Schlaflos in die Sommerzeit

Die Sommerzeit naht: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Vielen drohen jetzt schlaflose Nächte, befürchtet der Psychotherapeut Dr. Jobst Scherler von der Schlafschule in Trier - und gibt Tipps, wie man die Zeitumstellung besser bewältigt.

Trier. Sie schlägt lautlos zu. In der Dunkelheit der Nacht. Jedes Jahr erbarmungslos. Und was sie genommen hat, gibt sie erst ein halbes Jahr später wieder her: In der Nacht von Samstag auf Sonntag bringt die Umstellung auf die Sommerzeit die Menschen um eine Stunde Schlaf. Und das zum 32. Mal: Zuletzt 1980 eingeführt, hoffte man, mit diesem Trick Energie zu sparen.

Während Ökonomen den Sinn dieses Beschlusses seit langem bezweifeln, hagelte es zuletzt auch von Medizinern und Psychologen Kritik. Dr. Jobst Scherler, Psychotherapeut an der Schlafschule auf dem Petrisberg in Trier, rügt die Zeitumstellung als künstlichen Eingriff in den menschlichen Alltag: "Unser ganzer Körper wird durch biologische Rhythmen gesteuert."

Schrittweise anpassen



Der wichtigste sei dabei der sogenannte Cirkadianrhythmus, sagt Scherler. Gesteuert durch den Tag-Nacht-Wechsel gibt er uns vor, wann es an der Zeit ist zu ruhen und aktiv zu werden. Zahlreiche Studien legen nahe, dass die Zeitumstellung diesen Rhythmus nachhaltig stört. "Das sind Störungen, die für die Betroffenen zunächst nicht unbedingt spürbar werden", sagt Scherler. Wer wie stark betroffen sei, hängt laut Scherler von zwei Faktoren ab. Erstens: "Wer eine schlechte Gesundheit hat, wird auch eher empfindlich reagieren." Zweitens sei die Art der inneren biologischen Uhr entscheidend: "Menschen, die recht früh ihr Leistungsmaximum erreichen, sogenannten Lerchen, kommt die Zeitumstellung besser zupass." Die Eulen hingegen, die erst später aktiv werden, aber dafür länger durchhalten, hätten häufiger unter der Zeitumstellung zu leiden. Gerade ihnen und anderen Menschen mit Schlafstörungen empfiehlt Scherler eine schrittweise Anpassung an die neue Zeitrechnung: "Wenn man die Möglichkeit hat, sollten diese in der ersten Woche statt einer ganzen zunächst nur eine Viertelstunde früher aufstehen und so die Umstellung über zwei oder drei Wochen verteilen." Hilfreich seien zudem regelmäßige Schlafzeiten und das Vermeiden von Lesen oder Fernsehen im Bett: "Das Bett sollte vor allem ein Ort des Schlafens bleiben", sagt Scherler.

Er hat keine Angst vor dem nächtlichen "Zeitdiebstahl" am Wochenende, im Gegenteil: "Ich genieße das, wenn es abends länger hell ist. Und wer bisher keine Probleme mit dem Schlaf hat, sollte sich auch keine großen Gedanken darüber machen."

EXTRA UNFALLHäUFUNG UND WENIGER MILCH



Zu den Auswirkungen der Zeitumstellung zählen anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen. "Das führt beispielsweise nachweislich zu einer Zunahme von Autounfällen unmittelbar nach der Zeitumstellung", betont Jobst Scherler. Außerdem seien nicht nur Menschen betroffen: "Auch Kühe geben kurzzeitig weniger Milch." gmw