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Schlachtfeld bei Riol: Zeigt her eure Funde!

Schlachtfeld bei Riol: Zeigt her eure Funde!

Wer hat Fundstücke, die noch mehr über die bedeutsame römische Schlacht oberhalb Riols erzählen? Die Gemeinde hatte Bürger dazu aufgerufen, dem Chef des Trierer Rheinischen Landesmuseums ihre Fundstücke zu zeigen. Fazit: Riol hat noch viele verborgene Schätze und wird diese künftig touristisch ausschlachten.

Riol. Seit Archäologen genau lokalisiert haben, dass es bei Riol nach dem Tode Kaiser Neros eine bedeutende Schlacht gegeben haben soll, hat einige Bürger das Forscher-Fieber gepackt. Sie wollen mehr wissen über ihren Heimatort Riol, früher Rigodulum, mit seinen heute 1300 Einwohnern. Ortsbürgermeisterin Christel Egner-Duppich hatte Bürger dazu aufgerufen, Funde, die sie auf dem römischen Schlachtfeld gemacht hatten, zu einem Treffen mit Marcus Reuter im Rioler Rathaus mitzubringen. Reuter ist der Chef des Rheinischen Landesmuseums und unter anderem damit beschäftigt, die erste große Nero-Ausstellung in Mitteleuropa auf die Beine zu stellen. Alles was es zu dem Kaiser (37 bis 68 nach Christus) gibt, wird zusammengetragen und ab Mai in den drei Trierer Museen gezeigt. Darunter auch die rund 20 Funde aus einer Privatsammlung, die an die bedeutende Schlacht zwischen Treverern und Römern bei Riol erinnern: bronzene Schnallen von Schienenpanzern, Anhänger, eiserne Lanzenspitzen, Schleuderbleie und kleine Beschlagteile, Nero-Münzen. Gibt es noch mehr Beweisstücke? Nur vier Bürger waren dem Aufruf der Ortsbürgermeisterin gefolgt, aber die kleine Runde hatte es in sich: Viktor Schmitz (88), packte eine Handvoll Hufeisen aus. "Die habe ich in einem sumpfigen Gebiet an der Mosel entdeckt", sagte er. Unmengen lägen dort. Von der Schlacht habe er schon in der Schule gehört. "Vielleicht sind Pferde damals in dem Sumpf stecken geblieben", mutmaßte Schmitz. "Hufeisen seien schwer zu datieren", erklärte Reuter. Interessant sei allerdings der Fund vieler Hufeisen an einer Stelle. Diskret berichtete Schmitz von weiteren Fundstücken: Von Riols Geschichte erzählten ein Sarkophag, römische, in der Pfarrkirche verbaute Ziegel. Jemand habe einen silbernen Münzschatz gefunden. Ein mittlerweile zugeschütteter Tunnel zeuge ebenso von früheren Zeiten wie eine Feuerstelle, die während Straßenbauarbeiten ans Licht gekommen sei. Sogar ein goldenes Kalb soll irgendwo vergraben sein. Alois Reis (86) legte das Bruchstück eines Mühlsteins auf den Tisch. "Ein klassischer römischer Mühlstein. Der hat locker seine 1800 Jahre auf dem Buckel", sagte Reuter. "Ein Hinweis auf eine Siedlung." Die beiden Senioren vermuteten, dass viele Bürger sich nicht getraut hatten, dem Chef des Landesmuseums ihre Schätze zu offenbaren. "Viele Fundstücke verschwinden in Privatbesitzen, aus Angst, sie herausgeben zu müssen, oder vor einem Baustopp", meinte Schmitz. Reuter weiß um diese Sorgen und beruhigte: "Nach der Registrierung erhalten die Leute die Fundstücke wieder zurück." Die Ortsbürgermeisterin möchte einen weiteren Aufruf starten. Denn jedes Fundstück, das kulturgeschichtlich von Bedeutung ist, ist ein Puzzleteil. Die Gemeinde möchte noch mehr über das römische Schlachtfeld in Erfahrung bringen und den außergewöhnlichen Ort zukünftig touristisch ausschlachten.
Einige Ideen standen am Ende des Treffens im Raum: Reuter meinte: "Ich könnte mir vorstellen, dass während der Nero-Ausstellung eine Römergruppe die Römerstraße an vier Tagen von Mainz nach Riol geht und es einen Showdown an der Römerbrücke gibt."
Die legendäre Route aus weißen Basaltsteinen ist bei Riol ebenfalls sehr gut erhalten. "Wir könnten das Event in unsere Weinkirmes im Juni integrieren", schwebt Egner-Duppich vor.
Von Vitrinen, in denen die Fundstücke später am historischen Ort zur Schau gestellt werden sollen und einem Modell war die Rede. Reuter versprach: "Wir werden unser Expertenwissen gerne zur Verfügung stellen."
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer wird laut Marcus Reuter das Programm der Nero-Ausstellung samt den Rioler Fundstücken, die von der bedeutsamen Schlacht zwischen Treverern und Römern im Jahr 70 bei Riol zeugen, am 25. Februar der Berliner Politik-Prominenz vorstellen. Die Schlacht war lange bekannt, aber erst jetzt konnte der exakte Ort des Schlachtfeldes bestimmt werden.Extra

Randnotiz: Auch Objekte, die von schweren Kämpfen während des Zweiten Weltkrieges zeugen, wurden auf dem römischen Schlachtfeld gefunden. Daran können sich Viktor Schmitz und Alois Reis noch erinnern. Laut Schmitz ist es dem Rioler Wein zu verdanken, dass die Römerbrücke heute noch steht. Eine Pioniereinheit, die die Römerbrücke während des zweiten Weltkriegs sprengen sollte, habe Station in Riol gemacht, sagte der Senior. Sein Schwiegervater habe die Männer in den Weinkeller gelotst. Dadurch seien sie verspätet losmarschiert und kurz vor Trier auf die Straßensperrung der Amerikaner getroffen. Die Brücke wurde nicht gesprengt. kat