Sauberer Strom vom Pölicher Berg

Pölich/Trier · Im Moselort Pölich wollen die Stadtwerke Trier (SWT) ihren ersten Solarpark bauen, der ohne staatlich garantierte Einspeisevergütung ans Netz geht. Der Strom wird lokal vermarktet. Gelingt das Pilotprojekt, will SWT auch an anderen Standorten in der Region Sonnenstrom erzeugen.

Foto: (h_tl )

Pölich/Trier. "Wir üben hier in Pölich. Wenn es funktioniert, übertragen wir das Modell auf andere Orte." Dies sagte Rudolf Schöller am Mittwochabend an die Adresse des Gemeinderats Pölich, der in der Bauernstube tagte. Üben? Dass der SWT-Projektleiter dieses Wort in Verbindung mit einer doch relativ kleinen Solaranlage (fünf Hektar) in den Mund nimmt, überrascht. Schließlich sind unter seiner Regie schon wesentlich größere Photovoltaikparks entstanden. Auch das bei Ensch geplante Pumpspeicherkraftwerk, nach heutigem Stand eine 600-Millionen-Euro-Investition, ist sein "Kind".Keine Einspeisevergütung


Die vorsichtige Formulierung Schöllers kommt nicht von ungefähr: In Pölich begibt sich sein Arbeitgeber auf Neuland: Zum ersten Mal realisieren die Stadtwerke einen Solarpark, der keine Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einfährt. Wenn Sonnenstrom nicht auf Gebäuden, sondern auf Freiflächen gewonnen wird, knüpft der Gesetzgeber die Zahlung der EEG-Vergütung an Bedingungen. Hintergrund ist, dass landwirtschaftliche Flächen oder ökologisch wertvolle Bereiche möglichst von Modulen freigehalten werden sollen. Gefördert werden nur noch Solaranlagen auf Deponien, an Bahnstrecken oder Autobahnen (wie etwa bei Langsur entlang der A 64) oder auf Flächen, die früher militärisch genutzt wurden (wie in Welschbillig). Auf dem Plateau oberhalb von Pölich, wo das Solarfeld hinkommen soll (siehe Karte), gibt es Bäume, Büsche und Weinbergsbrache. Damit sind die EEG-Förderkriterien nicht erfüllt. Der Sonnenstrom, den SWT erzeugen möchte, soll nach Auskunft von Rudolf Schöller "Unser Strom" heißen und etwa 25 Cent pro Kilowattstunde kosten. Damit liegt er auf dem Preisniveau der SWT-Hausmarke "Römerstrom".
Die Stadtwerke wollen ihr Produkt im Umkreis von fünf Kilometern an die Kunden bringen, also auch in Mehring und Schleich. Die Nennleistung des Kraftwerks soll 1,5 Megawatt (MW) betragen. Läuft alles nach Plan, könnte es im Herbst 2016 ans Netz gehen. Laut Schöller können etwa 400 Haushalte versorgt werden. Für Ortsbürgermeister Walter Clüsserath und den Gemeinderat Pölich ist es bereits der zweite Versuch, eine Photovoltaikanlage auf dem Pölicher Berg zu installieren. Vor fünf Jahren wollte der Bürgerservice Trier unmittelbar unter der jetzt vorgesehenen Fläche einen sechs Hektar großen Solarpark bauen, doch die Pläne wurden aufgegeben. Der Grund: Die EEG-Förderung für Anlagen auf Ackerflächen fiel weg. Die Stadtwerke übernahmen zwar den Vertrag vom Bürgerservice, wollten aber noch mit der Umsetzung warten. Daraufhin entschloss sich die Gemeinde, dort mit einer weinbaulichen Nutzung Einnahmen für die Gemeindekasse zu generieren. Die Fläche wurde gerodet und an sieben einheimische Winzer verpachtet.
Weinstöcke und Solarmodule - dass es diese Kombination auf dem Moselberg nach einigen Umwegen geben kann, freut die Pölicher Gemeindeväter. Sie beschlossen einstimmig, den neuen Bebauungsplan in die Wege zu leiten und den alten Bebauungsplan aufzuheben. Im weiteren Verfahren sollen noch ein Umwelt- und ein Vogelgutachten erstellt werden. Die Gemeinde erwartet jährlich 3000 bis 4000 Euro Pachteinnahmen aus der Solaranlage. Außerdem hat SWT zugesagt, einen Stromanschluss auf die Höhe zu legen. Damit könnte die Grillhütte angeschlossen werden, auch zum alten Sportplatz soll eine Leitung führen. Clüsserath: "Es gibt bereits Anfragen von Vereinen, die einen Ausweich- und Trainingsplatz benötigen. Mit Flutlicht wäre das natürlich noch interessanter."Extra

VG Schweich: Solaranlagen stehen in Longuich (3,1 Megawatt maximale Jahresleistung), Föhren (8,4), Kenn (5,8), Mehring 1 (3,5), Mehring 2 (2,4), Mehring III (2,4), Mehring IV (1,1), Leiwen (3,6), Fell (2,2), Riol (3,1). VG Trier-Land: Welschbillig (1,0) Langsur (3,1). VG Ruwer: Hier gibt es keinen Solarpark. alf