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Trier: Schüler schulen Schüler

Trier : Schüler schulen Schüler

Warnungen der Eltern lehnen Jugendliche oft als uncool ab, doch was Gleichaltrige sagen, hat Gewicht: Das macht sich das Projekt Medienscouts zunutze.

Bling, meldet sich der Signalton des Hilfe-Chats. Die Medienscouts Anne-Sophie und Sarah wissen, dass sie nun gefragt sind. Die Schülerin Lina (Name geändert) bittet über die Internetseite der freiwilligen Arbeitsgemeinschaft um Hilfe. Sie möchte wissen, was sich mit der neuen Datenschutzgrundverordnung ab dem 25. Mai beim Nachrichtendienst WhatsApp für sie verändert hat.

Fälle wie diese gehören für Anne-Sophie und Sarah zum Alltag, seit sie zu Medientutorinnen ausgebildet sind. Die Elftklässlerinnen am Angela-Merici-Gymnasium erhielten ihr Abschlusszertifikat vor knapp eineinhalb Jahren. Seither schulen sie ihre Mitschülerinnen zu Themen wie Privatsphäre und Datenschutz, soziale Netzwerke, Hass im Internet (Hate Speech) und Cybermobbing.

2013 hatte sich das Angela-Merici-Gymnasium beim Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz für das Medienscout-Projekt beworben. Heute sind sieben Schülerinnen der Jahrgangsstufen neun bis elf als ausgebildete Tutorinnen tätig und sensibilisieren ihre Altersgenossinnen für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet.

Die Wissensvermittlung durch Gleichaltrige, Peer-Education genannt, basiert auf einem sozialpädagogischen Ansatz, der vorwiegend in der Prävention genutzt wird. Die Medienscouts sind Multiplikatoren, die ihren Mitschülerinnen Informationen auf Augenhöhe vermitteln.

So schützen Sie Ihre Privatsphäre in Whatsapp, Instagram und Snapchat

Sarah ist die Präventionsarbeit mit jüngeren Schülerinnen besonders wichtig. Sie fielen oft leicht zu bedienenden Fun-Apps zum Opfer. Das Risiko, das sie eingehen, wenn sie ihre Daten im Internet preisgeben, sei ihnen nicht bewusst.

Die Schülerin nennt einen konkreten Fall. So lade beispielsweise die Plattform musical.ly ihre „Muser“ (englisch: „Träumer“) ein, Playback-Musikvideos mit kreativen Tanzeinlagen zu erstellen und zu veröffentlichen. Standardmäßig seien nach der Registrierung alle Videos und die damit verbundenen Aufenthaltsorte öffentlich sichtbar, bis Nutzer ihr Konto manuell zu „privat“ änderten. Sarah stuft die App deshalb als besonders risikoreich ein.

Neben der Präventionsarbeit engagieren sich Anne-Sophie und Sarah in der Ausbildung des Medienscout-Nachwuchses. So sammele sie methodische und didaktische Erfahrungen, sagt Anne-Sophie. Außerdem aktualisieren die Schülerinnen regelmäßig ihre eigene Website, auf der sie ihren Alltag als Medienscouts mit Fotos und Kurzberichten dokumentieren und einen anonymen Live-Chat anbieten.

Zu bestimmten Uhrzeiten beantworten sie dort kostenlos Fragen zur Sicherheit im Netz und kümmern sich auch um Probleme wie Cybermobbing. Mit dramatischen Fällen seien sie bisher allerdings nur in der Theorie konfrontiert worden, erzählen Anne-Sophie und Sarah.

Für Lina haben sie schnell eine Lösung gefunden. Im Live-Chat erklären sie, dass Lina dank der Datenschutzgrundverordnung als WhatsApp-Nutzerin nun Auskunft über ihre Daten und deren Löschung verlangen kann, und dass Chatnachrichten weiterhin Ende-zu-Ende-verschlüsselt bleiben.

Lina ist sehr erleichtert und bedankt sich für die schnelle Auskunft. Anne-Sophie und Sarah sind zufrieden mit ihrer Arbeit und planen in einer angeregten Diskussion bereits ihr nächstes Projekt: Mit einer Umfrage unter ihren Mitschülerinnen möchten sie das Medienverhalten in der Schulgemeinschaft analysieren.