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Schluss mit dem Männerüberschuss!

Schluss mit dem Männerüberschuss!

Trotz Gleichstellungsbeauftragter und Kinderbetreuung: Es arbeiten viel mehr Männer als Frauen in Führungspositionen von Stadt- und Kreisverwaltung. Den Grund für das Ungleichgewicht sehen die Verantwortlichen vor allem bei den Einstellungen in der Vergangenheit.

Trier. (slg) Durch den Streit zwischen der Familienministerin Kristina Schröder und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) wurde die Debatte um eine Frauenquote in der deutschen Wirtschaft erneut angeheizt. Die Kanzlerin hat schließlich ein Machtwort gesprochen: Es wird keine Frauenquote geben. Nachdem die Politik die Frauenquote von der Wirtschaft gefordert hat, muss sie sich die Frage gefallen lassen, wie sieht es in den Verwaltungen aussieht - dem Bereich, den die Politik zu verantworten hat. Der TV hat sich bei den Verwaltungen der Region umgehört. Die Stadt Trier steht in Sachen Gleichstellung gar nicht so schlecht da. In der Verwaltungsspitze, also dem Stadtvorstand, sei die Gleichstellung mit Oberbürgermeister Klaus Jensen, Bürgermeisterin Angelika Birk und den beiden Dezernenten Simone Kaes-Torchiani und Thomas Egger bereits erreicht. Dennoch: Neben den 94 männlichen Führungskräften arbeiten im Rathaus nur 41 weibliche Führungskräfte. Das ist weniger als die Hälfte - jedoch immer noch deutlich mehr als in einigen Verbandsgemeinden im Kreis Trier-Saarburg (siehe Grafik). "Das liegt daran, dass in der Vergangenheit - also bis in die 80er Jahre - deutlich mehr Männer eingestellt wurden", sagt Ralf Frühauf, Sprecher der Verwaltung. Es habe aber auch mehr Bewerbungen von Männern gegeben.

Den aktuellen Zahlen zum Trotz gebe es eine eindeutige Trendwende: "In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Zahl von Einstellungen von männlichen Bewerbern gegenüber Bewerberinnen umgekehrt", so Frühauf. Das führe dazu, dass sich zunehmend auch die Anzahl der weiblichen Führungskräfte in der Relation zu männlichen Führungskräften verbessert habe und weiter verbessern wird. Damit das auch so kommt, hat die Stadt einen Frauenförderplan aufgestellt.

"Für die Gleichstellung der Frauen im Rathaus ist eine Gleichstellungsbeauftragte berufen", sagt Frühauf. Diese werde in allen Personalfragen beteiligt. Ein neues Instrument für die Gleichberechtigung ist auch das "Gender Budgeting"(siehe Extra).

Auch in der Kreisverwaltung des Kreises Trier-Saarburg sieht man den Hauptgrund für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen darin, dass sich in der Vergangenheit wenige Frauen beworben haben. "Das wirkt bis heute nach und führt dazu, dass die Positionen von Männern besetzt sind", sagt Martina Bosch von der Kreisverwaltung. Damit sich das ändert, sei bei der Umstrukturierung der Verwaltung darauf geachtet worden, dass die Stellen auch für Frauen ansprechend gestaltet werden. Das gelte auch für Frauen, die in Teilzeit tätig sind. Zudem wird an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Kreisverwaltung intensiv gearbeitet: "Um Müttern die Arbeit in der Kreisverwaltung zu erleichtern, hat die Verwaltung zum Beispiel Plätze für Kinder in der Kinderkrippe Nestwärme als Betriebskita zur Verfügung gestellt", so Bosch. Extra Unter "Gender Budgeting" (englisch: Geschlechter-Budgetierung) versteht man eine Regel, die zu einer Geschlechtergerechtigkeit in der Haushaltspolitik der Stadt führen soll. Es bedeutet, dass die finanziellen Mittel der Stadt in allen Bereichen (etwa kulturelle Angebote oder Sportanlagen) Männern und Frauen gleichermaßen zugute kommen müssen. (slg)