Schauspieler Jan Josef Liefers bei Nachvertonung des "Tatort" in Trier

Fernsehen : Liefers’ letztes Wort kommt aus Trier

Der Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers spricht eine Nachvertonung seiner neuen „Tatort“-Folge im Tonstudio der Soundmanufaktur im Trierer Norden.

Als das Telefon klingelt, geht Julian Langer nicht ran. Wüsste der 32-jährige Profimusiker, Tontechniker  und Inhaber eines Studios im Trierer Stadtteil Ruwer, wer am anderen Ende der Leitung ist, würde er wahrscheinlich zum Hörer hechten. Doch er glaubt an einen Versuch, ihm etwas zu verkaufen. Anrufe dieser Art erhält er oft.

Also lässt er es klingeln, liest kurze Zeit später seine Mails – und erstarrt. Eine neue Nachricht stammt von einem Mitarbeiter der Bavaria Film GmbH. Darin steht: Wir haben versucht, Sie zu erreichen, weil wir dringend und kurzfristig ein Studio in Trier brauchen.

„So fing es an, völlig aus heiterem Himmel“, erzählt Langer im Rückblick auf jenen Tag Mitte März. „Ich habe natürlich sofort zurückgerufen.“

Die Kurzfassung des folgenden Gesprächs: Der neue „Tatort“ aus Münster mit Jan Josef Liefers als Professor Karl-Friedrich Boerne soll an einigen Stellen nachvertont werden. Und da Liefers sich mit seinem Bandprojekt Radio Doria gerade in Trier aufhält und in der Europahalle spielt (der TV berichtete über den Auftritt am 19. März), braucht das Filmstudio einen Partner in Trier für eine kurzfristige Ton-Session. Kriegt die Soundmanufaktur das hin?

„Ich stand natürlich sofort unter Strom“, sagt Langer. „Dann habe ich geantwortet, klar kriege ich das hin.“

Nachvertonungen sind im Filmgeschäft völlig normal. Nach dem Dreh einer Szene stellen die Tonexperten des Filmstudios oft fest, dass ein Mikro geraschelt hat oder ein anderes Nebengeräusch den Sprecher zu sehr in den Hintergrund drängt. Dann wird das gesprochene Wort noch einmal im Studio aufgenommen. Langer und die Bavaria klären technische Details, dann geht alles sehr schnell. Die Soundmanufaktur erhält von der Bavaria die gesamte „Tatort“-Folge „Schlangengrube“, die am 27. Mai ausgestrahlt wird. Langer schwört, er habe sie bis heute nicht komplett gesehen. Bereits am nächsten Tag fährt ein Taxi in Trier-Ruwer vor. Drin sitzt Jan-Josef Liefers persönlich und zeigt zur Begrüßung das Peace-Zeichen durch das Autofenster.

Langer erinnert sich an die Situation: „Er war total entspannt und locker, wir waren sofort beim Du. Das ist in der Branche auch so üblich. Ich war enorm beeindruckt, mit welcher Klarheit er gearbeitet hat.“ Ist es eine besondere Belastung, mit einem Promi dieser Größenordnung zu arbeiten? „Ich war sehr angespannt, aber er hat mir diesen Druck durch seine angenehme Art genommen.“

Während die entsprechenden Szenen des neuen „Tatort“ aus Münster auf einem Monitor in Langers Studio laufen, spricht Liefers einzelne Sätze oder Worte neu ein. Manchmal ist es nur ein Wort, zum Beispiel ein „Okay“, aber es kommt auf jedes Detail an.

Eine Stunde im Studio ist geplant, Langer und Liefers schaffen die Nachvertonung in 50 Minuten. Anschließend fahren die beiden gemeinsam nach Trier. Langer: „Er wollte wissen, wie er zurück in die Stadt kommt. Also habe ich ihn gefahren.“ Der Trierer Musiker bietet Jan Josef Liefers eine improvisierte Stadtführung an, zeigt ihm den Dom und vermittelt ihm noch einen Termin bei einer befreundeten Physiotherapeutin, „denn er hat nachts offenbar falsch gelegen“.

Langers Fazit: „Es war wirklich ein unglaublicher Tag. Er war sehr  locker und total nett.“  Und was erwartet die Zuschauer denn nun am 27. Mai in der Folge „Schlangengrube“? Langer grinst nur. „Selbst wenn ich das wüsste, dürfte und wollte ich es nicht verraten.“

Der „Tatort“ aus Münster gehört zu den beliebtesten und quotenstärksten Teilen der seit 1970 laufenden Krimireihe. Kriminalhauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) sind bereits seit 2002 als Ermittlerduo im „Tatort“ aktiv. Die Folge „Schlangengrube“ ist ihr einziger Auftritt 2018.

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