Schatztruhe soll Bücher retten

TRIER. Kultur-Kollekte im Antikdesign: In einer Barocktruhe mit besonderer Geschichte buhlt ab jetzt reihum jahrhundertealte Originalliteratur um Gönner und Förderer. Als erstes wirbt eine fast fünfhundert Jahre alte Publikation von Nicolaus Cusanus um Renovierungsgeld beim Publikum des Stadtarchivs.

 Erster Schützling in der hölzernen Riesenspendendose ist ein fast fünfhundert Jahre altes Buch von Nicolaus Cusanus. Die Renovierungshelfer hoffen auf 750 Euro: (von links) Schreiner-Ehrenobermeister Ernst Annen, Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink, Schreinerobermeister Winfried Feller, Bibliotheksdirektor Gunther Franz, Möbel-Restaurator Franz-Josef Zimmermann und Waltraut Jammers, Förderverein der Bibliothek.Foto: Regina Lüders

Erster Schützling in der hölzernen Riesenspendendose ist ein fast fünfhundert Jahre altes Buch von Nicolaus Cusanus. Die Renovierungshelfer hoffen auf 750 Euro: (von links) Schreiner-Ehrenobermeister Ernst Annen, Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink, Schreinerobermeister Winfried Feller, Bibliotheksdirektor Gunther Franz, Möbel-Restaurator Franz-Josef Zimmermann und Waltraut Jammers, Förderverein der Bibliothek.Foto: Regina Lüders

So leicht gibt keine Schatztruhe ihre Kostbarkeit her: Der Schlüssel klemmt störrisch, als Bibliotheksdirektor Gunther Franz sie öffnen will. Am Ende liegen erst wenige Münzen und ein Schein versunken in der kleinen Spendenkammer neben dem alt-erwürdigen Gesamtwerk von Cusanus. Noch viel zu wenig, denn seine fast fünfhundert Jahre haben vor allem dem ledernen Mantel über den hölzernen Buchdeckeln zugesetzt. Restauration in Handarbeit, die mit 750 Euro zu Buche schlägt. Ein Grund, ungewöhnliche Spendenwege zu gehen. "Insgesamt bräuchte die Bibliothek etwa zwanzig Millionen Euro, um alle Bücher, die es nötig hätten, zu sanieren", erklärt Waltraut Jammers vom Förderkreis der Stadtbibliothek. Spezielle Patenschaften für einzelne Bücher sollen die Wertvollsten retten. Per Internet wird schon länger nach literarischen Kulturmäzenen für die gedruckten Mündel gesucht ( www.Trierer-Buecher.de). "Diese Schatztruhe soll jetzt gegenüber der Schatzkammer mit der Codex-Egberti-Ausstellung vor Ort auf besondere Schätze hinweisen", erklärt Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink, schaut auf den alten Band hinter dem Glas und klopft auf Holz: "Ich hoffe, dass hier einige Liebhaber glänzende Augen bekommen." Auch ein Schatz - die Kiste. "Etwa 250 Jahre alt", sagt Schreiner Franz Josef Zimmermann, der die originalbeschlagene Barocktruhe mit Unterstützung der Kreisschreinerinnung für ihren Dienst auf Vordermann gebracht hat. Schon einmal war der schwere Holzkasten fünfzig Jahre lang Buchheimat gewesen: So lange nämlich hatte der ursprüngliche Besitzer, Kirchenhistoriker Franz Xaver Kraus (1840 bis 1901), verboten, sie nach seinem Tod zu öffnen. Schließlich fand man 45 Jahre in lückenlosen Tagebüchern.

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