Sagenumwobener Hunsrück

Natur und gleichzeitig viel Geschichte: Das können die Besucher im Nationalpark Hochwald-Hunsrück erleben. Schließlich gibt es in dem 10 120 Hektar großen Gebiet gut erhaltene archäologische Denkmäler, die zeigen, wie der Mensch die Landschaft geprägt hat. Dazu kommen verschiedenste Sagen, die mal mehr, mal weniger, wissenschaftlich belegt sind.

Thalfang/Hoppstädten-Weiersbach. Die Vergangenheit sprechen lassen - das ist das erklärte Ziel der Archäologie, und das funktioniert im Nationalpark Hunsrück-Hochwald auf zweierlei Weise besonders gut. Zum einen gibt es gut erhaltene Denkmäler, anhand derer sich die Geschichte wissenschaftlich belegen lässt. Zum anderen gibt es überlieferte Erzählungen, die sich die Menschen gegenseitig erzählen.
Unter dem Motto "Natürlich mit Geschichte" haben Wissenschaftler und Experten der Nationalpark-Akademie genau über diese beiden Pole der Historie diskutiert: Zum einen, was ist wissenschaftlich belegt und entspricht den Fakten, zum anderen, was ist aus Sagen und Erzählungen überliefert.
Und wie können die Nationalparkführer ihre Gäste mit beidem begeistern? Die Archäologin Sabine Hornung gab in ihrem Vortrag einen Überblick über die Kulturgeschichte der Hochwald-Region. Die erste intensive menschliche Besiedlung sei ungefähr im siebten bis sechsten Jahrhundert vor Christus nachgewiesen: Gut erhaltene Befestigungsanlagen und Grabhügel zeugten von der Anwesenheit der Kelten.
Auch die Besiedlung durch die Römer haben die Forscher nachweisen können. Beide Völker lebten vor allem von der Viehzucht. Nach dem Niedergang der römischen Kultur im vierten Jahrhundert nach Christus habe es zunächst nur wenige Belege für eine menschliche Besiedlung gegeben. Erst im Hochmittelalter (11. bis 13. Jahrhundert) hätten wieder mehr Menschen im Hochwald gelebt. Durch das günstige Klima wurde für sie der Ackerbau immer wichtiger. Das Leben der Menschen habe sich zu dieser Zeit wesentlich verändert: Naturalienabgaben seien durch Geld ersetzt worden, Märkte seien im Gegenzug entstanden. Diese Zeit sei damit die Wurzel der heutigen Siedlungskultur. In der Neuzeit (1500 bis 1800) seien dann die Eisenhütten entstanden, die die Landschaft der Hochwald-Region wesentlich prägten. Das Holz des Hochwalds sei für die Köhlerei, also die Holzkohleherstellung, benötigt worden. Eine wirtschaftliche Hochzeit, die aber durch vermehrte Nutzung der Steinkohle für die Eisenverhüttung um 1850 wieder beendet wurde.
Über die Entstehung von Sagen und Märchen referierte Hans-Joachim Brusius vom Nationalparkamt. Er ordnete die beiden Formen von Geschichten zunächst theoretisch ein: Beide Erzählarten seien eine Art der mündlichen Überlieferung. Allerdings basieren Sagen im Gegensatz zu Märchen auf realen Begebenheiten. Vor allem die Wandersagen seien im Hunsrück für die Menschen identitätsbildend gewesen. Seine These: Die Geschichte des Hochwalds sei eine Geschichte der kleinen Leute, was an der Kargheit der Landwirtschaft liege. In den Geschichten kämen immer wieder besondere Orte wie Felsen, Moore, Höhen und untergegangene Siedlungsplätze vor. Thema wären auch oft die Sehnsüchte und Ängste der armen Landbevölkerung gewesen, sowie deren Armut.
Ein Beispiel für eine solche Sage lieferte Adolf Grub, der Vorsitzende des Heimatvereins Landkreis Birkenfeld. Er erzählte die Sage vom Vorkastell (siehe Extra). Leider musste Sabine Hornung die Zuschauer enttäuschen, was den Inhalt der Sage betraf: Es gebe keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Siedlungsanlagen auf den Höhen. Das Vorkastell sei vollkommen unerforscht.
Auch bei den Geschichten über die verschiedenen Brücher (Moore), die Gerhard Hänsel vortrug, gibt es laut Hornung nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse. Allerdings bestehe großer Forschungsbedarf, was die archäologische Untersuchung von Mooren mithilfe der Analyse von Pollenproben betrifft. Wissenschaftlich besser belegbar seien die Geschichten von den französischen Aussiedlern und den Köhlerdörfern.
Das Fazit der Veranstaltung: Der Nationalpark bietet den Besuchern gleichermaßen wissenschaftlich belegte Geschichte und auch sagenumwobene Mythen.Extra

Da, wo die Traun den vorderen Zug des Hochwaldes durchbricht, erheben sich zur Linken die Berge zu beträchtlicher Höhe. Hier liegt inmitten des Waldes eine Bergwiese, Stäbel genannt. Hoch über dem Stäbel hebt sich eine imposante Quarzfelsmasse, das Vorkastell, von dem der Bergzug steil in das Trauntal bei Börfink abfällt. In den gewaltigen Felsmassen, welche um das Vorkastell verstreut liegen, wollen die Umwohner noch die Reste einer mächtigen Burg erkennen, die einst hier gestanden hat. Aber noch sind die Gewölbe der Burg vorhanden, wenn nur jemand den Eingang finden könnte. Denn in den Gewölben liegen noch sehr große Schätze. Auf dem Vorkastell aber liegt irgendwo ein Stein, darunter sitzt eine Kröte, die hat unter ihrer Zunge ein goldenes Schlüssellein und eben nur, wer den Schlüssel findet, der findet auch den Eingang zu den unterirdischen Kammern. In einem der Gewölbe steht eine schöne Kutsche, in der die schönste Prinzessin der Welt sitzt und von ihrer Erlösung träumt. Wer sie aber erlösen will, der muss durch einen engen Gang in das Gewölbe kriechen. Da hängt ein großer schwerer Mühlstein an einem seidenen Faden, und ein gräulicher Riese steht im Begriff, den Faden zu durchzuschneiden. Schon mancher Sterbliche ist von den Geistern an die Stelle geführt worden, um die verwunschene Prinzessin zu erlösen. Wer aber den Schrecken gesehen hat, der ist sogleich umgekehrt und konnte durch nichts bewegt werden, das Gewagte auszuführen. jwa