Ruander arbeiten freiwillig in Deutschland - und werden an der Porta Nigra beschimpft

Ruander arbeiten freiwillig in Deutschland - und werden an der Porta Nigra beschimpft

Trier sieht sich gerne als weltoffene Stadt. Drei junge Menschen aus Ruanda haben das kürzlich anders erlebt.

Es war eine Art Abschiedsbesuch in Trier. Drei junge Menschen aus Ruanda, die mittlerweile wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt sind, waren kürzlich in der Moselstadt zu Gast. Anlass des Besuchs war das Abschlussgespräch ihres sozialen Friedensdienstes, der vom Verein Sofia organisiert wurde (siehe Info). Ein Jahr lang hatten sie zuvor soziale Arbeit in deutschen Einrichtungengemacht für ein Bundesfreiwilligendienst-Gehalt von monatlich 300 Euro. Claudine Uwineza (23) hatte im Koblenzer Kleiderladen der Caritas gebrauchte Kleidung gereinigt und sortiert und sie bedürftigen Koblenzer Bürgern angeboten. Claudine Usabuwera (22) half im Freizeitbereich einer Neuwieder Behinderteneinrichtung den Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung bei vielen Handreichungen, begleitete sie bei Besorgungen, schob sie im Rollstuhl. Jean Demanscene (25) half im offenen Jugendtreff in Vallendar Kindern und Jugendlichen bei den Hausaufgaben, spielte mit ihnen oder besprach mit ihnen Probleme.

Bernhard Rasch aus Vallendar, der die jungen Gäste aus Ruanda mitbetreute, berichtet gegenüber dem TV von einem Vorfall an jenem 19. Januar in Trier, der ihn noch heute sauer macht: "Die drei, die sich für Deutsche engagiert hatten, die in unserer Gesellschaft häufig am Rande stehen, gingen nach dem Termin in Trier in der Nähe der Porta Nigra durch die Fußgängerzone, als ihnen ein deutscher Passant ‚Scheiß Flüchtlinge!' hinterherrief." Bernhard Rasch ist immer noch fassungslos darüber. Davon abgesehen, dass man auch Flüchtlinge nicht beschimpfen dürfe, hätten diese drei jungen Ruander den deutschen Sozialstaat keinen einzigen Tag belastet. Die jungen Leute, laut Rasch sonst nicht auf den Mund gefallen, seien geschockt gewesen. Mittlerweile sind sie wieder zurückgekehrt in ihre Heimat, die beiden jungen Frauen studieren in der Hauptstadt Kigali, Jean Demascene will eine Ausbildung zum Krankenpfleger machen. Der Vorfall werfe kein gutes Licht auf den unbekannten Passanten, findet Rasch: "In ihrer Heimat werden die jungen Leute von vielen positiven Erfahrungen berichten und davon, dass einige wenige Deutsche ihnen mit Vorurteilen begegnet sind, nur weil sie anders aussahen."Extra

Die Abkürzung Sofia steht für "sozialer Friedensdienst im Ausland". Der Verein ist aus dem christlichen Gedanken heraus entstanden, sich global für die Verständigung unter den Völkern einzusetzen. Die Auslandsaufenthalte, die der Verein jungen Menschen ermöglichst, dauern ein bis zwei Jahre und kosten rund 10?000 Euro plus Eigenleistung der Teilnehmer. Der Verein finanziert sich unter anderem durch Spenden sowie Zuschüsse vom Bistum Trier, den Internationalen Jugendfreiwilligendienst und den Freiwilligendienst "weltwärts" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zurzeit sind erneut elf junge Leute aus sechs Ländern für ein Jahr in sozialen Einrichtungen im Bistum Trier. Sie machen zunächst in Trier einen Vorbereitungskurs und nehmen dann ihre Arbeit in verschiedenen einrichtungen auf, darunter die Lebenshilfe Werkstätten in Trier, der Mergener Hof, das Johanneshaus in Hermeskeil, das Hofgut Serrig und das Gymnasium Saarburg

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