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Schatten über dem sonnigen Fest

Schatten über dem sonnigen Fest

TRIER. Es war ein Freudentag für die Kinder des Kindergartens Wichernhaus am Palastgarten: Am Wochenende wurde das neu gestaltete Außengelände in Betrieb genommen. Doch die Freude ist nicht ungetrübt. Die Existenz der evangelischen Kindertagesstätte steht zurzeit auf der Kippe.

Wer sagt eigentlich, dass man auf einem Klettergerüst nur klettern kann? Man kann zum Beispiel mit dem Kopf nach unten an der Strickleiter hängen, einen Purzelbaum schlagen und sicher auf den eigenen Füßen landen. Für den kleinen Turner, der dieses Kunststück beherrscht, ist es gar keine Frage, was ihm am besten gefällt am neuen Außengelände des Wichernhauses. Andere Kinder nutzen die Rutschbahn, genießen den Schatten, den ein großes Sonnensegel über dem Sandkasten spendet, oder stromern zwischen den alten und neuen Bäumen hindurch. 43 000 Euro hat die evangelische Kirchengemeinde als Träger in das neue Gelände investiert, das vom Landschaftsarchitekten Karl-Heinz Fischer gestaltet wurde. Dafür gab es beim Eröffnungsfest reichlich Lob von Bürgermeister Georg Bernarding. Doch der Kommunalpolitiker muss sich möglicherweise bald aus einem weitaus unerfreulicheren Anlass wieder mit dem Kindergarten Wichernhaus beschäftigen. Die evangelische Kirchengemeinde Trier denkt daran, die gerade so effektvoll aufgebesserte Einrichtung zu schließen. Über zwei Alternativen habe man im Kirchenvorstand beraten, teilte der Kindergarten-Beauftragte, Pfarrer Ulrich Dann, den erschreckten Eltern Mitte Juni per Rundbrief mit: "Schleichende Schließung im Lauf von zwei bis drei Jahren oder Fortführung". Zu einer Entscheidung sei man bislang nicht gekommen, das Presbyterium wolle zunächst über ein "Gesamtkonzept für die gemeindlichen Aufgaben entscheiden". Seither herrscht bei vielen Eltern Alarmstufe Rot. Unruhe gab es auch schon vorher, Differenzen innerhalb von Elternschaft, Leitung und Träger prägten das Klima. Im Frühjahr kündigte die Leiterin, offene Briefe kursierten, in denen von "verletzenden Auseinandersetzungen" die Rede war. Doch die internen Auseinandersetzungen sind offenbar nicht der Anlass für die Schließungs-Überlegungen der Kirchengemeinde. Mit der Kindertagesstätte Christuskirche in Heiligkreuz gibt es bereits eine Trierer Einrichtung in evangelischer Trägerschaft. Und der Anteil protestantischer Kinder ist in der Diaspora-Stadt Trier nicht sehr groß - darauf verweist auch der Presbyteriums-Vorsitzende, Pfarrer Guido Hepke. In Zeiten knapper Mittel stellt die Kirche ihre Aufgaben auf den Prüfstand. Das Ergebnis sei aber "völlig offen", versichert Hepke. Das beachtliche Investitionsvolumen für den Außenbereich dokumentiere das Interesse an der Einrichtung. Im September steht das Gesamtkonzept zur Beratung an, im Oktober dürfte dann über die Zukunft des Kindergartens entschieden werden. Bürgermeister Bernarding kann sich "beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Kirche sich leicht damit tut, einen Kindergarten zu schließen". Notfalls müsse die Stadt prüfen, ob Bedarf besteht, "angesichts steigender Kinderzahlen in der Innenstadt selbst etwas zu machen, um die wohnortnahe Versorgung zu sichern". Für einen Erhalt des Kindergartens machen sich vor allem die Eltern stark. "Wir wollen alles tun, um eine Schließung zu verhindern", sagt Martina Haasenritter-Krist vom Elternbeirat. Die Pläne seien für die Betroffenen "sehr überraschend" gekommen, nachdem Leitung, Träger und Eltern "einen Neuanfang versuchen und gemeinsam das große Fest organisiert haben". Die unsichere Situation sei problematisch, "gerade im Hinblick auf die Neu-Anmeldungen". Die Elternvertreterin setzt auf Vernunft: "Man kann doch nicht erst so viel investieren und dann dicht machen".