Schockanruf: Polizei stellt mutmaßlichen Komplizen

Schockanruf: Polizei stellt mutmaßlichen Komplizen

Der Trierer Polizei ist ein sehr seltener Fahndungserfolg gelungen. Die Ermittler haben den mutmaßlichen Komplizen eines sogenannten Schockanrufers gefasst, der am Dienstag von einer 18-Jährigen Geld gefordert hatte.

Trier. Das Telefon klingelt in der Trierer Wohnung einer jungen Frau. Die Deutsche mit osteuropäischen Wurzeln nimmt ab. Die Anruferin gibt sich als die Mutter der 18-Jährigen aus und schildert mit verstellter Stimme in dramatischen Worten, sie habe einen Verkehrsunfall mit einem verletzten Kind verursacht. Dann reicht sie den Hörer an ihren angeblichen Rechtsanwalt weiter.
Scheine oder Gefängnis


Der Mann erklärt der besorgten Tochter auf Russisch eindringlich, ihre Mutter müsse ins Gefängnis, wenn sie nicht sofort eine bestimmte Summe übergebe. Die eingeschüchterte Tochter glaubt dem Anrufer zunächst und sucht schon Geld heraus. Doch als sie am Telefon eine Nachfrage stellt, die der Anrufer nicht beantworten kann, legt er plötzlich auf. Der jungen Frau wird klar, dass es sich um einen Betrüger handelt.
Beim Blick aus dem Fenster sieht sie einen Mann, der offenbar vor dem Haus darauf spekuliert hat, das Geld in Empfang nehmen zu können. Es scheint ein Komplize des Anrufers zu sein. Als das Telefonat endet, steigt der Mann sofort in ein Taxi ein, dessen ahnungslose Fahrerin auf ihn gewartet hat. Geistesgegenwärtig merkt sich die 18-Jährige das Autokennzeichen und informiert die Polizei.
Die Ermittler nehmen Kontakt zum Taxiunternehmen auf. Die Taxifahrerin hat ihren Fahrgast zwar inzwischen abgesetzt, gibt der Polizei aber den entscheidenden Hinweis, wo sie den Gesuchten finden kann.
Nach der Festnahme noch am Dienstag erhärtet sich der Verdacht, dass es sich um einen Komplizen des nach wie vor unbekannten Schockanrufers handelt. Der 44-Jährige stammt aus Litauen. Am späten Mittwochnachmittag erlässt eine Ermittlungsrichterin Haftbefehl gegen ihn.
Seit Wochen und Monaten verzeichnet die Polizei in der Region immer wieder Varianten des sogenannten Enkeltricks (der TV berichtete). Allein am Dienstag meldeten Bürger zwei weitere Schockanrufe. Polizei-Pressesprecherin Sabine Bamberg warnt: "Nach dieser Masche gehen viele Betrüger vor. Die Anrufer sprechen oft in einer osteuropäischen Sprache oder mit Akzent. Die Opfer sind oft Senioren. Der aktuelle Fall zeigt aber, dass auch junge Menschen betroffen sein können."
In der Regel üben die Anrufer massiven Druck aus. Sie bestehen darauf, dass die Angerufenen nicht auflegen, bis sie sich zur Zahlung bereit erklärt haben. "Die Betrüger spielen mit der Angst der Menschen", sagt Bamberg. Sie lobt die 18-Jährige für ihre schnelle Reaktion, sich das Nummernschild zu merken, und die Taxifahrerin für die Aufklärungshilfe.
Meist bleiben die Täter unerkannt. Im Juli 2012 brachten Betrüger eine 79-jährige Triererin dazu, 35 000 Euro an einen Boten zu übergeben. Ebenfalls im Juli erging Haftbefehl gegen zwei 18-Jährige, die bei einer Geldübergabe in Daun ertappt wurden. Im aktuellen Fall hofft die Polizei, über den verhafteten Komplizen auch an den Anrufer selbst heranzukommen.Extra

Die Polizei befürchtet, dass Telefonbetrüger weiterhin in unserer Region aktiv sein werden, und warnt vor deren Machenschaften: Gehen Sie keinesfalls auf telefonische Geldforderungen oder noch so inständige Bitten ein. Rufen Sie den echten Angehörigen zurück, um die Echtheit des Anrufers abzuklären. Reden Sie mit Menschen Ihres Vertrauens über den Anruf. Melden Sie einen solchen Anruf direkt über den Polizeinotruf 110. Eine ausführliche Beschreibung der Betrugsmasche und weitere Tipps finden Sie im Internet auf der Seite www.polizei-rlp.de , Menüpunkt Presse und Aktuelles, Schwerpunktthema. red

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