Schrotthändler demonstrieren am Freitag mit 80-LKW-Konvoi in Trier

Ärger über neue Regelung : Heute große Demo mit 80 LKW in Trier - Ab 9 Uhr drohen Staus

Auf den Trierer Straßen wird es heute ab 9 Uhr eng. Unternehmer und Angestellte der Verwertungsbranche aus der Region sehen ihre Existenz durch eine neue Regelung bedroht und wollen Druck machen. Auch für die Verbraucher habe sich die Lage verschlechtert, sagen sie.

Stirbt die Branche der Schrotthändler bald aus? Das befürchten die Unternehmer aus Trier und dem Kreis, die bis vor kurzem alte Waschmaschinen, Föhns und Toaster am Straßenrand abholten und an Schrottplätze verkauften. Rund 600 solcher Schrotthändler soll es in der Region geben. Am Freitag rollen viele von ihnen mit einem Lasterkonvoi durch den Trierer Alleenring und andere wichtige Straßen, um Druck zu machen (siehe Info). Die Teilnehmer sollen laut Veranstalter mit 80 LKW mitfahren. Auch Demonstranten aus Mönchengladbach haben sich angekündigt, dort hatten im Oktober bereits 200 Schrotthändler demonstriert.

Eric Frankreiter betreibt einen Schrotthandel in Greimerath und hat die Demonstration gemeinsam mit seiner Schwester angemeldet. Er sagt: „Früher konnten wir gut von unserer Arbeit leben – heute sind wir froh, wenn wir die Lohnkosten gerade so abdecken können.“ Seit 2005 das bundesweit geltende Elektro- und Elektronikgerätegesetz in Kraft trat, hat sich einiges geändert. Im aktuellen Gesetzestext steht: „Die Erfassung von Altgeräten aus privaten Haushalten darf nur von öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern (...) vorgenommen werden.“ Es sei denn, Gerätehersteller, Vertreiber oder öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger wie der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) beauftragen private Schrotthändler damit.

Frankreiter sagt: „Bislang galt eine Art Schonfrist, aber seit dem 1. Januar 2019 dürfen wir definitiv keine Haushaltsgeräte mehr abholen und an Schrottplätze verkaufen.“ Rund 70 Prozent weniger Gewinn bedeute das für ihn. Etwas Geld verdiene er noch mit dem Abtransport von Holz, Bauschutt und anderen Materialien, aber zum Leben reiche das auf Dauer wohl nicht.

Auch Hans Peter Hutmacher, der einen Schrotthandel in Trier-Nord führt, empört sich auch über die Regelung, die seinen Betrieb gefährde. Zudem belasteten immer häufigere und längere Kontrollen der Polizei und der unteren Umweltbehörde seine tägliche Arbeit. Die Polizei bestätigte regelmäßige Kontrollen, konnte aber nicht sagen, ob sie zugenommen haben.

Hutmacher demonstriert am Freitag mit seinen Angestellten mit. Er sagt: „Das Gesetz schadet auch den Verbrauchern. Sie können ihre alten Geräte nicht mehr einfach an die Straße stellen, sondern müssen sie selbst entsorgen oder für Geld von der ART abholen lassen.“

Schrotthändler Peter Hutmacher und sein Sohn Miguel demonstrieren am Freitag im LKW-Konvoi. Sie sagen, ihre Branche sei in Gefahr. Foto: Friedemann Vetter

Die ART berechnet für die Abholung einer alten Waschmaschine oder anderer großer Geräte nach eigenen Angaben 20 Euro (Weiteres: siehe Infobox). Die Aufgabe der ART ist hier lediglich zu sammeln. Auf Kosten der Hersteller veranlasst dann die bundesweit tätige Stiftung Elektro-Altgeräte-Register (EAR) einen Abtransport von den ART-Sammelstellen. In einer sogenannten Anlage zur Erstbehandlung werden die Geräte entweder zur Wiederverwendung vorbereitet oder von Schad­stoffen befreit und nach Wertstoffen getrennt. Ziel des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes ist laut Umweltbundesamt, „Gesundheit und Umwelt vor schädlichen Substanzen aus Elektro- und Elektronikgeräten zu schützen“. Dazu soll die Entsorgung strenger kontrolliert werden. Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung regt auf Nachfrage an, dass öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger wie die ART „ortsansässige Schrotthändler in die Sammlung von Altelektronikgeräten einbinden“.

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