Kommentar: Schlecht für die Stadt, Armutszeugnis für den Rat

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Wer in Trier ein Haus besitzt, darf sich freuen. Nach dem Ende des Baugebiets Brubacher Hof wird es in den kommenden Jahren weiter an Wert gewinnen. Wer ein Haus besitzt, das an einer der Einfallsstraßen der Stadt liegt, hat dennoch wenig Grund zur Freude.

Denn die Belastung durch den Pendler- und Einkaufsverkehr von auswärts wird deutlich zunehmen, wenn Familien und Menschen mit durchschnittlichem Einkommen gezwungen sind, sich im Umland niederzulassen, weil sie in Trier keinen bezahlbaren Wohnraum finden.

Die Bebauung des 30 Hektar großen Areals bei Mariahof war sicher ein Kompromiss. Das wäre weder aus klimatischen noch aus verkehrstechnischen Gründen ein optimaler Standort. Die Ackerflächen als „grüne Lunge Triers“ zu bezeichnen, ist dennoch übertrieben. Für die Bereitstellung von Grundstücken und Wohnungen im bezahlbaren Rahmen war es allerdings die einzige Perspektive für die kommenden fünf bis zehn Jahre. Wer im Trierer Stadtrat der Verwaltung den Auftrag erteilt, zügig Alternativen zu benennen, verkennt die Realität. Denn genau diese ausführliche Prüfung war der mehrheitlichen Entscheidung des „alten“ Stadtrats für die Entwicklungsmaßnahme Brubacher Hof vorangegangen.

Für die AfD, die einen Bevölkerungszuwachs in den kommenden zehn Jahren negiert und jede Erweiterung ablehnt, mag die Entscheidung gegen Brubach noch schlüssig sein. Für Linke und Grüne, die das nicht tun, ist sie das nicht. So ist es nahezu grotesk, wenn Die Linke zunächst die Erschließung von neuem Bauland ablehnt, wenig später aber in einem Antrag eine Quote von 50 Prozent gefördertem Wohnraum bei Neubauprojekten fordert. 50 Prozent von fast nichts ...

Bündnis 90/Die Grünen berufen sich auf den Natur- und Klimaschutz. Das ist legitim, wenn ernsthafte Gedanken für Alternativen erkennbar sind. Ein Armutszeugnis ist es allerdings, wenn die größte Fraktion sich der grenzwertig argumentierenden Alleinvertreterin der Freien Wähler bedient, um der Gefahr zu entgehen, für den Antrag der AfD stimmen zu müssen. Letztlich tun die Grünen damit genau das, was sie vermeiden wollen: Sie Stimmen mit der AfD. Wenn das die Vorzeichen für die neue Debatten- und Entscheidungskultur im Trierer Stadtrat sind, dann gute Nacht.

r.neubert@volksfreund.de

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