Rosskur bei den Stadtwerken

TRIER. Die Stadtwerke Trier stehen vor einem tiefgreifenden und für viele Mitarbeiter schmerzhaften Umstrukturierungsprozess. In den kommenden vier Jahren sollen 200 der 640 Arbeitsplätze abgebaut werden. Bislang ermittelte Kosten der Maßnahmen: 15 Millionen Euro.

Geschäftsführer Martin Cirener ist seit rund zwei Jahren im Amt. Nun steht ihm seine größte Bewährungsprobe und dem Unternehmen eine Rosskur bevor. "Wir müssen uns dem verschärften Wettbewerb stellen, sonst fährt der Karren vor die Wand", sagt der Betriebswirt.Cireners Credo lautet: Kosten senken und Wachstumschancen ausloten. "Mit dem Kerngeschäft Strom, Wasser und Gas können wir kein weiteres Wachstum erzielen", hat er erkannt. Große Ketten wie Karstadt, Kaufhof oder Praktiker stellten hohe Anforderungen. "Diese Firmen verlangen eine europaweite Belieferung und außerdem eine gewisse Mindestumsatzhöhe. Beides können wir nicht bieten." Cirener will deshalb künftig unter anderem auf die Karte Abwasser setzen, "um die Umsätze in der Region zu erhöhen".Der mit dem Umstrukturierungskonzept verbundene Sozialplan ist in den vergangenen Wochen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat intensiv und teils sehr kontrovers diskutiert worden. Vor wenigen Tagen hat die Mitarbeitervertretung das Papier unterschrieben. Auch der Aufsichtsrat hat Zustimmung signalisiert. Am kommenden Donnerstag, 27. März, will Cirener die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung informieren. Es könnte allerdings sein, dass der Plan in letzter Minute scheitert. Denn nachdem Bundeskanzler Schröder vor wenigen Tagen die Kürzung des Arbeitslosengeldes für ältere Arbeitslose von 32 auf 18 oder 12 Monate verkündet habe, ist laut Cirener eine neue Situation entstanden. "Jetzt müssen wir prüfen, ob das Ganze nicht zu teuer wird."Der Sozialplan sieht bislang vor, 140 Stadtwerker, die 55 Jahre alt sind oder es in den kommenden vier Jahren werden, vorzeitig in den Ruhestand zu versetzen. "Sie bekommen eine hohe Abfindung und darüber hinaus einen angemessenen Rentenausgleich", erklärt der Geschäftsführer. War dieser Vorschlag in Abstimmung mit dem Betriebsrat raschkonsensfähig, gab es bei den anderen beiden Modellen Probleme. Denn weitere 60 Mitarbeiter sollen ausgegliedert werden oder den Arbeitgeber wechseln.Bei der Ausgliederung gründen die Stadtwerke mit einem Partner (zum Beispiel der gbt) eine neue Gesellschaft, an der sie Anteile halten. Diese GmbH soll vorwiegend die Aufträge erledigen, die bislang fremd vergeben wurden. Das andere Modell nennt sich betriebswirtschaftlich "Outsourcing". Auch hier wird eine neue Gesellschaft gegründet, an der die Stadtwerke jedoch nicht beteiligt sind. Stattdessen verpflichten sie sich, eine vorher festgelegte Umsatzhöhe zu garantieren. Die Mitarbeiter erhalten für fünf Jahre eine Besitzstandsgarantie, sprich das gleiche Gehalt wie zuvor bei den Stadtwerken."Viele tun sich schwer damit, dass Veränderungen auf sie zukommen. Sie glauben an eine vermeintliche Sicherheit unter der Käseglocke Stadtwerke", resümiert Cirener. Dies sei jedoch "ein gefährlicher Irrglaube, denn der Marktdruck ist so stark, dass wir reagieren müssen".Zufrieden mit dem Kompromiss zeigt sich der Vorsitzende des Betriebsrates, Manfred Adams: "Wir haben hart für unsere Kollegen gekämpft und eine sozialverträgliche Lösung gefunden." Adams weist jedoch explizit darauf hin, dass dies nur für den Sozialplan gelte. Das von der Beratungsfirma A.T. Kearney erarbeitete Gesamtzahlenwerk, an dem der Betriebsrat nicht beteiligt gewesen sei, "können wir nicht nachvollziehen". Insbesondere sei der erheblich niedrigere Personalstand zu beklagen.Die Parteien, die im Aufsichtsrat vertreten sind, bedauern ebenfalls den Personalabbau, finden jedoch lobende Worte für den Sozialplan. Oberbürgermeister Helmut Schröer (CDU) freut sich über die "einvernehmliche Regelung", SPD-Fraktionschef Friedel Jaeger spricht von einer "komfortablen Lösung zu Gunsten der Mitarbeiter", UBM-Chef Manfred Maximini hält die Vereinbarung "für eine gute Sache". Grünen-Sprecher Gerd Dahm übt hingegen Kritik: "Ich bin skeptisch, ob das wirklich alles so sein muss. Aber offenbar ist es nicht zu verhindern."Ihre Meinung in Kürze?Mail an echo@volksfreund.de