Saarburger Müll nicht willkommen

Saarburger Müll nicht willkommen

Die Ruwergemeinde Mertesdorf sträubt sich gegen die Aufnahme von Altmüll aus der sanierungsbedürftigen Saarburger Deponie. Jede andere Lösung sollte Vorrang haben. Dies hob der Gemeinderat Mertesdorf am Montag in einer Aussprache mit dem Vertreter der Abfallwirtschaft hervor. Der Dialog soll fortgesetzt werden.

Mertesdorf. Sollen zehn Monate lang schwere LKW von Saarburg nach Mertesdorf rollen, um rund 280 000 Kubikmeter Altmüll umzulagern? Kann die alte Saarburger Deponie auch ohne Verlagerung des Mülls saniert werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Gemeinderatssitzung, zu der am Montag zahlreiche Bürger erschienen waren. Das Fazit nach fast zweistündiger Aussprache: Auch die Mertesdorfer sehen die Notwenigkeit einer Deponiesanierung in Saarburg. Doch sie sollte - wenn irgendwie möglich - ohne Mülltransfers nach Mertesdorf realisiert werden. Über die Hintergründe informierte eingangs Max Monzel, Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART). Er erklärte, dass die Saarburger Deponie am Boden unversiegelt sei, von einem Bach durchflossen werde und die Aufsichtsbehörden nun zur Sicherung des Grundwassers auf ein schlüssiges Nachsorgekonzept warteten. Monzel: "Wir stehen also vor der Frage, was zu tun ist. Auf jeden Fall müssen wir das Wasser dort herauskriegen." Dazu seien zwei Varianten denkbar - beide mit rund 15 Millionen Euro etwa gleich teuer.Frage nach der besten Lösung

Eine Alternative sei, die Abfallmasse mit Spundwänden zu umkleiden und das Bachwasser dann außen herumzuleiten. Monzel: "Das heißt, den belasteten Boden mit fragwürdigem Erfolg drin lassen und das Wasser mit viel Geld außen herumleiten." Für dasselbe Geld lasse sich das Ganze aber auch ausräumen und nachhaltig gesichert auf der modernen Anlage in Mertesdorf unterbringen. "Das ist nach menschlichem Ermessen die sinnvollste Lösung. Ich würde sie bevorzugen, auch ohne Vertreter der ART zu sein", erklärte Monzel. Probegrabung und LKW-Routen

Anschließend schilderte er die Vorgehensweise, sprach von einer Probegrabung in Saarburg, Materialanalysen, Geruchsgutachten, zeigte die geplanten LKW-Routen über die B 52, von denen Mertsdorf nicht berührt werde, und erklärte die Ablagerung des Altmülls auf einer noch freien, aber entsprechend vorbereiteten Fläche auf der Mertesdorfer Anlage. Die Ratsmitglieder und die anderen Zuhörer verstanden einerseits Monzels Argumentation, sahen andererseits Mertesdorf einmal mehr als Opfer seines Müllstandorts. Zu frisch und noch nicht abgeschlossen ist auch die Diskussion um die mögliche Ansiedlung des ART-Betriebshofs oberhalb der Ortslage. Die Aussprache mit dem ART-Chef, bei der auch die Zuhörer Fragen stellen konnten, verlief aber betont sachlich und emotionsfrei. Doch Kritik und Skepsis überwogen. Zumal Monzel keinen Vorteil nennen konnte, den Mertesdorf aus dem Mülltransfers ziehen könnte. Tenor: Bitte erst alle anderen Möglichkeiten prüfen.Ortsbürgermeisterin Ruth Wilhelm (CDU) forderte den Rat abschließend auf, alle Bedenken zu sammeln. Sie sollen einer "zeitnahen Resolution" der ART-Geschäftsführung zugehen. Vereinbart wurde von beiden Seiten aber auch, den begonnenen Dialog zwischen Bürgern, Rat und ART dauerhaft fortzusetzen. Meinung

Offenheit schafft VertrauenDen Müll von Saarburg übernehmen und alles ohne Gegenleistung - rein gefühlsmäßig ist dies ein schlechtes Geschäft für Mertesdorf. Angesichts der noch laufenden und teilweise hitzig geführten Mertesdorfer Diskussion um Pro und Kontra zur ART-Ansiedlung war mit heftigen Reaktionen gegen die Müllumsiedlungspläne zu rechnen. Doch der Ton blieb moderat, die Stimmung gelassen. Warum? Weil die ART-Führung mit großer Offenheit auf die Mertesdofer zugegangen ist. Nichts wurde verschwiegen, nichts beschönigt, es gab harte Wahrheiten und keine schrägen Versprechungen. Der Mertesdorfer Rat und die Bürger wissen, dass sich "ihre" Deponie nicht mehr aus der Welt schaffen lässt. Um so wichtiger ist der offene Dialog zwischen den Betreibern und den Anliegern, der Vertrauen schafft. Bürger und Rat müssen spüren, dass sie in die Entwicklung eingebunden sind und nicht einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. f.knopp@volksfreund.deDie Mülldeponie Saarburg wurde 1955 angelegt und blieb bis 1995 in Betrieb. Insgesamt wurden rund 280 000 Kubikmeter Abfall abgelagert. Die etwa drei Hektar umfassende Anlage an der K 155 bei Saarburg besitzt keine Abdichtung im Untergrund und wird von einem Bachlauf durchquert. Eine ständige Überwachung ist daher erforderlich. Das am Fuß austretende Sickerwasser wird geklärt, stärker verunreinigte Flüssigkeiten werden in Tanks gesammelt und extern entsorgt. Eine Sanierungsmöglichkeit wäre, Spundwände zwischen den seitlichen Hängen und der Deponie zu ziehen. So würde das Wasser seitlich vorbeigeleitet, doch der Boden unter der Abfallmasse bliebe weiter durchlässig. Experten bezweifeln eine nachhaltige Sicherung des Grundwassers. Sicherer wäre es, den Abfall abzutragen und ins Entsorgungszentrum Mertesdorf zu bringen, das mit allen technischen Voraussetzungen ausgestattet ist. f.k.