen TIT-Mitarbeiterin Patricia Ellendt (41) den Ausstellungs-Flyer überreicht. Das Ehepaar wird im August nach Trier reisen - "erstmals nach 40 Jahren. Darauf freuen wir uns sehr".
Auch die Mainzer Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) feilt am touristischen Profil Triers als "Zentrum der Antike". Porta Nigra und Kaiserthermen erhalten neue Kassen- und Ausstellungsbereiche, zusätzlich soll es auch für das Amphitheater bald Mediaguides geben, kündigt Kultur-Staatssekretär Walter Schumacher (64) an.
Und wann wird Trier wieder die 800 000-Übernachtungen-Marke knacken? "Ich denke, mit Neros Hilfe werden wird es 2016 schaffen", schätzt TIT-Chef Becker. "Und dann spätestens 2018 wieder, wenn Trier den 200. Geburtstag von Karl Marx feiert."Meinung

Kein Grund zur Panik
Statistiken sind wie Bikinis. Sie enthüllen eine ganze Menge, verbergen aber das Wichtigste. Diese Weisheit unbekannten Ursprungs trifft auch auf die 2013er Gäste- und Übernachtungszahlen für Trier zu. Die sind gegenüber dem Vorjahr gesunken. Damit muss man leben. Kann man auch. Denn die Statistik lässt außer Acht, was sich jenseits von ihr abspielt. Erst Betriebe ab neun Betten melden ihre Zahlen ans Statistische Landesamt. Für die in den letzten Jahren zuhauf dazugekommenen Ferienwohnungen gibt es keine Erhebungen. Deshalb sollte man sich bei der Bewertung, wie gut oder schlecht Trier touristisch dasteht, besser aufs Augenmaß verlassen. Wenn die Stadt mal in der Hochsaison menschenleer ist, kann man von Alarmzeichen sprechen. Doch davon ist Trier weit entfernt. Erst recht, weil mit Nero und Karl Marx zwei zugkräftige Schwergewichte vor den Toren stehen. r.morgen@volksfreund.de