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Romantischer Revolutionär: 800 Besucher trotzen mit Konstantin Wecker dem Regen

Romantischer Revolutionär: 800 Besucher trotzen mit Konstantin Wecker dem Regen

Zärtlich und kämpferisch: Aus der deutschen Liedermacher-Szene ist er nicht wegzudenken: Seit mehr als 40 Jahren singt Konstantin Wecker für eine bessere Welt. Zum Auftakt von Porta³ sind am Freitag 800 Besucher seinem Aufruf zur „Revolution„ gefolgt.

Romantischer Revolutionär: 800 Besucher trotzen mit Konstantin Wecker dem Regen
Foto: Friedemann Vetter
Romantischer Revolutionär: 800 Besucher trotzen mit Konstantin Wecker dem Regen
Foto: Friedemann Vetter

Trier. "Und draußen steigt die Sonne hoch ...„ - ein wenig schmunzeln muss Konstantin Wecker bei dieser Zeile schon. Denn genau in diesem Moment ziehen sich die 800 Zuhörer vor der Porta Nigra ihre Kapuzen und Regenjacken über den
Kopf, weil der erste Schauer niedergeht - "an diesem warmen, lauen Sommerabend„, wie der Liedermacher zur Begrüßung sagt. Aber Wecker wäre nicht der unverbesserliche Optimist, wenn er nicht fest an seine Wolkenwegschieber-Qualitäten glauben würde. "Der Sommer ist nicht mehr weit„, singt er - und siehe da: Eine halbe Stunde später zeigt sich am Himmel ein strahlender Regenbogen. "Mei, is des schee!„

Wenn Wecker mit dem Motto des Abends die "Revolution„ ausruft, "nicht gewaltvoll, doch gewaltig an Ideen„, dann reckt er zwar in der Karl-Marx-Stadt Trier kämpferisch die linke Faust in die Höhe, eigentlich will der Pazifist aber "die ganze Welt poetisieren„ und mit dem Romantiker Novalis die Wahrheit nicht in "Zahlen und Figuren„, sondern in "Märchen und Gedichten„ erkennen. Dazu passt, dass er die vielen Hasskommentare, die er im Internet erhalten habe, nicht seinerseits mit Hass beantworten will, sondern sie sich zu eigen macht. Ob "links-grün-versiffter Alt-68er„ oder "Gutmensch„ - aus seinem Mund klingt das fast wie ein Ehrentitel.

Was sich in den Jahrzehnten seiner Karriere nicht geändert hat, ist das, was Wecker schon 1975 erklärte und jetzt dem Konzert als ersten Titel voranstellt: "Ich singe, weil ich ein Lied hab'.„ Denn "stummes Gestammel„ ist seine Sache
nicht, noch immer hat er viel zu sagen, und manchmal erscheint es ihm nötiger denn je. In seinen "schlimmsten Träumen„ habe er sich nicht ausgemalt, dass die Themen Nationalismus und Rechtsextremismus, mit denen er sich bereits 1979 in
"Vaterland„ auseinandersetzte, wieder einmal so aktuell werden würden.

Und so haben neben alten und neuen Liebesliedern - "Die Revolution braucht Liebe!„ - auch jene Titel ihren festen Platz im Programm, die einen Appell ans Publikum richten. "Tobe, zürne, misch dich ein - sage nein!„, heißt es da, oder:
"Empört euch!„. Zum Ausklang allerdings, als der Regen nachgelassen hat und es fast doch noch ein lauer Sommerabend geworden ist, verabschiedet sich Wecker mit ruhigen Liedern wie "Gracias a la vida„ und "Buona notte„ - ganz poetisch eben.

Am Samstag trat der schwedische Jazz-Posaunist Nils Landgren vor der Porta auf.

daj