Rückschau in düstere Zeiten
Erika Mann und ihrem 1933 in München gegründeten politisch-literarischen Kabarett "Die Pfeffermühle" widmete sich ein Abend mit Roswitha Dasch und Ulrich Raue in der Tufa Trier. Die beiden Kabarettisten und Musiker ließen die Zeit der 30er Jahre Revue passieren. Doch der Funken sprang nicht über.
Trier. Erika Mann, 1905 geborene Tochter von Thomas Mann, Theaterschauspielerin, Journalistin und Ex-Ehefrau von Gustaf Gründgens, gründete 1933 in München das politisch-literarische Kabarett "Pfeffermühle". Zusammen mit ihrem Bruder Klaus, Freundin Therese Giehse und anderen Gleichgesinnten bezog sie damit gegen den Nationalsozialismus Stellung. Unter dem Titel "Vorsicht! Scharf!" haben Roswitha Dasch und Ulrich Raue die Geschichte Erika Manns und der Pfeffermühle aufbereitet.
In Sketchen, Gedichten und Chansons vermitteln sie in der Tufa einen Eindruck, mit welchen satirischen Waffen die Künstler damals einen ohnmächtigen Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse führten. Ulrich Raue am Piano und Roswitha Dasch mit Geige und Gesang vertonen populäre Musik der Zeit, die jedoch doppelbödige Texte transportiert.
Sie bringen Gesellschaftskritik getarnt als lustigen Sketch oder als Groteske auf die Bühne. Dazwischen zitieren sie Gedichte, beispielsweise von Erich Kästner, und erzählen Erika Manns Biografie in Ich-Perspektive.
Lehrreiches über Erika Mann und die Pfeffermühle
So musikalisch und schauspielerisch versiert die Kabarettisten auch sind, so richtig zündet ihr Programm nicht. Irgendwie wirkt es bemüht, irgendwie auch weichgespült. Was den Künstlern der 30er bitterernstes Anliegen war, wird mit charmantem Dauerlächeln und wenig bis keiner Dramatik vorgetragen. Da fehlt der Biss oder besser die Schärfe von echtem Pfeffer. Interessant und lehrreich jedoch sind die vielen Informationen über Erika Manns Leben und das Schicksal der Pfeffermühle. Schon ihr erstes Programm wurde von den Nazis als so scharf-gefährlich empfunden, dass nur der Gang ins Exil blieb.