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Schlimmer Verdacht: Pflegekinder jahrelang missbraucht

Schlimmer Verdacht: Pflegekinder jahrelang missbraucht

Acht Jahre lang soll ein Pflegevater aus dem Hochwald zwei ihm und seiner Frau anvertraute Mädchen missbraucht haben. Insgesamt über hundert Mal. Vor zwei Jahren wurde er angezeigt. Die Staatsanwaltschaft hat ihn nun angeklagt.

Es war wohl ein jahrelanges Martyrium, das die beiden Mädchen durchgemacht haben. Ihr Pflegevater soll sie missbraucht haben, über 100 Mal von 2005 bis 2013. Davon jedenfalls sind die Ermittler überzeugt. Sie haben einen 58-Jährigen aus der Verbandsgemeinde Hermeskeil angeklagt wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. 112 Mal soll er die ihm und seiner Frau anvertrauten Mädchen missbraucht haben. Zwischen zehn und 16 Jahren waren die Geschwister damals.

Rausgekommen ist das Ganze, als das ältere Mädchen vor zwei Jahren in der Schule von den angeblichen Übergriffen ihres Pflegevaters erzählte. Daraufhin informierte die Schule die Kreisverwaltung Trier-Saarburg, bei der das Ehepaar als Pflegeeltern registriert war. Bis dahin habe es keinen Hinweis gegeben, dass dort etwas nicht stimme, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung. Mitarbeiter des Jugendamtes hätten "relativ oft" Kontakt mit der Familie gehabt.

Die Kreisverwaltung habe direkt nach Bekanntwerden der Vorwürfe Anzeige erstattet und die beiden Kinder aus der Pflegefamilie genommen. Laut dem Leitenden Oberstaatsanwalt Peter Fritzen waren die beiden Geschwister seit 2000 beziehungsweise seit 2002 in der Familie untergebracht. Die Mädchen stammen aus dem Saarland. Weil die Eltern nicht mehr in der Lage gewesen seien, sie zu erziehen, seien die beiden in die damals noch in Trier lebende Pflegefamilie gekommen, sagt der Sprecher der Kreisverwaltung. 2002 sei das Ehepaar dann von Trier in die Verbandsgemeinde Hermeskeil gezogen, damit sei dann die Kreisverwaltung zuständig gewesen.

Seit zwei Jahren laufen die Ermittlungen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Mann bei der Jugendschutzkammer des Landgerichts erhoben, wie Fritzen bestätigt. Ob und wann ein Prozess stattfindet, stehe noch nicht fest. Der Angeklagte habe die Vorwürfe bestritten. Er sitzt laut Fritzen nicht in Untersuchungshaft. Grund: Es liege kein Haftgrund wie etwa Flucht-, Verdunkelungs- oder Wiederholungsgefahr vor.

Die Ältere der Mädchen ist mittlerweile erwachsen und ist nicht mehr auf eine Betreuung durch das Jugendamt angewiesen. Die Jüngere soll in einer Wohngruppe leben.

Nach Informationen unserer Zeitung betreut die Frau aus der Verbandsgemeinde Hermeskeil weiterhin ein Pflegekind. Der Mann soll aber nicht mehr im gleichen Haus leben. Daher bestünden keine Bedenken, dass das an die Frau gewöhnte Kind, weiter bei ihr lebe, so der Sprecher der Kreisverwaltung.