Sanierung Brücke Verteilerkreis Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : A 602: Wenn eine Brücke „schwebt”

Das Bauwerk am Verteilerkreis Trier-Nord wird aufwendig saniert und erhält ein neues Widerlager. Ab November rollt der Verkehr wieder normal – allerdings nur bis zum zweiten Bauabschnitt im Frühjahr 2020.

Großbaustellen auf den Straßen Triers (siehe Info) sorgen erfahrungsgemäß für großen Frust bei den Kraftfahrern. Staus sind fast schon an der Tagesordnung, wie man derzeit vor allem im Westen der Stadt leidvoll beobachten muss. Aber es gibt auch positive Nachrichten: Die Sanierung der Brücke im Übergang von der A 602 zur Zurmaiener Straße am Verteilerkreis Trier-Nord verläuft planmäßig. Das gilt auch für die Verkehrsführung.

Selbst der Landesbetrieb Mobilität (LBM) hatte bei Baubeginn vor drei Monaten Bedenken. „Wir waren selbst überrascht, wie flüssig der Verkehr trotz Sperrung der stadteinwärts führenden Fahrbahn läuft”, sagt der Leiter der Autobahnmeisterei Schweich, Walter Druckenmüller, bei einem Ortstermin mit der Presse am Dienstag. Ein Ingenieurbüro habe die Verkehrsführung untersucht und diese Lösung empfohlen. Selbst von Autofahrern gebe es positive Rückmeldungen, was man als Straßenbehörde äußerst selten erlebe, so Druckenmüller.

Walter Druckenmüller von der Autobahnmeisterei Schweich inspiziert das frei hängende Dornlager. Es wird später im  neuen Widerlager verankert. Foto: Albert Follmann

Schon 500 Meter vor der Brücke weisen Schilder den Weg: Wer Richtung Innenstadt möchte, muss rechts zum Verteilerkreis abfahren, wer in Richtung Moseluferstraße/Konz möchte, hält sich links und passiert die Baustelle mit einem Schwenk auf die Gegenfahrbahn. Zusätzlich gibt es in Höhe der Ehranger Brücke eine kameraüberwachte LED-Anzeige, die Staus anzeigt. Auf der A 602 sind nach Auskunft des LBM täglich rund 42 000 Fahrzeuge unterwegs. In drei Baustellenmonaten habe es in diesem Autobahnabschnitt noch keinen Auffahrunfall gegeben.

Der LBM geht davon aus, dass der erste Bauabschnitt an der 246 Meter langen Verteilerkreis-Brücke wie geplant bis November 2019 abgeschlossen sein wird. Es folgt eine Winterpause, bevor die Arbeiten Anfang April bis Ende November 2020 fortgesetzt werden. Dann ist die Sanierung des Brückenteils auf der Gegenseite (Fahrtrichtung Schweich) an der Reihe. Im Jahr 2021 sind laut LBM noch Instandsetzungsarbeiten an den Überbauten und Pfeilern vorgesehen. Hier sei mit keinen größeren Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Die Kosten von 3,5 Millionen Euro trägt der Bund.

Aufmerksamen Autofahrern, die die Rampe der A 602 in Richtung Verteilerkreis/Ratio entlangfahren, muss es derzeit vorkommen, als ob die Brücke frei schwebend in der Luft hängt. In der Tat liegt der Überbau derzeit auf einer Stahlkonstruktion, denn das Widerlager auf der Trierer Seite war so stark geschädigt, dass es entfernt werden musste.

Wie Technikerin Pia Böhm vom Autobahnamt Montabaur erläutert, könnte sich die Brücke ohne das stabilisierende Widerlager durch ihr Eigengewicht von 4357 Tonnen verschieben. Um dies zu verhindern, seien sechs Meter hohe und 1,2 Tonnen schwere Stahlträger als Stützen eingebaut worden. Diese stehen auf Pressen, die eine Hublast von 160 Tonnen haben.

Um die Kräfte in Brückenlängsrichtung im Zaum zu halten, wurden diagonal verlaufende Stahlstreben zwischen den Brückenpfeilern eingezogen. Böhm: „Das ist technisch sehr anspruchsvoll und für uns Neuland, es läuft sehr gut.” Das Problem an der Verteilerkreis-Brücke in Trier sei, dass sie kein begehbares Widerlager habe. Deshalb habe man es auch nicht nach herkömmlicher Methode abreißen können.

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