1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Schneidern zwischen Tradition und Moderne

Schneidern zwischen Tradition und Moderne

Die 20-jährige Kathrin Hegner aus Waldrach passt in ihrer Freizeit die Trachtenmode aus Omas Zeiten dem modernen Stil der Gegenwart an. Ihr Ziel ist es, für jeden Ruwertaler Wein eine eigene Tracht zu entwerfen, die zu Festen getragen werden kann.

Waldrach. Ein besonderes Hobby hat Kathrin Hegner aus Waldrach. Die 20-Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Bereits in der Grundschule versuchte sie sich heimlich an der Nähmaschine von Oma Gabi und Mama Marita. Am Gymnasium belegte sie das Fach "Textiles Gestalten" und entschied sich als besondere Lernleistung (BLL) über das Thema "Ein Dirndl lebt zwischen Tradition und Moderne" zu schreiben. Diese Arbeit musste sie zum Ende der zwölften Klasse abgeben und während dieser Zeit entstanden zwei selbstgenähte Dirndl. Von Mitschülern bekam sie deshalb liebevoll den Beinamen "Dirndlmädchen".
Riesling-Tracht im Sinn


Die Idee, sich mit Trachtenmode näher auseinanderzusetzten, kam ihr im Urlaub beim Besuch eines Trachtenladens. Sie wollte über einen Vergleich von Tracht und Dirndl schreiben. Tracht bedeutet "was getragen wird" und wird für traditionelle und historische Kleidung verwendet. Die Tracht ist die althergebrachte Kleiderordnung einer bestimmten Region, eines Standes oder einzelner Bevölkerungs- und Berufsgruppen. "Das Dirndl ist eine Verkleinerungsform von Dirn", sagt sie. "So bezeichnete man junge Mädchen, und bis Mitte des letzten Jahrhunderts war es die gebräuchlichste Bezeichnung für Magd. Speziell junge Frauen niederen Standes, insbesondere in der Haus- und Landwirtschaft, trugen das Dirndlgewand." Mit zahlreichen modischen Abwandlungen ist es heute auf vielen Festen zu finden. Typisch ist es für das Münchner Oktoberfest, Süddeutschland und einige Alpenregionen.
Die junge Waldracherin hat es sich zum Ziel gesetzt, die alte Winzertracht neu zu beleben. Die Idee kam ihr eigentlich beim Blick in den Spiegel mit der Frage, was ziehe ich an? "Zu den Weinfesten, den offenen Kellern oder beim Bedienen auf einem Winzerhof gehört für mich die klassische Tracht", bemerkt Hegner. "Ich würde dies auch bei den Weinköniginnen sehr schön finden, denn ein Ballkleid stellt keinen besonderen Bezug zum Wein dar." Beruflich habe sie sich zwar für eine andere Richtung, die Krankenpflege entschieden, da sie keine halben Sachen machen möchte. Denn eine Chance im Modedesign zu bekommen und berühmt zu werden, ist sehr schwer. Bei ihren Modellen setzt sie hochwertige Stoffe ein und wandelt die Farben, jedoch ohne die alte Tracht aus den Augen zu verlieren. Kathrin Hegners Ziel ist es, einmal eine Riesling-Tracht zu präsentieren.