Schilder allein sind auch keine Lösung

Trier · Lärm schadet der Gesundheit des Menschen. Um die Belastung der Anwohner der Bundesstraßen zu reduzieren, haben die Grünen in der Stadtratssitzung vom Dienstag ein Pilotprojekt gefordert: Auf dem mehr als drei Kilometer langen Abschnitt von der Bonner- bis zur Luxemburger Straße soll ganztägig Tempo 30 angeordnet werden. Mit der Mehrheit von CDU und SPD wird nun im Bauausschuss weiter beraten.

Trier. 19 000 Fahrzeuge, davon 1300 LKW, wälzen sich täglich entlang der Bonner Straße, knapp 1200 jede Stunde. Selbst nachts sind es mehr als 200. Sie sorgen für erheblichen Lärm. Deshalb kämpfen der Ortsbeirat Trier-West/Pallien und die Bürgerinitiative "Lebensqualität am Moselufer" seit fünf Jahren für Tempo 30 auf dem Abschnitt der B53. Seit Februar 2009 gibt es ein Tempolimit - wegen Fahrbahnschäden. Doch sobald die behoben sind, und das soll 2015/16 sein, darf dort wieder schneller gefahren werden.
Passiert ist nichts


Nun fordern die Grünen im Stadtrat für die Bonner Straße und in Verlängerung bis zur Luxemburger Straße, Höhe Ruderverein Treviris, unabhängig vom Straßenzustand einen Pilotversuch "Tempo 30 auf Bundesstraßen". Denn auch die B 51 zwischen Kölner Straße - täglich 23 300 Fahrzeuge, mehr als 1600 LKW -, Martinerfeld/Aachener Straße (12 700 Autos, zehn Prozent Schwerlastverkehr) und Luxemburger Straße (11 200/1340) gehört zu den meist befahrenen und lautesten Straßen Triers (siehe Extra). Dies macht der Lärmaktionsplan deutlich, der für diesen Abschnitt nachts Tempo 30 empfiehlt - passiert ist nichts.
In der Rathauszeitung vom 12. Oktober 2010 stehe zwar, dass eine Anordnung von Tempo 30 auf übergeordneten Straßen nicht möglich sei und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) dies ablehne. Doch Kandel in der Pfalz zeige, dass es im Rahmen eines Pilotprojekts, das im März 2014 startet, sehr wohl möglich sei, sagt Anja Reinermann-Matatko (Grüne). Die mehr als drei Kilometer lange Strecke in Trier könne dazu genutzt werden, die Akzeptanz von Tempo 30 in unterschiedlich gestalteten Straßenzügen zu untersuchen.
"Das ist nichts Neues", sagt Thomas Albrecht (CDU). "Wir stehen dazu, dass in diesem Bereich Tempo 30 sinnvoll ist." Allerdings erschließe sich ihm nicht, wieso der Bereich bis zum Ruderverein und auf den ganzen Tag ausgeweitet werde. Über ein Pilotprojekt für nachts könne man reden. Deshalb will die CDU den Antrag in den Bauausschuss verweisen.
Dem schließt sich die SPD an. Das Thema sollte gesamtstädtisch für alle Bundesstraßen angegangen werden, fordert deren verkehrspolitischer Sprecher Rainer Lehnart. Die rechtlichen Möglichkeiten ließen auch jetzt schon eine Geschwindigkeitsreduzierung zwischen 22 und 6 Uhr zu.
Wichtiger als Temporeduzierung sei, dass der Verkehr besser fließe und die katastrophalen Straßenverhältnisse beseitigt würden, sagt Richard Ernser (FWG). Alleine das Aufstellen von Schildern sei keine Lösung, die Verkehrsmoral müsse ebenfalls verbessert werden. "Polemische Forderungen, die Anwohnern keine Verbesserung bringt, lehnen wir ab."
Große Zustimmung hingegen bei den beiden Linken. "Es ist unerlässlich, dass die Stadt Verhandlungen mit dem LBM aufnimmt", erklärt Sieglinde Andersen.
Mit den Stimmen von CDU und SPD und bei Enthaltung der Grünen wird der Antrag nun im Dezernatsausschuss IV beraten. Die Linken lehnen ihn gemeinsam mit FDP und FWG ab. "Es ist uns wichtig, dass etwas passiert", sagt Andersen. "Wir wollten jetzt eine demokratische Entscheidung über Tempo 30."
Extra

Mehr als 310 beziehungsweise rund 350 Menschen sind auf dem Abschnitt Bonner Straße/Luxemburger Straße Belastungen von mehr als 70 Dezibel (dB) am Tag und 60 dB in der Nacht ausgesetzt. Mehr als 80 beziehungsweise 95 Anwohner müssen mit noch mehr Lärm leben, wobei die Luxemburger Straße die deutlich lauteste ist. Das kann gesundheitliche Folgen haben: Bereits ab einem Dauerschallpegel von 60 Dezibel treten Stressreaktionen im Schlaf auf. Geräusche ab 75 dB können zu erhöhtem Blutdruck sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. mehi