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TRIER: Schrott-Velo feiert „Jahrgedächtnis“

TRIER : Schrott-Velo feiert „Jahrgedächtnis“

Seit einem Jahr gammelt ein kaputtes Fahrrad in bester Trierer Lage vor sich hin. Mehrfach haben sich Anwohner an die Stadt gewandt – ohne Erfolg. Eine neue Vorgehensweise soll das Problem, das es an vielen Stellen in der Stadt gibt, nun lösen.

Wolfgang Weil versteht die Welt nicht mehr: Seit mehr als einem Jahr steht ein schrottreifes Fahrrad an dem Laternenmast vor seiner Praxis in der Glockenstraße/Ecke Simeonstraße, wie er erzählt – und nichts passiere. Vom Besitzer keine Spur. Vielleicht aus Trier weggezogen, vermutet der Psychologe. Trotz Plattfußes, verbogenen Rahmens und weiterer offensichtlicher Mängel erfreue sich das Schrott-Velo immer noch seines Daseins in der City. Das „Wertvollste“ an dem Rad sei wahrscheinlich das Schloss, mit dem es befestigt sei, vermutet Weil. Bereits vier Mal habe er sich an die Trierer Stadtverwaltung gewandt, schriftlich, mit Fotos und der Bitte, sich des Abfalls doch anzunehmen. Weil konstatiert: „Ohne Erfolg.“

Geschäftsleute aus der Nachbarschaft, die Angestellten bei Villeroy & Boch zum Beispiel und der Besitzer von Schlemmerland auf der gegenüberliegenden Straßenseite, schlagen in die gleiche Kerbe: Nur Untätigkeit sei zu vermelden, trotz Mehrfach-Meldungen an das Rathaus. „Schon ewig und drei Tage“ befinde sich das marode Rad an dem Laternenmast, bestätigen zwei Verkäuferinnen. Komme die Müllabfuhr, gingen die Arbeiter schön um das Gefährt herum.

Wolfgang Weil fühlt sich nicht ernst genommen von der Verwaltung. Neben dem wenig attraktiven Straßenbild ärgert ihn noch etwas anderes: Für Menschen mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen stelle die Radleiche eine Behinderung dar, für Kinder vielleicht sogar eine Gefahr: drahtige Zubehörteile ragten aus dem Rad, die nicht auf den ersten Blick also solche erkannt würden.

Bei der Stadt Trier verspricht man indes eine Lösung: Die Verwaltung werde an den maroden Drahteseln in der Stadt künftig Banderolen anbringen mit der unmissverständlichen Aufforderung an die Fahrrad-Besitzer, die Gefährte binnen vier Wochen zu entfernen, sagt Ernst Mettlach vom Presseamt der Stadt. Andernfalls werde die Verwaltung tätig.

Dass sich Bürger über die Abstell-Räder ärgerten, könne er sehr gut verstehen. Doch die Verwaltung könne nicht mir nichts, dir nichts tätig werden, wirbt der Sprecher um Verständnis. Die Räder stünden unter dem „sogenannten Eigentumsvorbehalt“. Da könne der Verwaltung schnell eine Anzeige wegen Sachbeschädigung drohen oder die Wegnahme als Diebstahl ausgelegt werden. Anders als bei Fahrrädern könne die Behörde bei anderen Schrottfahrzeugen wie Autos schneller handeln, erklärt Mettlach. Anhand der Fahrgestell-Nummer sei es leicht, den Eigentümer zu ermitteln. Für Fahrräder gilt dagegen keine Registrierungspflicht.