Schau, schau, der Kommissar ist da

Schau, schau, der Kommissar ist da

Tatort-Darsteller Klaus J. Behrendt besucht das Max-Planck-Gymnasium Trier, um einen Scheck abzuholen. Und der hat es in sich.

Trier Die Tatort-Melodie erklingt. Was für Millionen Deutsche Woche für Woche eine liebgewonnene Sonntagabend-Tradition ist, bedeutet für die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums Trier Nervenkitzel pur. Denn die Tatort-Melodie signalisiert: Jetzt ist er da, der berühmte Gast. Klaus J. Behrendt, Millionen Deutschen besser bekannt als Max Ballauf, Kommissar im Kölner Tatort.Schnitt! Die MPG-Big-Band setzt die Instrumente ab. Zu früh gefreut, Behrendts Flieger hat Verspätung. Schulleiter Armin Huber, Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Lehrerin Ingrid Jacobs, die den Kontakt zum Tatort-Verein hergestellt hat, loben die Schüler für ihren Einsatz beim Spendenlauf Ende des vergangenen Schuljahrs. Sie suchten sich dafür selbst Sponsoren, die pro gelaufenen Kilometer eine Summe spenden. Das beeindruckende Ergebnis: 21 000 Euro, die auf zwei Projekte verteilt werden. "Sponsoren suchen und auch noch laufen, das ist schon etwas anderes, als einfach 20 Euro zu überweisen", sagt Schülersprecher Jan Paulus. Und der jetzige Sechstklässler Phil ist "besonders stolz darauf", dass die damaligen Fünftklässler am meisten Geld von allen gesammelt haben.Schnitt! Man munkelt, Behrendt sei auf dem Schulhof gesehen worden. Klappe, die Zweite! Die Tatort-Melodie erklingt. Behrendt kommt zur Tür herein - und er sieht ganz genau so aus, wie ihn die Zuschauer aus dem Fernsehen kennen: Jeans, dunkelblaue Weste, schwarze Lederjacke. Fast will man glauben, noch ein bisschen Currysoße in seinen Mundwinkeln erkennen zu können, was natürlich Quatsch ist. Denn sein kongenialer Partner Dietmar Bär (alias Freddy Schenk) und die legendäre "Wurstbraterei" warten am Rhein, nicht an der Mosel.Schnitt! Behrendt und Ulrike Thönniges vom Tatort-Verein zeigen Bilder vom Besuch des Kommissaren-Duos im afrikanischen Swaziland. Der Verein wurde 1998 nach Dreharbeiten in Manila gegründet. Das erlaufene Geld der Trierer Schüler wird dort für einen Schulanbau und -garten genutzt, für einen neuen Lagerraum und eine Schulküche, so dass die Kinder dort versorgt werden können. "Wie viele Kilometer seid ihr beim Spendenlauf denn so gelaufen?" Die Antwort "15" nötigt dem 57-Jährigen offensichtlich Respekt ab: "Ich schaffe höchstens sieben, oder so." Überhaupt findet der Schauspieler, dass "ihr hier oben stehen müsstet, und wir sollten dort unten sitzen und euch applaudieren. Ich ziehe meinen Hut vor euch und sage im Namen der Kinder Danke!"Schnitt! Sarah Albrecht (26) zeigt in einem Kleid aus traditionellem afrikanischen Stoff Fotos aus dem Benin. In Afrika hat die Psychologie-Studentin und gebürtige Triererin ein Jahr lang gelebt, in einer Schule Englisch und Deutsch unterrichtet und vor allem Frauen dabei geholfen, lesen und schreiben zu lernen. Auch sie will anhand der Bilder verdeutlichen: Jeder Cent der 10 500 Euro, den ihr erlaufen habt, kommt direkt da an, wo er gebraucht wird. Zum Beispiel bei einem Brunnenbauprojekt, das für sauberes Trinkwasser sorgt, oder bei einem Schulbau, der vernünftigen Unterricht erlaubt und der den Schülern künftig den Weg zum Abitur eröffnet. Die Tochter von Schulelternsprecherin Jutta Albrecht versichert: "Die Kinder sind sehr glücklich darüber."Schnitt! Behrendt setzt sich für ein Pressefoto zwischen die Schüler - und die lassen ihn so schnell nicht mehr gehen: Hier und da wird er um ein (altmodisches) Autogramm gebeten, hauptsächlich aber wollen die Schüler Selfies - das Autogramm der Youtube-Generation sozusagen. Der Schauspieler erfüllt alle Wünsche der engagierten Läufer mit Gelassenheit und einem Lächeln.Weitere Fotos gibt es im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/fotos" text="www.volksfreund.de/fotos" class="more"%>KommentarMeinung

Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Großes Kino!Was die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums mit ihren Spendenläufen auf die Beine stellen, ist einfach grandios. 21 000 Euro - das verdient allerhöchsten Respekt. Und deshalb ist neben aller Begeisterung auch ein bisschen Selbstkritik angebracht: Da muss erst ein Fernsehstar in die Schule kommen, damit diese tolle Leistung in der Presse, im Radio und im Fernsehen so groß gewürdigt wird, wie sie es verdient hat. Deshalb noch einmal in aller Deutlichkeit: Hut ab, liebe MPGler! r.schaal@volksfreund.de

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