Schlecht fürs Geschäft

Im Frühjahr 2009 soll die Aulbrücke wieder provisorisch befahrbar gemacht werden - die benachbarten Gewerbetreibenden würde es wohl freuen: Sie leiden unter der eingeschränkten Erreichbarkeit und üben Kritik an der Stadt.

Trier. (fgg) "Natürlich ist die Sperrung der Aulbrücke für uns ein Problem", sagt Willibald Seltzer. Er betreibt oberhalb der seit April gesperrten Brücke eine Praxis für Physiotherapie: "Viele Patienten, gerade auch aus dem Schammatdorf, konnten früher weitaus einfacher zu uns kommen." Den Fußmarsch von der Bushaltestelle an der Matthiaskirche über die für Fußgänger ja noch passierbare Brücke nähmen die Patienten, die oft nicht so gut zu Fuß seien, nicht gerne auf sich. Der Umsatzrückgang durch weggebliebene Patienten sei deutlich spürbar: Auf "fünfzehn bis zwanzig Prozent" beziffert ihn Seltzer. "Wir können das zwar noch auffangen, aber die Lücken sind schon relativ groß." Auch in der Pizzeria am Mattheiser Weiher spürt man die Folgen der recht plötzlich erfolgten Brückensperrung: "Gerade beim Mittagstisch sind die Gästezahlen deutlich zurückgegangen", sagt die Betreiberin Alma Pianalto. Vor allem Berufstätige kämen gerne in ihrer Mittagspause an den Weiher. Der lange Umweg durch die oft verstopfte Saarstraße, der jetzt nötig sei, schrecke viele ab - wenn sie ihn überhaupt kannten: "Manche Gäste, die unbedingt kommen wollen, lassen ihr Auto unterhalb der Brücke stehen, und sagen: Ich wusste gar nicht, wie man zu euch kommt."

An den Blumenladen von Karoline Heiser zu kommen ist eigentlich unproblematisch: Direkt unterhalb der Brücke gelegen, ist der Betrieb von der Stadt aus noch problemlos zu erreichen. Die recht weit vorne angebrachten Sperrungsschilder würden jedoch vielfach missverstanden, mit gravierenden Folgen für die Gewerbetreibenden: "Wenn das so weitergeht, muss ich mir überlegen, ob ich nicht personelle Konsequenzen ziehen muss", sagt Frau Heiser.

Brücke erst ab Frühjahr wieder befahrbar



Sie kritisiert, dass der Zustand der Brücke ja schon lange bekannt gewesen sei: Der fällige Ersatz hätte schon viel früher geplant werden müssen. Tatsächlich bestätigt der städtische Pressesprecher Ralf Frühauf, dass schon 1994, als die Brücke der Kommune zufiel, "eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich" gewesen und noch "eine Lebensdauer von 10 Jahren" bescheinigt worden sei. Er weist aber auch darauf hin, dass etwa Bauverwaltungsamt und Tiefbauamt sofort unbürokratisch reagiert hätten: So wurden Hinweisschilder und Werbetafeln im öffentlichen Raum genehmigt, auf denen die Erreichbarkeit der Betriebe angezeigt werden könne. Karoline Heiser hat diese Möglichkeit auch für ihr Geschäft genutzt.

Das vor einigen Wochen im Stadtrat beschlossene Provisorium, welches die Brücke eingeschränkt befahrbar machen wird, könnte die Gewerbetreibenden wieder von ihren ärgsten Nöten befreien. Allerdings wird das im besten Falle erst im Frühjahr nächsten Jahres passieren. Physiotherapeut Beitzel ist skeptisch: "Die sollen mal Gas geben, das ist alles, was wir hier wollen."