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Erziehung
Nach Schimmelbefall: Die Kinder müssen raus aus der Trierer Kita St. Agritius

 Die Kindertagesstätte St. Agritius in der Helenenstraße liegt inmitten von Wohnbebauung im Trierer Gartenfeld. Bald wird das Gebäude verwaist sein, da die Kinder in Olewig betreut werden sollen.
Die Kindertagesstätte St. Agritius in der Helenenstraße liegt inmitten von Wohnbebauung im Trierer Gartenfeld. Bald wird das Gebäude verwaist sein, da die Kinder in Olewig betreut werden sollen. FOTO: Roland Morgen
Trier. Der Agritius-Kindergarten im Trierer Gartenfeld wird wegen Schimmelbefalls geräumt. Mit dem Ausweichquartier sind nicht alle Eltern froh. Von Harald Jansen
Harald Jansen

Aus heiterem Himmel hat wohl die wenigsten Eltern der 54 Kinder die Hiobsbotschaft getroffen: Das Gebäude des Kindergartens St. Agritius in Trier-Ost muss geräumt werden. Wegen Schimmelbefalls. Greta Wieskotten von der Elternvertretung des Agritius-Kindergartens sagt: „Es gibt schon seit Jahren ein Schimmelproblem. Deshalb ist beispielsweise der Bewegungsraum im Keller gesperrt worden.“ Es habe immer wieder Messungen gegeben. Es seien sogar Schimmelspürhunde im Kindergarten gewesen.

Am Dienstagabend hat es nun eine Versammlung gegeben, bei der die Eltern laut Wieskotten erfuhren, dass der Kindergarten vor den Osterferien geschlossen wird. Ab 1. Mai sollten dann die Kinder in Olewig betreut werden. Im dortigen Grundschulgebäude sind noch Kinder des Herz-Jesu-Kindergartens untergebracht. Deren eigentliche Bleibe in Trier-Süd wird derzeit saniert.

Zwei Tage nach dem Info-Abend gibt es bereits eine Änderung dieses Plans. Nun soll – wie von vielen Eltern gewünscht – der Umzug möglicherweise erst im Sommer über die Bühne gehen.

Nach Auskunft von Wieskotten gibt es für die Eltern bisher keine Information darüber, ob und wann der Agritius-Kindergarten im Trierer Gartenfeld noch einmal an seinen bisherigen Standort zurückkehrt. Doch das ist nicht allein die Sorge, die viele Eltern umtreibt. „Rund 90 Prozent der Kinder werden mit dem Rad oder zu Fuß gebracht“, sagt Wieskotten. Das sei aufgrund der Entfernung nach Olewig natürlich nicht so einfach möglich. Die neue Bleibe liegt rund 1,7 Kilometer entfernt vom heutigen Domizil. Der Transport mit dem eigenen Auto dauere aufgrund der Verkehrslage manchmal sehr lange.

Dass es nun so schnell gehen soll, ist verwunderlich. Denn auf die Frage, wie groß die Bauschäden am Kita-Gebäude sind, konnte das Bistum auf TV-Anfrage am Mittwoch keine konkrete Auskunft über den Umfang der Mängel geben (der TV berichtete). Grundsätzlich ist es laut Pressestelle so, dass an eine Verlegung der Kindertagesstätte auf das Gelände der Egbert-Grundschule gedacht ist. Denn die geplante Kita-Erweiterung könne auf dem jetzigen Gelände nicht erfolgen.

Für die Stadtverwaltung Trier, die die Fachaufsicht bei den Kindergärten hat, stellt sich nach Auskunft von Pressesprecher Michael Schmitz am Donnerstag die Lage so dar: Bereits im Dezember 2017 habe eine erste Messung erhöhte Werte ergeben, die auf Schimmelpilz hinwiesen. Daraufhin seien der Keller und der Bewegungsraum vorsorglich gesperrt und eine Grundreinigung des gesamten Gebäudes veranlasst worden. Einige Messungen später seien dann Luftfilter im Gebäude aufgestellt worden. „Diese laufen seitdem kontinuierlich.“ Später sei dann in die vertiefte Ursachenforschung eingestiegen worden. Nach einem Sachverständigenbericht sei klar geworden, „dass eine umfassende Sanierung des Gebäudes nötig wird“.

Für die Verlagerung sprechen aus Sicht der Stadtverwaltung zwei Gründe: „Es ist eine umfassende Sanierung erforderlich, die nach unserer Meinung im laufenden Betrieb nicht machbar ist. Zudem ist eine dauerhafte Nutzung des Gebäudes nach Ansicht des Gesundheitsamtes trotz der getroffenen Maßnahmen (also mit den Luftfiltern) nicht möglich.“

In Kindertagesstätten gibt es immer wieder Probleme mit Schimmel. So ist beispielsweise der Altbau der Kita in Trier-Ruwer derzeit geschlossen (der TV berichtete). Probleme gab es auch in Tarforst, Mariahof und Pfalzel.

Fragen zum Thema Kindergarten St. Agritius an die Pressestelle des Bistums Trier blieben bis Redaktionsschluss am Donnerstagabend unbeantwortet. Auch bei der Kita gGmbH Trier war am Nachmittag niemand erreichbar.