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Rudelbildung auf der Verkehrsinsel

Rudelbildung auf der Verkehrsinsel

Die blauen Kulturhauptstadt-2007-Hirsche sind sang- und klanglos aus dem Stadtbild verschwunden. Dezernentin Kaes-Torchiani hat die stählernen Symbole einsammeln und auf einen Bauhof verfrachten lassen, kündigt aber ein Comeback an: Die Herde soll am Verteilerring aufgestellt werden.

Eines Morgens war er nicht mehr da. Vor dem Eingang zur Tourist-Information an der Porta Nigra erinnerte nur noch ein Abdruck auf dem Boden und eine liegen gebliebene Schraube daran, dass hier vorher etwas im wahrsten Sinne des Wortes "Schwerwiegendes" gestanden hat: Fast eine halbe Tonne bringt jeder einzelne Kulturhauptstadt-Hirsch auf die Waage. Sechs davon zierten öffentliche Plätze im Stadtgebiet - nun sind sie allesamt weg. Sollten da Schrotthändler in einer Nacht-und-Nebel-Aktion reiche Beute gemacht haben?

Keineswegs. Die TV-Recherchen führen ins Rathaus. "Ja, ich habe die Hirsche einsammeln lassen", bestätigt Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani, um gleich hinzuzufügen, dass sie nicht etwa aus niederen Motiven gehandelt habe: "Klar, bei den aktuellen Stahlpreisen könnte man mit Blick auf die leere Stadtkasse auf krumme Gedanken kommen. Aber wir führen nur Gutes im Schilde", beteuert die für den öffentlichen Straßenraum zuständige Beigeordnete. Die flächendeckende Verteilung der Hirsche mache "keinen Sinn mehr. Es ist doch so ohne Weiteres nicht mehr vermittelbar, was es damit auf sich hat."

Also habe sie die Hirsche nun erst mal ins "Winterlager" bringen lassen. Auf dem nicht öffentlich zugänglichen Bauhof des Tiefbauamts in der Löwenbrückener Straße steht die Herde eingepfercht zwischen Baufahrzeugen und Pflastersteinstapeln und wartet auf den Frühling. Dann, so verspricht Kaes-Torchiani, soll das illustre halbe Dutzend auf der Mittelinsel des Verteilerings in Trier-Nord aufgestellt werden.

Die Hirsche waren Symbole der 2007er europäischen Kulturhauptstadt "Luxemburg und die Großregion". Frei nach dem Motto "Was gut ist, darf bleiben" erfüllen die rund fünf Dutzend Exemplare in der großzügig definierten Großregion (selbst in Mainz vor der Staatskanzlei steht ein blauer Hirsch) weiterhin eine wichtige Mission.

Sie symbolisieren auch nach dem überaus erfolgreich verlaufenen Kulturhauptstadt-Jahr und der bis 2007 beispiellosen Aufbruchstimmung in den Grenzregionen rund um das Großherzogtum die grenzüberschreitende kulturelle Zusammenarbeit. Die zu verstetigen, ist Aufgabe des aus dem Kulturhauptstadt-Trägerverein hervorgegangenen Vereins "Kulturraum Großregion". Triers Regionalkoordinator und zugleich Verwaltungsratsmitglied ist Roman Schleimer, Leiter des städtischen Kulturbüros.

Blaues Rudel zwischen Zäunen und Pflastersteinen



Über ihn wird gesagt, er sei "stinksauer", dass die Hirsche so sang- und klanglos von der öffentlichen Bildfläche verschwunden sind. Gegenüber dem TV wollte Schleimer dies nicht bestätigen: "Es wäre schön gewesen, wenigstens den Hirsch vor dem Rathaus stehen zu lassen", sagt er diplomatisch. Mit der geplanten Rudelbildung am Verteilerring zeigt er sich einverstanden: "Damit bleiben sie dem Stadtbild an exponierter Stelle erhalten und dokumentieren weiterhin die Zugehörigkeit Triers zum Kulturraum Großregion."

Trier ganz ohne die stählernen Symbole und Imageträger - das allerdings hielte Schleimer für "undenkbar": "In Metz, Saarbrücken, Eupen - überall stehen die Hirsche. Wir wären als Hirsch-freie Zone ganz allein auf weiter Flur." Wann und in welcher Formation die Trierer Hirsche am Verteilerkreis Nord Dauerquartier beziehen, steht laut Kaes-Torchiani noch nicht fest. ExtraDer blaue Hirsch ist eine Kreation der luxemburgischen Werbeagentur Bizart. Aus fast 100 Vorschlägen wurde er zum Symbol der Kulturhauptstadt 2007 "Luxemburg und Großregion" gekürt und zierte Plakate, Programmhefte, Tragetaschen und Sticker. Die 1,70 Meter hohen und 2,10 Meter langen Hirsche stellte eine belgische Tochterfirma des Arcelor-Konzerns her. (rm.)