Schüler gehen über Leichen

TRIER. Zum "Tag des offenen Denkmals" öffneten viele historische Bauten und Denkmäler in Rheinland-Pfalz ihre Pforten. Besucher konnten so Gebäude besichtigen, die sonst für Publikum verschlossen bleiben.

Dunkel ist es, kalt und muffig. Das Licht unzähliger Kerzen flackert an den Wänden, von denen der Putz abbröckelt. Gespannt sammelt sich eine Schar Neugieriger um Sven Mehlhorn. Der Referendar führt die Besuchergruppe durch die Gewölbekeller des Max-Planck-Gymnasiums (MPG). Zum 13. "Tag des offenen Denkmals" öffnete die Trierer Schule, wie zahlreiche andere historische Bauten und Denkmälerm ihre Pforten. Dass Schule nicht langweilig ist, merkte spätestens, wer Mehlhorn durch die eiserne Gittertür in den Schulhof folgte. "Wir laufen hier über Leichen", meint der angehende Lehrer augenzwinkernd und erklärte, dass dort, wo heute Schüler in den Pausen herumtoben, beim Bau der Schule zahlreiche alte Gräber entdeckt wurden. Nicht weniger spannend der hohe Speicher des Gebäudes. Wohin sich sonst kaum Lehrer oder Schüler verirren, staunen die Besucher über die kühne, hoch aufragende Konstruktion des Dachstuhls. Die prunkvolle Aula mit der bekannten alten Klais-Orgel beeindruckt genauso wie das Kriegerdenkmal im ersten Stock des Gebäudes. Unterirdisch geht es unter der Sichelstraße hindurch zur Weinbaudomäne. Die überraschten Besucher finden sich im reichlich bestückten Weinkeller der Weinbaudomäne wieder. Sonst durch ein dickes Tor getrennt, wurde zum Tag des offenen Denkmals sogar dieser Zugang wieder geöffnet. Es könnte sogar das letzte Mal gewesen sein, dass Besucher zu diesem Ausflug Gelegenheit haben werden wird doch die Weinbaudomäne künftig Trier verlassen. So wie das MPG in Trier, erfreuen sich auch die anderen zur Besichtigung geöffneten Denkmäler und Bauten der Region regen Zuspruchs. In Saarburg lockt mitten im Zentrum der Stadt, gleich oberhalb des Wasserfalls, das "Amüseum". Die ehemalige kurfürstliche Mühle beherbergt das städtische Museum.Eine von sieben Glockengießereien

Unter sachkundiger Führung erfahren dort die Besucher Wissenswertes und Spannendes über das traditionelle Saarburger Handwerk. Der Nachbau einer alten Druckerei mit seinem Kernstück, der alten Setzmaschine, lässt bei älteren Technikfreunden das Herz höher schlagen. Gleich nebenan stehen Exponate der Glockengießerei Hausen-Mabilon, die seit 1770 in Saarburg ansässig ist. Sie ist eine von sieben verbliebenen aktiven Glockengießereien in Deutschland. Im Dachgeschoss des historischen Gebäudes befindet sich die Städtische Galerie für Zeitgenössische Kunst. Dort präsentieren sich regelmäßig Wechselausstellungen. Schifffahrtsfreunde begeistern sich an der Ausstellung zur Saarschifffahrt. Nirgends sonst wird so anschaulich demonstriert, wie früher die Produkte der Region über das Wasser transportiert wurden. Auch für weniger bekannte Anlagen der Region ist der "Tag des Offenen Denkmals" eine willkommene Möglichkeit, sich zu präsentieren. So finden beispielsweise auf der im 14. Jahrhundert von Erzbischof und Kurfürst Balduin von Trier erbauten Burg Ramstein bei Kordel Führungen statt. Die Kurtrierische Lehnsburg wurde von den Franzosen 1689 zerstört und wacht seitdem als Ruine oberhalb der Kyll.