Schmit-Z feiert am Samstag die Vielfalt mit großer Gala in der Europahalle

Queer : Schmit-Z feiert am Samstag 25 Jahre Kampf für die Vielfalt in der Europahalle

Für schwule, lesbische, intersexuelle und transgeschlechtliche Menschen hat sich seit der Vereinsgründung vor 25 Jahren viel getan. Leiter Alex Rollinger sagt kurz vor der großen Gala, was jetzt passieren muss.

Ein kleines Kulturzentrum, ein offener Ort der Vielfalt – so bezeichnet Leiter Alex Rollinger den Verein Schmit-Z in Trier. Es handelt sich um ein queeres Zentrum, also einen Ort, an dem sich unter anderem schwule, lesbische, intersexuelle oder transgeschlechtliche Menschen (siehe Info) treffen, austauschen und beraten lassen können. „Wir sind offen für alle Arten von Lebensformen“, sagt Alex Rollinger, der Leiter des Vereins.

All das fing vor 25 Jahren an. „Damals haben sich schon regelmäßig Gruppen und Stammtische getroffen, um unter Gleichgesinnten zu sein und auch um neue Leute kennenzulernen“, so Rollinger. „Irgendwann gab es dann die Idee, sich eigene Räumlichkeiten zu suchen, damit es eine feste Anlaufstelle gibt.“

Gesagt, getan: Mit einem kleinen ehemaligen Lokal in der Maximinstraße war schnell ein geeigneter Ort gefunden. Zum Anmieten musste nun nur noch ein Verein her: die Geburtsstunde von Schmit-Z. 25 Gründungsmitglieder hat der Verein, die Gründungsurkunde hängt im heutigen Büro in der Mustorstraße 4.

Bis aus dem Verein wurde, was er heute ist, passierte einiges: 1996 wurde die erste hauptamtliche Stelle geschaffen und Alex Rollinger gab seinen bisherigen Job als Erzieher auf, um Leiter des Zentrums zu werden. Zunächst war der Verein hauptsächlich Anlaufstelle für Schwule, im Jahr 2005 gab es eine neue Satzung und Schmit-Z wurde ein schwul-lesbisches Zentrum. „Und seit 2018 sind wir laut Satzung jetzt ein queeres Zentrum, da wir alle Gruppen ansprechen wollen.“

Regenbogenfamilien In letzter Zeit haben sich aus der Sicht des Leiters neben der Ehe für alle, die in Deutschland seit rund einem Jahr möglich ist, viele Dinge geändert. „Ein gutes Beispiel sind da die Regenbogenfamilien.“ Damit sind Familien gemeint, die zum Beispiel aus einem schwulen oder lesbischen Pärchen mit einem oder mehreren Kindern bestehen. Es gibt auch Familien, bei denen einer von beiden transgeschlechtlich ist und vor der Geschlechtsumwandlung ein Kind gezeugt wurde. Außerdem gibt es die Möglichkeit der Adoption oder der künstlichen Befruchtung. „Wenn ich mir vorstelle, dass da mittlerweile kleine Kinder aus Regenbogenfamilien rumkrabbeln, das finde ich total schön“, sagt Rollinger.

Seit 2009 ist Rollingers Kollege Vincent Maron mit in dem Verein dabei, seit 2013 sogar fest angestellt, es ist die zweite hauptamtliche Stelle, die in dem Verein geschaffen wurde. Maron ist ein Transmann, er wurde also mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren, fühlt sich aber als Mann.

Große Angebotspallette Der Verein hat über die Jahre zahlreiche Angebote für alle Altersklassen und deren Bedürfnisse entwickelt (siehe Infobox). Von einer Theatergruppe über Yoga und Selbstverteidigung, bis hin zu Beratungssprechstunden, einem Schulprojekt und einem Jugendtreff. In dem Schulprojekt, genannt „Schlau“, wird an Schulen über die verschiedenen Arten von sexuellen Identitäten und Orientierungen gesprochen, bezüglich Diskriminierung sensibilisiert und über das Outen gesprochen. Die sogenannten Teamer, die für Schlau an die Schulen gehen, berichten dabei meist, wie sie selbst mit dem eigenen Coming-out umgegangen sind.

Auch Eltern mit ihren Kindern kommen in die Sprechstunden von Schmit-Z. „Das jüngste war zehn Jahre alt“, sagt Maron. Es handelt sich dabei unter anderem um Kinder, die sich bereits vor der Pubertät mit einem anderen Geschlecht identifizieren, als das, was sie laut ihrer biologischen Merkmale haben. Das Hauptklientel sei allerdings zwischen 18 und 30 Jahren, so Maron und Rollinger.

Auch Flüchtlinge können in das Schmit-Z-Büro kommen: „Viele werden aufgrund ihrer sexuellen Identität oder Orientierung in ihrer Heimat verfolgt. Wir beraten sie hier und geben ihnen einen Ort, an dem sie sie selbst sein können.“ Zählt man alle ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins zusammen, komme man locker auf über 50, sagt der Vereinsleiter Rollinger.

Und nicht nur in Trier hat der Verein bereits einiges bewegt. Der erste Christopher Street Day (CSD), ein Gedenk- und Demonstrationstag für die LBGT-Community (Deutsch: Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender), fand 2003 in Trier statt, andere Städte wie Koblenz und Mainz zogen nach. Über 50 Jugendliche kamen außerdem dieses Jahr zu den Coming-out-Tagen des Vereins. Auch zum Beispiel mit der Trierer Aids-Hilfe oder dem Exhaus arbeitet der Verein häufig zusammen.

Gala in der Europahalle Nach 25 Jahren hat sich der Verein nun dieses Jahr in das Nachbarhaus erweitert und Renovierungsarbeiten durchgeführt. Für das bisherige Haus gab es eine neue Eingangstür und auch innen wurden teilweise Böden und Einrichtung erneuert. Seit Freitag sind sie fertig. Am 27. Oktober feiert Schmit-Z in der Europahalle eine Gala anlässlich des Jubiläums (der TV berichtete). Unter anderem wird die deutschlandweit bekannte Band Glasperlenspiel dort auftreten.

Rollinger ist im Großen und Ganzen zufrieden mit der Entwicklung des Umgangs mit den verschiedenen sexuellen Orientierungen: „Es ist sehr viel passiert in den letzten Jahren, die Toleranz der Gesellschaft gegenüber homosexuellen oder transgeschlechtlichen Menschen steigt schon sichtbar. Allerdings muss man sich hier und da doch noch verteidigen. Es wäre schön, wenn das nicht mehr so wäre, und diese Dinge einfach als ganz normal angesehen werden – denn das sind sie ja auch.“

Karten für die Gala in der Trierer Europahalle gibt es im Schmit-Z-Büro in der Mustorstraße 4 (15 bis 19 Uhr dienstags und donnerstags) oder bei Ticket Regional. Showbeginn ist 19 Uhr, davor gibt es einen Sektempfang. Der Verein bittet um festliche Kleidung.

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