Schlägertrupp wütet im Autosalon

Schlägertrupp wütet im Autosalon

Zwei Männer sollen am Freitagnachmittag drei Angestellte in einem noblen Autosalon nahe der Porta Nigra brutal zusammengeschlagen haben. Die Polizei fasst einen Tatverdächtigen - ein weiterer ist flüchtig. Passanten beobachten eine Verfolgungsjagd durch die Fußgängerzone

Trier. Blut klebt am weißen Türpfosten eines Edelkarossenhändlers in der Nordallee links neben dem Eingang des Mercure-Hotels an der Porta Nigra. Ein blutverschmiertes Handtuch liegt zusammengeknäuelt vor der Türschwelle auf dem Boden. Polizisten haben den kleinen überdachten Fuhrpark des Händlers mit Absperrband gesichert und warten auf die Spurensicherung.
Was sich kurze Zeit vorher im Autosalon abgespielt haben soll, könnte zur Vorlage eines Kriminalromans taugen.
Laut Zeugenangaben, die am Freitag gegen 15 Uhr bei der Polizei eingehen, sollen zwei Männer das Geschäft betreten und die drei Mitarbeiter brutal zusammengeschlagen haben. Ein Passant, der die Polizei bei der Spurensicherung beobachtet, sagt, unter den sichergestellten Beweismitteln in Klarsichtbeutel befinde sich ein blutiger Totschläger, der als Schlagwaffe gebraucht wird.
Im Inneren des Autosalons finden die Einsatzkräfte bei ihrem Eintreffen zunächst drei Verletzte - die Angestellten des Händlers. Die Opfer werden in ein Krankenhaus gebracht.
Sofort leiten die Beamten eine Fahndung ein. 250 Meter entfernt bemerkt eine Passantin, die draußen am Tisch eines Cafés in der Glockenstraße sitzt, einen Mann mit blutverschmiertem Pullover. Die Frau erkennt, dass sich der unbekannte Mann derart merkwürdig bewegt, dass er verletzt sein könnte. Sie glaubt, ein Fernsehfilm würde gedreht und ist fest davon überzeugt, jeden Moment müsse auch ein Kamerateam auftauchen.
Doch dem ist nicht so. Stattdessen setzen sich, wie eine weitere Augenzeugin dem TV berichtet, von der Porta Nigra drei Polizeiwagen in Bewegung - durch die Fußgängerzone. Mit Blaulicht und Sirenen versuchen die Fahrer, sich einen Weg durch die Touristenschar in der am sonnigen Nachmittag überfüllten Altstadt zu bahnen. An der Ecke Simeonstraße/Glockenstraße parken die Beamten ihre Wagen und spurten mit einem Spürhund die Glockenstraße in Richtung Sichelstraße entlang, wie die Passantin im Café berichtet.
Ob die Festnahme des Tatverdächtigen in diesem Bereich stattfindet, möchte die Polizei am Freitag nicht bestätigen. Die Fahndung nach dem zweiten Täter dauerte am Abend noch an. Aufgrund der laufenden Ermittlungen hat die Polizei auch zu den Hintergründen dieses blutigen Verbrechens am Freitag keine Informationen gegeben.Extra

Der Autohändler, in dessen Geschäftsräumen das blutige Verbrechen geschah, ist auf den Verkauf und Export von Luxusfahrzeugen wie Bugatti oder Maybach spezialisiert. Wie auf der Internetseite des Unternehmens dargestellt, unterhält das Unternehmen Geschäftsbeziehungen in die Ukraine und nach Russland. cmoExtra

Spektakuläre Großeinsätze wie diesen erlebt Trier nicht jeden Tag. Ein legendärer Fall in Russisch-Inkasso-Manier liegt mittlerweile elf Jahre zurück. Mitte Juni 2002 sperrten Polizei und Spezialeinsatzkräfte plötzlich um die Mittagszeit einen halben Stadtteil ab. Scharfschützen postierten sich auf den umliegenden Dächern, die großen Nachrichtensender schalteten halbstündlich live nach Trier. Hintergrund des polizeilichen und medialen Großaufgebots war die Geiselnahme eines Ehepaars in dessen Wohnhaus in der Südallee. Dem Mann gelang die Flucht, als er mit einem der Geiselnehmer zur Bank fuhr, um das geforderte Geld abzuheben. Als die Polizei Stunden später das Wohnhaus stürmte, waren die Kriminellen schon über alle Berge. Die Ehefrau hatten die Täter im Badezimmer eingesperrt, sie wurde unverletzt befreit. jp