Rosmarie Levy aus Trier gehört zu den Köpfen der Fridays-for-Future-Bewegung

Kostenpflichtiger Inhalt: Klimastreik : Die Greta Thunberg aus Trier

Sie ist erst 15, lebt seit Jahren vegan und vermeidet Müll. Sie hat eine Kurzgeschichte über ihren Lebensstil veröffentlicht und engagiert sich in einer Tierrechtsgruppe. Rosmarie Eden Levy gehört zu den Köpfen der Trierer Fridays-for-Future-Bewegung.

Ausgerechnet in der Fleischstraße hat die Tierrechtsgruppe Animal Liberation Trier an diesem Samstag ihr Zelt aufgebaut. An der Einmündung zum Hauptmarkt zeigen die Aktivisten schockierende Videoaufnahmen von Tierquälerei und Massentierhaltung. „Bio ist keine Lösung“, lautet die Botschaft, und: „Lebe vegan“. Ihre T-Shirts sind mit dem Gruppenlogo bedruckt.

Nur eine der Aktivistinnen trägt ein geringeltes Shirt ohne Logo. „Ich kaufe lieber secondhand“, erklärt Rosmarie Eden Levy. Der Kauf eines neuen Gruppenshirts sei für sie keine Option.

Die 15-jährige Triererin engagiert sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Seit 2016 ernährt sie sich vegan, seit 2019 lebt sie nach eigener Aussage zusätzlich „zero waste“, das heißt: möglichst ohne Müll zu produzieren. Dazu zählt der Verzicht auf Plastikverpackungen und Elektroschrott ebenso wie die Verwertung von ausnahmslos unverpackt gekauften Lebensmitteln. Wegwerfen wird zum No-go, ebenso der regelmäßige Erwerb des neuesten Smartphones. Und wie sieht’s mit Flugreisen aus, die wegen der Emissionen ebenfalls in der Kritik stehen? Dieses Jahr besuchte Rosmarie ihre Großeltern in Israel mangels Alternativen noch mit dem Flugzeug, allerdings nicht ohne an die Ökobilanz zu denken: Pro Stunde Flugzeit verbrachte sie deshalb ungefähr eine Woche Urlaub. Ab 2021 möchte Rosmarie ganz aufs Fliegen verzichten. Die meisten Reiseziele seien mit der Bahn gut erreichbar.

Angefangen hat alles mit einem Video zur Massentierhaltung, das ein Erdkundelehrer im Unterricht zeigte. Rosmarie Eden Levy verzichtete fortan auf Fleisch und entschied sich schließlich, ganz auf den Verzehr von Tierprodukten zu verzichten. Sie schloss sich der Tierrechtsgruppe Animal Liberation Trier an, las Sachbücher und setzte sich kritisch mit den Themen Massentierhaltung, Menschenrechte und Umweltschutz auseinander.

Ihre Mutter zeigte sich damals zunächst wenig begeistert. Berichte über Mangelerscheinungen durch vegane Ernährung bereiteten ihr Sorgen um Rosmaries Gesundheit. „Aber wenn meine Tochter sich etwas in den Kopf setzt, zieht sie es durch“, sagt Gerlinde Levy. Schnell habe sie erkannt, dass Rosmarie sich seitdem vitaminreicher und gesünder als zuvor ernähre. Inzwischen lebt die Mutter selbst vegetarisch und probiert gerne Rosmaries selbst kreierte vegane Gerichte.

Frei nach dem Motto „inspirieren statt missionieren“ bringt die 15-Jährige ihre veganen Kreationen gern ihren Mitschülern mit und beweist, wie gut vegan schmecken kann. „Viele sind schlau genug, zu erkennen, wie wichtig eine Ernährungsumstellung für Umwelt und Tiere ist“, erklärt sie. Oft fehle nur der Denkanstoß.

Deshalb hat Rosmarie Eden Levy dieses Jahr über eine Online-Buchdruck-Plattform ihre Geschichte „Was meine Eltern mir verschwiegen“ veröffentlicht. Auf 70 Druckseiten erzählt sie aus der Perspektive zweier Drittklässler von kindlichen Moralvorstellungen, Tierethik und dem Weg der Ernährungsumstellung. Eigene hilfreiche Tipps verpackt sie geschickt in Erwachsenen-Dialoge – aus dem Mund von Kindern würden sie zu gestelzt klingen, sagt sie.

Das Grundgerüst zur Geschichte entstand im Rahmen eines Schreibworkshops am Auguste-Viktoria-Gymnasium. Anschließend sei sie so motiviert gewesen, dass sie die Geschichte weiterentwickelt habe. Mit der Hilfe ihrer Deutschlehrerin kam es dann zum Druck und zur Veröffentlichung des Buches. Rosmarie möchte damit vor allem Kinder ab der dritten Klasse darüber aufklären, „wie die Welt funktioniert“ und zum eigenständigen Nachdenken anregen. Kinder seien reif genug, um ihren eigenen Willen durchzusetzen.

Das weiß sie aus eigener Erfahrung. Schließlich war auch sie gerade mal elf Jahre alt, als sie sich für eine vegane Ernährung entschied. Obwohl sie aus ihrem damaligen Freundeskreis kaum Bestätigung erfuhr, ließ sie sich nicht abbringen. Was hat sie damals angetrieben? „Mein Gewissen“, sagt sie. „Ich fühle mich verpflichtet, der Welt etwas Gutes zu tun.“ Dieser Gedanke begleitet Rosmarie seit ihrer Kindheit. Wie zum Beweis kramt sie aus dem Bücherregal ein Heft hervor. In einem im Ethikunterricht entstandenen Buch legte sie in der zweiten Klasse ihre Wünsche für die Zukunft dar: „Dass alle Menschen und Tiere froh sind“, steht dort und „kein CO2“.

 Rosmarie Eden Levy bezeichnet sich selbst als „Öko“, findet es „cool, einer zu sein“ und hat ein noch größeres Ziel: „Ich möchte die Welt retten, bevor es zu spät ist.“

Neben ihrem privaten Engagement ist sie aktiv im Plenum und Orga-Team der Trierer Fridays-for-Future-Bewegung und eröffnet den Schüler-Klimastreik regelmäßig mit ihren eigenen gesellschaftskritischen Gedichten. „Es verwirrt mich, zu sehen, wie sie ihre Kinder erziehen, als hätten diese noch ’ne Chance, mal selber Kinder zu kriegen“, heißt es in ihrem jüngsten Werk „Falsch erzogen“, mit dem sie bei einem der Klimastreiks auf dem Trierer Domfreihof ihr Entsetzen über die fehlende Verantwortungsbereitschaft mancher Eltern zu Zeiten des Klimawandels zum Ausdruck brachte.

Inzwischen bekommt Rosmarie Anerkennung und Applaus für ihren Einsatz. Auf dem Domfreihof jubeln ihr zeitweise Tausende Jugendliche und Erwachsene zu. Auch einige Mitschüler haben sich der Fridays-for-Future-Bewegung angeschlossen.

Zufrieden ist Rosmarie jedoch noch lange nicht. Für die Zukunft wünscht sie sich viele Helden, die den Glauben an die Rettung der Welt noch nicht aufgegeben haben und gemeinsam für eine bessere, friedliche Welt einstehen.

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