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Rohre tauchen unter der Mosel durch

Rohre tauchen unter der Mosel durch

In früheren Zeiten wurde das Abwasser in die Mosel geleitet. Heute ist sie dank moderner Klärtechnik sauber, und so manche Kanäle verlaufen unter ihr hindurch. Bei Trittenheim sind gestern Rohre in einen sogenannten Moseldüker eingezogen worden. Der gebohrte Kanal liegt zwölf Meter unter dem Flussgrund - Frischwasser, Abwasser und Strom werden künftig dort hindurchgeleitet.

Trittenheim/Leiwen. Noch liegt der Bohrkopf am Moselufer zwischen Klüsserath und Trittenheim regungslos da. Er lugt aus einer matschartigen, braunen Masse hervor. Dann spritzen plötzlich Wasserfontänen hoch, der Bohrer setzt sich langsam in Bewegung und zieht Zentimeter um Zentimeter vier Rohre, die an ihm befestigt sind, in die Tiefe. Experten der Saarbrücker Firma Flowdrill und der Verbandsgemeindewerke Schweich sind zufrieden: Die Aktion Moseldüker verläuft erfolgreich.
Über mehrere Wochen hatten die Flowdrill-Leute eine Bohrung von 46 Zentimetern Durchmesser und 260 Metern Länge unter dem Fluss vorgenommen. Spülbohrverfahren nennt sich das, die Technik kommt aus der Erdölförderung. Durch den damit geschaffenen Hohlraum, etwa zwölf Meter unter der Moselsohle, werden ab dem Jahr 2016 die Abwässer von Trittenheim in einem Kunststoffrohr und unter Druck ins Gruppenklärwerk bei Leiwen geleitet und dort gereinigt. Im Jahr 2015 soll das bestehende Klärwerk in Trittenheim zu einem Pumpwerk umgebaut werden. Nach Auskunft von Harald Guggenmos, Werkleiter der Verbandsgemeinde Schweich, ist die Moselunterquerung Bestandteil der Erneuerung von Straßen und Versorgungsleitungen in Trittenheim (der TV berichtete). Für 2,3 Millionen Euro haben die Werke die Anschlüsse und Sammler erneuert; rund eine Million Euro hat die neue Wasserversorgung gekostet. Das Land fördert mit zwei Millionen Euro an zinslosen Darlehen.
Rohr Nummer zwei, das wie das Kanalrohr einen Durchmesser von 18 Zentimetern hat, ist für den Transport von Frischwasser gedacht. Aber nur im Notfall. Dies sei das zweite Standbein der Wasserversorgung von Trittenheim und der Rest-Verbandsgemeinde, sagt der Werkleiter. Wenn beispielsweise die Versorgung mit Trinkwasser vom Zweckverband Eifel-Mosel bei Hochwasser gefährdet sein sollte, könnte man Trittenheim auch in umgekehrter Richtung bedienen, nämlich vom Hochbehälter Leiwen aus.
Die etwas kleineren Rohre Nummer drei und vier, die in den Düker eingefädelt wurden, sind schwarz und für Stromkabel gedacht, etwa zur Steuerung der Anlagen der VG-Werke oder (möglicherweise später einmal) für DSL-Kabel. Die für 8000 Einwohnerwerte ausgelegte Gruppenkläranlage Leiwen könne Trittenheim noch gut verkraften, sagt Harald Guggenmos. Auch werde die Millioneninvestition mittelfristig keine Auswirkungen auf die Gebühren haben. Wasserversorgung und Abwasserentsorgung kosten den Verbraucher in der VG Schweich rund drei Euro pro Kubikmeter; so günstig ist es sonst im ganzen Landkreis nicht. Das weiß auch Trittenheims Bürgermeister Franz-Josef Bollig zu schätzen. Wäre seine Gemeinde nicht im Zuge der Kommunalreform zur VG Schweich gewechselt und in der VG Neumagen-Dhron geblieben, wären die Gebühren wesentlich höher. "Wir hatten einen riesigen Investitionsstau." Unterdessen liegen die Arbeiten in Trittenheim voll im Zeitplan. Bollig: "Ende Juni sind die Werke und die Firma Wey fertig und am nächsten Montag beginnt die Firma Lehnen mit dem Straßenausbau im dritten Abschnitt."Extra

Ganz schön dickes Ding, dieser Düker. Zwölf Meter tief unter dem Grund der Mosel liegt die Leitung. Der Düker ist ein Rohr und kann eine Abwasser- oder Trinkwasserleitung sein oder auch eine Grundwasser- oder Öl-Pipeline. (sprich: Öl-Peip lein). Zwischen Trittenheim und Leiwen wird die Leitung für frisches Wasser, Abwasser oder Strom genutzt. Der Kanal, in dem der Düker liegt, ist 260 Meter lang - das ist ungefähr so viel wie zweieinhalb Fußballplätze. Einen noch größeren Düker unter einem Fluss gibt es in Koblenz. Er ist 370 Meter lang, also etwas mehr als einen Fußballplatz länger als der unter der Mosel, und verbindet die Altstadt mit dem Stadtteil Ehrenbreitstein. Er wurde vor mehr als 30 Jahren gebaut. Der Rheindüker, wie man ihn nennt, liegt 16 Meter unter der Flusssohle des Rheins. red