Rundum-Versorgung für betagte Patienten

Rundum-Versorgung für betagte Patienten

Das ökumenische Verbundkrankenhaus Trier eröffnet an seinem Standort in Ehrang eine neue Station für Geriatrie. 25 Betten sollen für die Disziplin übergreifende Altersmedizin reserviert werden.

Trier. Ein Tritt aufs Eis, ein Ausrutscher, ein Plumps: Bei den glatten Straßen der vergangenen Tage blieben Stürze nicht aus. Menschen im hohen Alter, die mit einem Knochenbruch ins Ehranger Krankenhaus kommen, werden dort zunächst chirurgisch versorgt. Insbesondere bei alten Patienten ist es allerdings wichtig, den gesamten Gesundheitszustand - etwa Herzprobleme oder welche Medikamente sie ohnehin schon einnehmen - im Blick zu haben. "Und auch, ob es zum Beispiel andere Gründe für den Sturz gegeben haben könnte, etwa ein Kreislaufproblem", sagt Nikolai Wezler.
Wezler ist Chefarzt der Abteilung für Geriatrie - Altersmedizin - am Ökumenischen Verbundkrankenhaus Trier (ÖVK, siehe Extra). Im Elisabethkrankenhaus ist im Juli 2011 eine geriatrische Abteilung eröffnet worden. Mitte Januar erhielt das ÖVK die Erlaubnis vom Mainzer Gesundheitsministerium, auch in Ehrang eine altersmedizinische Station zu eröffnen. Auch bislang sind alte Menschen, die wegen chirurgischer oder internistischer Eingriffe im Ehranger Krankenhaus waren, von Ergo- oder Physiotherapeuten begleitend behandelt worden. "Jetzt wird diese in der Altersmedizin besonders wichtige Disziplin übergreifende Arbeit ausgebaut und bekommt einen offiziellen Status", erklärt Chefarzt Wezler.
25 Betten sind auf der Station A 4 des Marienkrankenhauses eingerichtet worden. Bisher standen dort Betten der chirurgischen Abteilung, die auf andere Stationen umverteilt wurden. Leitende Oberärztin der neuen altersmedizinischen Station ist Tsun Wai Hoffmann. Zum Team gehören außerdem ein dritter Oberarzt, neu geschaffen wurden eine ergotherapeutische und eine physiotherapeutische Stelle sowie eine Logopädin. Eng zusammengearbeitet wird außerdem mit niedergelassenen Therapeuten, Hausärzten sowie Pflege- und Sozialdiensten, um die Versorgung der betagten Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sicherzustellen.
Wurden geriatrische Patienten bislang häufig von Ehrang in die City verlegt, können diese jetzt im Marienkrankenhaus weiterbehandelt werden. "Viele Patienten scheuen eine Verlegung - und auch den oft ebenfalls hochbetagten Angehörigen wird so erspart, für Besuche den weiteren Weg in die City auf sich nehmen zu müssen", sagt Wezler. Grundsätzlich werden alle Patienten, die älter als 80 Jahre sind, auf der geriatrischen Station aufgenommen. Bei Patienten ab 70 Jahren entscheidet der Gesundheitszustand: "Wer an mehr als fünf Krankheiten leidet - etwa Herzprobleme, Diabetes oder auch einer Depression - der ist auf der geriatrischen Station gut aufgehoben", sagt Wezler. Für ÖVK-Gechäftsführer Vetter ist die neue Geriatrie-Station in Ehrang eine erste Etappe bei der Umstrukturierung der Klinik mit den zwei Standorten. "Für Patienten und unsere Mitarbeiter wird spürbar, dass wir das Krankenhaus zukunftsfähig entwickeln", sagt Vetter.Extra

Am Marienkrankenhaus Ehrang wird eine geriatrische Station eingerichtet. Zum Team gehören Chefarzt Nikolai Wezler, Oberärztin Tsun Wai Hoffmann, Stationsleiter Sascha Bösen und Assistenzarzt Cueneyt Bulut (von links), hier zur Visite bei Brigitte Lotharius, 89, aus Trier. TV-Foto: Christiane Wolff.

Das evangelische Elisabethkrankenhaus in der Innenstadt und das katholische Marienkrankenhaus in Ehrang haben sich vor zwei Jahren zum Ökumenischen Verbundkrankenhaus zusammengeschlossen. Das ÖVK hat insgesamt rund 350 Planbetten und bislang rund 800 Mitarbeiter. Der gemeinnützigen Aktiengesellschaft Agaplesion gehören 65,1 Prozent des ÖVK, die katholische Marienhaus-Gruppe besitzt 24,9 Prozent und die evangelische Kirchengemeinde Trier zehn Prozent. Nachdem das ÖVK 2010 ein Minus im siebenstelligen Bereich erwirtschaftet hatte, lag 2011 das Defizit bei 2,6 Millionen Euro. "2012 ist es uns gelungen, das Defizit bei 2,7 Millionen Euro zu stabilisieren", sagt ÖVK-Geschäftsführerin Susanne Schlichtner. "Für 2013 hoffen wir auf eine weitere Stabilisierung oder sogar eine leichte Verbesserung." Um zu sparen, sind verschiedene Abteilungen und Organisationseinheiten der Krankenhäuser zusammengelegt worden (der TV berichtete). Die Verlegung der Geburtshilfestation des Elisabeth-Krankenhauses nach Ehrang wurde im vergangenen Herbst in letzter Minute und auf Druck der Öffentlichkeit aufgehoben. "Und es gibt auch keine Pläne mehr, die Geburtshilfe von der City nach Ehrang zu verlagern", sagt Schlichtner. Das Krankenhaus wirtschaftlich tragbar zu machen, sei allerdings ein schwieriger Weg. Um wie viele Stellen der Stellenplan gekürzt werden soll, steht laut Schlichtner und Mitgeschäftsführer Vetter allerdings noch nicht fest. "Wir versuchen ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen, besetzten aber teilweise Stellen, für die Verträge auslaufen, nicht neu", sagt Vetter. Gleichzeitig investiert das ÖVK: Am Elisabethkrankenhaus werden 3,5 Millionen Euro in die Einrichtung der Geriatrie gesteckt, 2,4 Millionen Euro davon fördert das Land, gut eine Million übernimmt der Krankenhausträger selbst. In Ehrang investiert der Krankenhausträger in den nächsten Monaten 1,3 Millionen Euro in eine neue Station, auf der sämtliche medizinischen Geräte beider Krankenhäuser künftig sterilisiert werden. Eine Million Euro fließt in den Umbau der Endoskopie inklusive einer neuen sonografischen Einheit. woc

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