Rudelgucken? Aber sicher!

Vor den Fans kommt der Sprengstoffspürhund: In Triers größten Public-Viewing-Zonen (Viehmarkt, Arena) werden die Sicherheitsvorkehrungen bei Übertragungen von Spielen der Fußball-EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) besonders groß sein. Erstmals wird auch Eintritt erhoben.

Trier. Es könnte auf ein rauschendes und friedliches Fußballfest hinauslaufen. Doch die Vorzeichen sind "diesmal leider etwas anders", sagt Eric Naunheim (49), Betreiber der Public-Viewing-Zone auf dem Viehmarkt (Kapazität: 6500 Besucher). Die Terroranschläge von Paris und Brüssel wirken sich indirekt auch auf die größten EM-Übertragungs-Veranstaltungen in der Region Trier aus: Die Sicherheitsvorkehrungen sind so immens wie nie zuvor.
Doppelt so viel Personal


Naunheim und Wolfgang Esser (63), der Manager der Arena Trier (9000 Plätze in und vor der Halle), arbeiten erstmals eng zusammen, um das populäre "Rudelgucken" zu ermöglichen : "Wir haben die Vorbereitungsgespräche mit den städtischen Behörden und der Polizei gemeinsam geführt. Resultat: Wir bieten dieselben Sicherheitsstandards", resümiert Esser.
Öffentlich in die Karten schauen lassen wollen sich beide Veranstalter nicht, lassen aber durchblicken, dass sowohl auf dem Viehmarkt als auch in und vor der Arena doppelt so viel Security-Kräfte im Einsatz sein werden wie bei der WM 2014, viele davon "in Zivil".
Dabei setzt das Bestreben, ein "größtmögliches Maß an Sicherheit" zu bieten, bereits viel früher an. Beide Zonen werden rund um die Uhr bewacht, und zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff checkt die Polizei mit Sprengstoffspürhunden die Lage. Ist die Luft rein, kommen die Fans rein - und müssen dafür bezahlen. Was bisher die Ausnahme war - lediglich bei einem EM-2012-Halbfinale Deutschland gegen Italien wurde auf dem Viehmarkt Eintritt erhoben (2 Euro) - wird nun zur Regel. 4,50 Euro pro Kopf und Match kostet der Zugang. Im Eintrittspreis ist ein Getränk enthalten. Auch in Sachen Getränkepreis machen die Großveranstalter gemeinsame Sache: Ein Bier (0,4 Liter) im Mehrweg-Hartplastikbecher kostet 3,50 Euro plus 1 Euro Pfand.
Ebenfalls Einigkeit besteht darin, dass lediglich die Partien mit deutscher Beteiligung gezeigt werden, also ganz sicher die Gruppenspiele gegen die Ukraine (Sonntag, 12. Juni, 21 Uhr), Polen (Donnerstag, 16. Juni, 21 Uhr) und Nordirland (Dienstag, 21. Juni, 18 Uhr). Naunheim: ".Sollten sich Jogis Jungs vor dem Finale verabschieden, werden wir mit dem Abbau beginnen."
Der Aufbau auf dem Viehmarkt beginnt am 10. Juni, in und vor der Großraumhalle bereits vier Tage vorher: Die Arena ist am Donnerstag, 9. Juni, Schauplatz einer Open-House-Party der Uni. Esser: "Da wollen wir die Public-Viewing-Infrastruktur ebenfalls anbieten." Die Technik ist jeweils dieselbe wie bei der WM 2014: In der Arena werden die Spiele per Beamer auf einer 120-Quadratmeter-Leinwand gezeigt, draußen sowie auf dem Viehmarkt jeweils auf einer 24 Quadratmeter großen LED-Wand.
Die EM wird nur in einem Fall direkte Auswirkungen auf eines der Trierer Traditionsfeste haben: Sollte es die deutsche Mannschaft ins Achtelfinale schaffen, dann wird die Übertragung ins Viehmarkt-Programm des Altstadtfestes (24. bis 26. Juni) eingebettet werden.
Das Moselfest in Zurlauben (8. bis 11. Juli) ist hingegen Public-Viewing-freie Zone. "Wir haben noch heute finanziell an unserem Finale-Debakel bei der WM 2014 zu knabbern", sagt Christian Reichert (43), Geschäftsführer des Festausschusses. Damals erlebten bei Dauerregen gerade einmal 400 Besucher den deutschen Endspielsieg auf der mit hohem Aufwand Public-Viewing-fit gemachten Festmeile am Zurlaubener Moselufer. Auf dem Viehmarkt waren es 6000 Fans, in der Arena 5500.
Extra

In den Verbandsgemeinden Trier-Land, Schweich und Ruwer gibt es nach heutigem Kenntnisstand während der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) nur Public-Viewing-Veranstaltungen in Waldrach und Mehring. In der Gaststätte Hühnerstall in Waldrach werden alle Spiele, also nicht nur solche mit deutscher Beteiligung, auf einer Großbildleinwand übertragen. Der Eintritt ist frei. Einen besonderen Service für Fußballfreunde bietet die Medarduskirmes in Mehring. Am Sonntag, 12. Juni, wird im Kulturzentrum an der alten Schule das Auftaktmatch der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Ukraine gezeigt. Anpfiff ist um 21 Uhr. Weitere Programmpunkte: Wahl der Mehringer Weinkönigin 2016/2017 und Konzert der Winzerkapelle "Original Moselländer" mit Tänzen der Winzertanzgruppe Mehring (ab 17 Uhr).alfExtra

Neben Viehmarkt und Arena gibt es in Trier weitere Schauplätze für Übertragungen von Spielen der EM in Frankreich: Im Romika-Partyzelt (Metternichstraße 33) sind alle Deutschland-Spiele auf Großleinwand zu sehen. Die Sportsbar Cheers (Antoniusstraße 7) zeigt alle Abendspiele im Biergarten (Leinwand) und drinnen (Fernseher). Das Louisiana (Kornmarkt) ist mit sieben Fernsehgeräten und drei Leinwänden dabei und zeigt alle EM-Spiele. Der Petrusbräu-Ausschank (Kalenfelsstraße 3) kündigt an, alle Deutschland-Spiele im Biergarten (Leinwand) zu zeigen und alle anderen drinnen (Fernseher). Der Eintritt ist überall frei. Außerhalb Triers und des Trie-rer Lands gibt es unter anderem folgende Public-Viewing-Angebote: Stadthalle Bitburg: alle Spiele mit deutscher Beteiligung. Eintritt frei. Eventum Wittlich: Deutschland-Spiele; Eintritt: 2 Euro. Stadt Luxemburg: Die EM-Gruppenspiele bis zum 20. Juni werden auf dem Place de la Constitution (Gëlle Frau) ausgestrahlt, die vom Achtelfinale (Beginn: 25. Juni) bis zum Endspiel auf dem Place Guillaume II (Knuedler). rm.