Ruwerort als Standplatz für die Müllwagenflotte

Ruwerort als Standplatz für die Müllwagenflotte

Wird Mertesdorf, bisher Standort der regionalen Müllaufbereitungsanlage, bald Sitz eines weiteren Abfallentsorgungsbetriebs? Es gibt Überlegungen, auch Verwaltung und Fuhrpark des Zweckverbands Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) nach Mertesdorf zu verlegen. Eine Reihe von Anwohnern will dies jedoch verhindern.

Die Verwaltung und der Fuhrpark des ART mit mehr als 50 schweren Sammel-LKW sind derzeit an der Löwenbrückener Straße in Trier-Süd angesiedelt. Allerdings läuft der Mietvertrag des ART mit der Stadt Trier für dieses Gelände im Jahr 2019 aus. Trier will die Flächen für eine Wohnbebauung nutzen. Der ART, der je zur Hälfte von der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg betrieben wird, ist auf der Suche nach einem neuen Standort. In Betracht kämen sowohl ein Gelände an der Metternichstraße in Trier-Nord als auch ein Standort in Nähe des bestehenden Entsorgungszentrums auf der Gemarkung Mertesdorf. Diese Fläche liegt an der K 77, die den Ort mit der B 52 Trier-Hermeskeil verbindet. Für den Fall, dass der ART diesen Standort erhalten sollte, will die Nachbargemeinde Kasel auch über eine kleine Gewerbeansiedlung nachdenken, die dann auf der anderen Seite der K 77 ihrer Gemarkung liegen könnte.

Die letztendliche Entscheidung über einen neuen Standort liegt bei den ART-Eignern Trier und Kreis. Die Debatte hinter verschlossenen Türen dauert an: Trier möchte das Unternehmen auf seinem Territorium behalten. Der Kreis befürwortet den Standort Mertesdorf.

Ortsbürgermeisterin Ruth Wilhelm steht einer Ansiedlung positiv gegenüber. Sie bestätigt auf TV-Anfrage, dass sich der Gemeinderat Mertesdorf schon mehrfach in nichtöffentlichen Sitzungen mit dem Thema befasst habe. Auch eine gemeinsame Sitzung mit den Kaseler Ratskollegen räumt sie ein, und ein ART-Gremium habe verschiedene Denkmodelle vorgestellt.

Die Kunde von den Gesprächen sickerte jedoch vorzeitig in die Öffentlichkeit, und nun regt sich in der Ruwergemeinde Widerstand: "Stoppt die Anfänge - Über unseren Dächern wird geplant", heißt es auf einem anonymen Flugblatt. Ebenso anonym ist eine Resolution mit Unterschriftenliste, die zurzeit im Ort die Runde macht.

Offen fragten bei der Ortsbürgermeisterin zehn Bewohner des Neubaugebiets Johannesberg nach dem Stand der Dinge. In ihrer Antwort berichtet sie von den informativen Gesprächen mit dem Zweckverband, von Überlegungen über ein kleines Gewerbegebiet, über Für und Wider in den Räten. Sie betont aber, dass es "wegen der Fünfzig-zu-Fünfzig-Mehrheitsverhältnisse in der ART-Verbandsversammlung derzeit in keiner Weise absehbar ist, ob der ART-Betrieb nach Mertesdorf ziehen oder in der Stadt bleiben will".

Sehr pragmatisch sieht die ART-Leitung das Problem. Geschäftsführer Max Monzel auf TV-Anfrage: "Aus wirtschaftlicher Sicht kommen für uns nur Trier-Nord oder Mertesdorf als Standorte in Betracht. Benötigt werden rund 20 000 Quadratmeter. Für welchen Standort sich die Politik letztlich entscheidet, ist für uns ohne Bedeutung."

In einer Bürgerversammlung, die am 6. Oktober, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus stattfindet, will die Gemeinde Mertesdorf über den Stand der Dinge informieren.

Meinung

Anonym ist schlechter Stil

Von Friedhelm Knopp

Steht Mertesdorf und vielleicht auch Kasel ein heißer Herbst bevor? Der laute Aufschrei von Gegnern eines möglichen ART-Standorts scheint dafür zu sprechen. Doch warum gehen sie anonym auf Unterschriftenjagd? Und sind es viele oder wenige, die hinter einer anonym verfassten "Resolution der Bürger von Mertesdorf" stehen? Dies ist schlechter Stil und dürfte in Mertesdorf gerade diejenigen Bürger verärgern, die anderer Meinung sind und möglicherweise zur schweigenden Mehrheit zählen. Außerdem wird hier zurzeit noch ein Streit um des Kaisers Bart ausgefochten, denn Trier-Nord ist als Standort nicht aus dem Rennen. Und ob eine Entscheidung für Trier wirklich von Vorteil für Mertesdorf wäre, darüber ließe sich auch streiten. f.knopp@volksfreund.de

Extra

Merkwürdige Parallele in der Verbandsgemeinde Ruwer: In Pluwig und Gusterath war durchgesickert, dass in den Ortsgremien hinter verschlossenen Türen über die Ansiedlung eines großen Einzelhandels zwischen den Orten nachgedacht werde. Auch dort regt sich Widerstand - allerdings offen aus den Reihen der örtlichen SPD (TV vom 9. September). Mitte Oktober will die Gemeinde Pluwig daher zunächst eine Bürgerumfrage starten, wie Ortsbürgermeister Wolfgang Annen auf TV-Anfrage erklärt.