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Russisches Roulette mit bunten Tütchen - Diskussion in Trier über Suchtprävention in der Jugendarbeit

Russisches Roulette mit bunten Tütchen - Diskussion in Trier über Suchtprävention in der Jugendarbeit

Genussmittel wie Schokolade oder Kakao können zu Wohlbefinden und Entspannung beitragen. Doch wie sieht es aus mit dem "Genussmittel" Droge? Ist Rausch ein existenzielles menschliches Bedürfnis? Und welche Rolle spielen die sogenannten Legal Highs? Um solche Fragen ging es bei einer Fachtagung im Exhaus Trier zu neuen psychoaktiven Substanzen.

Trier. Was erzählen wir konkret unseren Schülern, und welche Informationen geben wir im Rahmen der Suchtprävention weiter? Über solche Fragen diskutierten 60 Mitarbeiter der Jugendarbeit und Suchtberatung gemeinsam mit Referenten auf einer Fachtagung zum Thema Legal Highs im Exhaus Trier.

Legal Highs, das sind zum Beispiel in bunte Tütchen verpackte, synthetisch hergestellte Drogen, die ähnlich wie Cannabis, Kokain, Speed oder Ecstasy wirken. Der harmlos klingende Name Legal High ist dabei irreführend, waren sich die Teilnehmer einig. Die psychoaktiven Substanzen gelten als hochgefährlich und sind in Deutschland inzwischen gesetzlich verboten. Trotzdem sind die Mischungen oft leicht zugänglich und werden im Internet als "Kräutermischungen" oder "Badesalze" verkauft. Die Hersteller werben mit dem Versprechen auf Genuss, Ruhe und Entspannung.

Wie sieht es in Trier konkret mit der Verbreitung von Legal Highs aus? Michaela Stoll, Streetworkerin in Trier und Mitorganisatorin der Tagung, gibt zu bedenken: "Legal Highs spielen in der Region durchaus eine Rolle. Der Konsum ist zwar rückläufig, wird aber teilweise durch Marihuana ersetzt."
Gefährlich an den Mischungen sei vor allem, dass nicht nachvollziehbar sei, welche Inhaltsstoffe verarbeitet wurden. "Es ist quasi unmöglich zu überprüfen, welche Substanzen genau in einem Päckchen enthalten sind. Das macht die Einschätzung sehr schwierig und führt oft zu einer Überdosierung", sagt Michaela Stoll. Direkte Auswirkungen der Drogen können unter anderem Aggressivität, Kopfschmerzen und Herzrasen sein. Ob und wie sich die neuen psychoaktiven Substanzen zudem langfristig auf die Gesundheit auswirkten, sei nicht abzuschätzen.

Die Teilnehmer schätzten den offenen Rahmen der Workshops, der Platz für Fragen ließ und einen direkten Erfahrungsaustausch ermöglichte. Luc Both, Pädagoge am Centre de Prevention des Toxicomanies in Luxemburg, informierte darüber, welche Folgen die neuen Substanzen für die Präventionsarbeit haben. Suchtprävention sei immer ein zweischneidiges Schwert und erfordere einen Balanceakt zwischen Information einerseits und der Vermeidung von Attraktion andererseits.Wissen ist lebenswichtig


Luc Both: "Es gibt Drogen in der Gesellschaft. Was wir erreichen müssen, ist Drogenmündigkeit, also ein Bewusstsein für das Risiko, genaues Wissen um die Drogen und auch um die eigenen Bedürfnisse." Richtiger Genuss sei bewusster Genuss, was mit unbeschränktem Rausch nicht viel gemeinsam habe. Trotzdem könnten Drogen über den Genuss ein zutiefst menschliches Bedürfnis bedienen. "Wir dürfen bei Legal Highs nicht den gleichen Fehler machen wie bei Alkohol, der heute allgemein akzeptiert ist und bei vielen Veranstaltungen dazugehört", betonte Both.

Am Beispiel ausgeführt wurde schnell klar, dass der Kernpunkt - ausreichende Information über die Substanzen - sinnvoll für bereits Konsumierende und zugleich problematisch in der Präventionsarbeit mit Jugendlichen ist. Im schlimmsten Fall klingt das fast wie eine Anleitung zum korrekten Drogenkonsum. Prompt folgte der Einwand einer Teilnehmerin: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass so mit meinen Schülern zu besprechen. Was machen wir denn speziell mit zwölf- bis 14-jährigen Schülern?"

Ein anderer Workshopteilnehmer gab zu bedenken: "Als Schulsozialarbeiter habe ich oft das Problem, dass Schule das Thema Sucht und Drogenkonsum tabuisiert. Viele Informationen werden von der Schule nicht akzeptiert und das Problem so immer wieder verschoben."
Als Fazit für die Teilnehmer blieb die Feststellung: Information ist das A und O. Gerade für den Umgang mit Jugendlichen sei die Fähigkeit wichtig, Fragen zu stellen und den Dialog zu suchen.