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Scherben auf den Pfalzeler Kirchenbänken

Kriminalität : Vandalismus: Scherben auf den Trier-Pfalzeler Kirchenbänken

Unbekannte verwüsten die Marienstiftskirche in Trier-Pfalzel – nicht zum ersten Mal. Das auch bei Touristen beliebte Gotteshaus bleibt womöglich außerhalb der Gottesdienste geschlossen. Der Ortsbeirat spricht über Konsequenzen.

Zerstörte Lampen, zerrissene Gebetbücher, überall verstreute Infoblätter: Die Pfarrkirche St. Marien und St. Martin Pfalzel bot nach dem jüngsten Vandalismus-Vorfall einen schlimmen Anblick. Hausmeister und Küster Christian Stief berichtet im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund von weiteren Fällen: „Wir haben hier seit geraumer Zeit massive Probleme. Unbekannte haben auch schon Opferstöcke aufgebrochen. Was kaputt zu machen ist, wird kaputt gemacht. Es wurden Kerzen angezündet und unbeaufsichtigt brennen gelassen. Wer weiß, was da passieren kann.“

Die Polizei sei bereits sensibilisiert gewesen und habe die Marienstifts­kirche in ihre Streifenfahrten aufgenommen. Die jüngsten Schäden, die wohl vom Donnerstag stammen, konnte das nicht verhindern. Die Täter schlugen diesmal möglicherweise mit einem langen Gegenstand auf die von der Decke herunterhängenden Lampen oder warfen Gegenstände danach. Dabei ging viel Glas zu Bruch, und die Scherben landeten auf den Kirchenbänken darunter.

Weitere Fotos zeigen zerknitterte und zerrissene Gesangsbücher sowie auf den Kirchenboden geworfene Flyer und Infoschriften. Inzwischen ist der Innenraum der Kirche wieder aufgeräumt, und Gottesdienste können abgehalten werden. Weil die zerstörten Leuchten allerdings erst erneuert werden müssen, bleibt es relativ dunkel.

Pfalzels Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel wandte sich am Wochenende an die Redaktion des TV, um auf das Vandalismus-Problem aufmerksam zu machen: „Ein sehr trauriges Geschehen. Das zeigt uns wieder mal, wie respektlos man mit Allgemeingut umgeht. Vor Jahren musste die Kirche schon einmal auch tagsüber sicherheitshalber geschlossen bleiben, um sie vor Schäden zu schützen. Das wird wohl auch diesmal wieder so sein.“

Im Mai 2013 hatten Unbekannte dort mehrfach randaliert, Kerzenständer gestohlen und einen Sachschaden von 2000 Euro angerichtet. Laut Polizei verschmierten sie das Eingangsportal mit Nagellack und warfen Gebetbücher auf den Boden.

Bliebe die Kirche außerhalb der Gottesdienste geschlossen, träfe das Touristen, die sich das geschichtsträchtige Gebäude gerne anschauen würden. „Gleich neben der Kirche steht das älteste bewohnte Steinhaus Deutschlands in Privatbesitz. Wir haben an unseren Sehenswürdigkeiten im Stadtteil Infotafeln angebracht“, verweist Pfeiffer-Erdel auf den Zusammenhang. An Ostern startet die Tourismussaison - da wäre eine Kirche, die nicht besichtigt werden kann, ein Nachteil für den Ort.

Eine Videoüberwachung wiederum wäre denkbar, aber mit erheblichen Kosten verbunden und aus Gründen von Pietät und Datenschutz umstritten. Was also tun?

Nach TV-Informationen soll es Hinweise geben, dass Jugendliche für die Verwüstung verantwortlich sein könnten. Die Ortsvorsteherin will unabhängig davon eine Initiative starten, um die Jugendarbeit gezielt zu verbessern: „Wir haben viele tüchtige Jugendliche hier, die sich ehrenamtlich in der Feuerwehr, im TSC Pfalzel oder bei den katholischen Pfadfindern engagieren. Aber eine gewisse Klientel ist dadurch nicht zu erreichen. Uns fehlt ein Jugendraum, der allerdings auch betreut werden müsste.“

Der Ortsbeirat werde sich demnächst mit dem Thema befassen, kündigt Margret Pfeiffer-Erdel an. Denkbar sei etwa, eine Streetworkerin der Stadt Trier einzuschalten, um neue Arten der Ansprache und Einbindung von Jugendlichen auszuprobieren.

Pfalzel gehört zur Pfarreiengemeinschaft Ehrang-Pfalzel-Biewer. Auf TV-Anfrage verwiesen die Verantwortlichen am Sonntagabend darauf, zunächst die Ermittlungen der Polizei abzuwarten. In einer Predigt vor Ort war der Fall schon ein Thema, das Betroffenheit auslöste.

Die Polizei-Inspektion Schweich hat eine entsprechende Strafanzeige entgegengenommen und erste Ermittlungen eingeleitet. Zeugen des Vorfalls werden gebeten, sich bei der Polizei unter Telefon 06502/9157-0 zu melden.

Mehrere von der Decke hängende Lampen sind zerstört worden. Foto: privat
Prospektmaterial liegt kreuz und quer verstreut auf dem Boden. Foto: privat
Zerfledderte Gebetbücher, zerwühlte Flyer: Chaos in der Kirche. Foto: privat

Meinung
Das wäre ein herber Verlust
Was früher undenkbar war, ist heute traurige Praxis. Längst machen Randalierer und Langfinger nicht mehr Halt vor Gotteshäusern und Friedhöfen, sondern nutzen kirchliche und kommunale Einrichtungen gezielt für Diebeszüge und Zerstörungsakte.
Die Vorfälle in Pfalzel sind keine Dumme-Jungen-Streiche, sondern strafbare Sachbeschädigung. Und das in einem sensiblen Raum, der Gläubigen für gemeinsame religiöse Feiern und als stiller Rückzugsort für Gebete dient. Sich zwischendurch mal in die Kirche zu setzen oder sie als Tourist zu besichtigen, wird nicht mehr ohne Weiteres möglich sein, wenn sie aus Sicherheitsgründen abgeschlossen wird. Das wäre gerade in einem Ort mit einer so besonderen Siedlungs- und Gebäudestruktur wie Pfalzel ein herber Verlust. Ein Stück aus dem historischen Ensemble würde herausbrechen.
Sollten die Täter wirklich aus dem Ort kommen und unter den Jugendlichen zu finden sein, gibt es berechtigte Hoffnung, das Dilemma anders in den Griff zu bekommen. Kurzfristig mit klaren Ansagen und Konsequenzen. Langfristig mit sogenannter aufsuchender Jugendsozialarbeit: Streetworker, die auf die jungen Menschen zugehen, ihnen zuhören und Perspektiven aufzeigen. Damit es nicht mehr zu solchen unnötigen Auswüchsen kommt.
m.hormes@volksfreund.de