"Schreiben ist eine Lebenserfahrung"

"Schreiben ist eine Lebenserfahrung"

Der Weinliebhaber und ehemalige Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Trier, Rolf Ersfeld, hat seinen ersten Roman geschrieben. In der Geschichte, die in der Nachkriegszeit spielt, werden Orte aus dem Raum Trier und bekannte Weingüter der Region erwähnt.

Trier. Mit den "Winterbirnen" hat alles begonnen. Im ersten Roman von Rolf Ersfeld steht die spätreife Frucht, die sich Joe, Ben und Luisa als Kinder zur Nachkriegszeit teilen, für den Anfang einer lebenslangen Freundschaft. Für den Autor ist das Aufschreiben dieser Geschichte die Erfüllung eines langgehegten Wunsches. "Die Idee, irgendwann einmal einen Roman zu schreiben, war immer da", sagt Rolf Ersfeld.
Menschen ganz nah


Als Jugendlicher brachte er zunächst Kurzgeschichten zu Papier, als Geschäftsführer der IHK Trier schrieb er wirtschaftsrechtliche Kommentare und Fachglossen. 30 Jahre lang kümmerte sich Ersfeld - Jahrgang 1945 - vor allem um werbe- und firmenrechtliche Angelegenheiten. "Im Handel war ich bekannt wie ein bunter Hund. Ich habe mit jedem Geschäft und jedem Autohaus persönlich gesprochen. Diese Nähe zu den Menschen vor Ort habe ich immer als besonders wertvoll empfunden", berichtet Ersfeld, der auch Gründer eines privaten Raritäten-Weinkreises ist.
Nachdem er im September 2010 der Geschäftswelt den Rücken gekehrt hatte, blieb endlich Zeit, "etwas Größeres" zu schreiben. Die Vielfalt der Möglichkeiten, die sich plötzlich bot, war dem engen Rahmen wirtschaftsrechtlicher Normen, in dem er sich jahrzehntelang bewegen musste, völlig entgegengesetzt. "Es war eine spannende Erfahrung, die Macht über die unterschiedlichsten Charaktere zu haben und sie lieben oder hassen, siegen oder verlieren zu lassen", erzählt Ersfeld.
Erinnerungen an eigene Kindheit


Die Geschichte und die Charaktere sind zwar fiktiv, dennoch spielen auch eigene Kindheitserinnerungen eine Rolle. Die Liebe des Autors zur klassischen Musik und zum Wein findet sich im Buch wieder. Der Leser trifft zum einen auf bekannte Weingüter wie den Karthäuserhof in Trier-Eitelsbach, J. J. Prüm in Wehlen oder Fritz Haag in Brauneberg. Zum anderen kommen auch berühmte Stätten der Stadt Trier vor. Beispielsweise besuchen die Protagonisten zu Beginn der 1950er Jahre die Heilig-Rock-Ausstellung im Trierer Dom.
"Schreiben ist, wie auch das Weintrinken, eine kreative und meditative Angelegenheit", findet Ersfeld. Trotzdem waren Selbstzweifel während des Schreibprozesses und danach bei ihm keine Seltenheit. Ein wenig Glück war dabei, erzählt er, als sich schon beim ersten Anlauf der passende Verlag für die Veröffentlichung seines Erstlingswerks fand.
Die "Winterbirnen" sind gerade erst erschienen - und schon arbeitet der frischgebackene Roman-Autor an seinem zweiten Werk. Es soll wieder eine Roman werden. "Schreiben ist eine neue Lebenserfahrung, und das Verhältnis zu den literarisch geborenen Menschen ist ein ganz besonderes", schwärmt Ersfeld.

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