Schöndorfer Straße in Trier soll Einbahnstraße werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtentwicklung : Schöndorfer Straße in Trier soll Einbahnstraße werden

Über eine neue Einbahnstraßenregelung im Paulinviertel diskutiert der Ortsbeirat Trier-Nord am Mittwoch. Ziel ist es, den Ausweichverkehr einzudämmen. Ortsvorsteher Dirk Löwe hat dem TV die betroffenen Straßen gezeigt und erklärt, was sich dort ändern könnte.

„Ein ortskundiger Autofahrer weiß genau, wie er die Ampeln auf den Hauptverkehrsachsen Paulinstraße und In der Reichsabtei umgehen kann, um schneller vom Verteilerkreis zur Porta zu kommen“, sagt Dirk Löwe, Ortsvorsteher in Trier-Nord (Grüne), als er am kalten Montagmorgen durch das Paulinviertel in Trier-Nord führt. Die Anwohner störe dieser sogenannte Schleichverkehr. Es geht im Kern um Sicherheit, Übersichtlichkeit, Luft und Lärm.

Das Problem zeigt sich exemplarisch an der südlichen Schöndorfer Straße – der Abschnitt zwischen Thebäerstraße und In der Reichsabtei. „Autos weichen hier oft auf den tiefliegenden Gehsteig aus, denn für den beidseitigen Verkehr ist die Straße viel zu eng“, sagt Löwe. Zudem liegt die Bischöfliche Förderschule St. Josef an der Straße, Schulkinder steigen laut Löwe in Kleinbusse ein und aus und auf beiden Fahrseiten dürfen Autos teilweise parken.

Mögliche Einbahnstraßenregelung in Trier-Nord. Foto: TV/Schramm, Johannes

Löwe möchte nun im ganzen Viertel durch strategisch gelegte verkehrsberuhigte Einbahnstraßen das Schleichen des Ausweichverkehrs erschweren. Er selbst ist kein Stadtplaner, sondern gelernter Pädagoge. Deshalb lässt sich der Ortsbeirat am Mittwoch erst einmal von einem Experten der Stadt beraten, um zu erfahren, was möglich und realistisch ist. Der geladene Experte vom Stadtplanungsamt, Wilko Kannenberg, hat schon 2004 – damals als in einem privaten Büro angestellter Stadtplaner und auf Anfrage einer Anwohnerinitiative – ein Konzept für das Paulinviertel erstellt. Er kennt die Situation und wird in der Sitzung zur Beantwortung von Fragen und Anmerkungen zu dem damaligen Konzept zur Verfügung stehen. Auch soll er eine aktuelle Einschätzung seitens der Verwaltung geben können und mit dem Ortsbeirat neue Ideen diskutieren.

Die Stadt weist darauf hin, dass bei dem vorliegenden alten Konzept der Fokus auf der Entlastung der südlichen Schöndorfer Straße lag. Es stelle sich zunächst die Frage, ob diese Sichtweise auch der sonstigen Quartiersbewohner und der des Ortsbeirates entspreche. Sobald sich der Ortsbeirat bezüglich des weiter zu verfolgenden Konzepts konkret positioniert habe, würden die Vorschläge in allen relevanten Ämtern der Stadt zu prüfen sein, also im Stadtplanungsamt, beim Tiefbauamt, in der Straßenverkehrsbehörde und beim Grünflächenamt. Erst auf dieser Basis könne ein abschließendes Konzept erarbeitet werden.

Ein paar Ideen des alten Konzepts beschreibt Dirk Löwe: Die südliche Schöndorfer Straße könnte man in Zukunft zum Beispiel nur noch in eine Richtung – nach Osten – befahren. Es handelt sich dabei nur um einen Teil der Schöndorfer Straße. Weiter in beide Richtungen befahrbar soll der Teil bleiben, der als Hauptverkehrsstraße zwischen „In der Reichsabtei“ und Franz-Georg-Straße/Wasserweg liegt. Als Alternative gen Westen könnte man dann die noch südlicher liegende breitere Moltkestraße nutzen. Diese ist derzeit Einbahnstraße in Richtung Osten und könnte in Zukunft umgekehrt verlaufen (siehe Grafik). Dort sei das Schleichen nicht mehr attraktiv und das Verkehrsaufkommen würde sich beim Richtungswechsel nicht verstärken, meint Löwe.

Bei der Umgestaltung der südlichen Schöndorfer Straße könnte nur noch auf einer Seite geparkt werden. Auf der anderen könnten Bäume gepflanzt werden, zumindest aber brauche es metallene Abgrenzungen oder Pfähle, die den Gehweg sichern. Im Zuge dessen könnte die Straße mit ihren vielen Schlaglöchern auch saniert werden.

„Weil die Verkehrsführung an der Kreuzung Moltkestraße/In der Reichsabtei so komplex ist und man auch neue Ampeln bräuchte, ist uns wichtig, die Stadtplanung miteinzubeziehen“, so Löwe. Im Ortsbeirat möchte er erst einmal mit den anderen Parteien zusammen eine einvernehmliche Lösung für die Anwohner des Viertels finden. „Wir wollen einen Antrag hervorbringen, der wirklich eine Chance hat, im Stadtrat Zustimmung zu finden.“

Löwes langfristiger Wunsch wäre es, irgendwann auch die Paulinstraße in die Verkehrsberuhigung miteinzubeziehen, sodass auch dort nur noch 30 km/h gefahren wird. Ein Fahrradweg könnte in die Engelstraße verlagert werden. In den Einbahnstraßen des Viertels dürften Fahrradfahrer auch gegenläufig radeln. Die Chance, alles umzusetzen, sieht er derzeit allerdings noch als gering an.

Nach der Konzeptvorstellung am Mittwoch plant Dirk Löwe eine Einwohnerfragestunde, um die Anwohner einzubinden. Bisher weiß er von wenigen Gegnern der Verkehrsberuhigung im Viertel. Die einzige Befürchtung, die er schon von Anwohnern gehört habe, sei, dass die Autos in einer Einbahnstraße schneller rasen, als wenn sie mit Gegenverkehr rechnen. Dem könne man aber mit Bodenerhebungen oder versetzten Bäumen entgegenwirken.