Schafe sind wie Hasch

TRIER. Es gibt nur wenige Menschen, denen der Beruf zugleich Berufung ist. Hermann Steines ist einer davon: Seit 54 Jahren ist er Schäfer und will es noch lange bleiben.

Määääh! 800 Schafe und 500 Lämmer liegen und stehen im Konzer Tälchen, fressen und dösen. "Die machen gerade Mittagspause, sonst wären sie nicht so ruhig", meint Hermann Steines. Mittagspause um vier Uhr nachmittags? Schafe haben ihren eigenen Rhythmus und Steines passt sich dem an: "Ich stelle die Uhr nicht auf Sommerzeit um, die Schafe stellen sie ja auch nicht um", schmunzelt er. Den ganzen Sommer über zieht der Wanderschäfer mit seiner Herde zwischen Trier und Konz hin und her, wechselt alle sechs Wochen den Standort. Im Winter zieht die Herde weiter: von Trier-Tarforst bis nach Pellingen und zurück. In den Stall in Burscheid kommen die meisten Tiere nie, auch die Lämmchen werden - mitten im Winter - im Freien geboren. "Schafe haben ihre dicke Wolle nicht umsonst", meint Schäferin Marie-Anne Vesely. Nur besonders schwache Lämmchen werden im Stall aufgezogen. "Draußen sind sie gesünder", erklärt Steines. Den Beruf des Schäfers übt er schon seit 54 Jahren aus. Wobei Beruf eigentlich eine ungenügende Bezeichnung ist, denn: "Schafe sind eine Sucht, genau wie Hasch." Schon als Kind habe er ein Schaf gehabt und gewusst, dass er Schäfer werden wolle. Nach der Schule hat Steines zuerst als Lohnschäfer gearbeitet, bevor er sich schließlich mit etwa 130 Schafen selbstständig machte. In den ersten Jahren als Lohnschäfer sei es noch üblich gewesen, nachts bei der Herde zu schlafen, erzählt er. Auch wenn das heute nicht mehr nötig ist, bleibt der Beruf anstrengend: "Da muss schon Interesse da sein." Sorgen bereitet ihm der Preisverfall: Wolle sei kaum noch den Scherpreis wert, nur der Verkauf von Lämmern bringt noch Gewinn. Ans Aufgeben hat Steines trotzdem nie gedacht: Schäfer will er bleiben "so lange ich krabbeln kann und noch ein Schaf da ist." Auf die Schafe halten er und Vesely viel: "Die sind hochintelligent", sagt Vesely und Steines ergänzt: "Sie wissen genau, ob ich die guten oder die schlechten Hunde dabei habe!" Außerdem sind Schafe in seinen Augen eine hervorragende Gesellschaft: "Mit dem Vieh ist manchmal besser umzugehen als mit den Menschen". Webtipp: www.wanderschafe.info