Schlachter und Scheidung
Was würde ein Autor tun, wenn er aus den Begriffen Künstlersozialkasse, Hochzeitstag, Schlachter, Scheidungsfest, Wimperntusche und Planschbecken ein Stück schreiben müsste? Er hätte seine Not. Die Schauspieler des "AlsWir" Improvisationstheaters schaffen es in Sekundenschnelle, daraus eine Geschichte zu stricken.
Trier. (sys) Mit ihrer Show "Comedy Royal" im Chat Noir führt das Trio aus Heidelberg einmal im Monat vor, wie spontan kreativ es ist. Enno Kalisch und Jürgen List texten aus dem Stehgreif Lieder, entwerfen Spielszenen und verfassen Gedichte. Musikalisch begleitet sie dabei Gerd Baier am Flügel. Er komponiert ad hoc Songs, deren Texte die beiden Akteure auf Zuruf aus dem Publikum erfinden.
So stellen die Zuschauer die Schauspieler vor die Aufgabe, Märchen und Krimi in einer Szene zu kombinieren. Das gelingt Kalisch und List fabelhaft: der eine spielt ein spinnendes Bauernmädchen, der andere einen coolen Kommissar auf der Suche nach dem Mörder des Prinzen. Tatsächlich findet sich eine Zauberkröte als Tatwerkzeug im Besitz des Mädchens. Diesen und noch mehr Unsinn reimen sich Kalisch und List zusammen.
Am mitreißendsten gelingt dem Trio in seiner September-Vorstellung die Publikums-Vorgabe, einen bayerischen Western auf die Bühne zu bringen. Schön schräg: sie erklären in der Rolle eines kasachischen Professors und seines Übersetzers, was geschieht, wenn eine Rattenfamilie das Aufzugseil durchnagt oder zeigen eine makabere Szene, in der Klein-Freddy unter den Schimpftiraden seines Vaters im Planschbecken ertrinkt.
Als sich herzlich liebendes und sich leidenschaftlich hassendes Paar beim Schaumbad am 14. Hochzeitstag zeigen die Akteure ihre emotionale Wandlungsfähigkeit. An diesem Abend feiern sie zudem Scheidung und dichten eine Ode auf Trier - die typischen Merkmale nennt ihnen das Publikum: Stau auf der Bitburger, Stress in Trier Nord, Altertümer und Touristen. Das Publikum zollt dem Ausbund an Schlagfertigkeit Applaus.
Die nächste Vorstellung im Chat Noir ist am 14. Oktober.