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Schülerprojekt an der BBS Wirtschaft in Trier: Eigenes Unternehmen.

Bildung : Schülerprojekt: Eigenes Unternehmen und der Traum von Berlin

Das Trierer Schüler-Unternehmen „Sew-Case“ bietet ab sofort ein neues Produkt an. Eine Zwischenbilanz.

Marja-Lena Schmitt ist die Herrin über die Zahlen. Als Finanzchefin kommt ihr bei der ersten Hauptversammlung natürlich eine besondere Verantwortung zu. Aber die Zwölftklässlerin vom Wirtschaftsgymnasium an der BBS für Wirtschaft in Trier bewegt sich souverän durch Zahlen, Daten und Fakten. Die wichtigste Botschaft an die zahlreich anwesenden Anteilseigner des Schüler-Unternehmens „Sew-Case“: Alle Zahlen sind schwarz, die aktuelle Rendite beläuft sich auf 7,8 Prozent – es läuft rund.

Seit dem Start des Schuljahrs ist „Sew-Case“ am Markt, Schmitt und zwölf weitere Mitschüler nehmen am bundesweiten Junior-Projekt vom Institut der Deutschen Wirtschaft teil, opfern ihre Freizeit, um sich als Unternehmer zu beweisen. Ihr Produkt: Innovative Ordnermappen aus Filz (mittlerweile auch Gummi), dazu Handyhüllen und Schlüsselanhänger – alles in Trier produziert, wahlweise an der Berufsschule für Erziehung, Hauswirtschaft und Sozialwesen oder von angehenden Modedesignern der Hochschule Trier. „Und wir bezahlen Mindestlohn. Faire Bezahlung ist uns wichtig“, sagt Vorstandschefin Laura Traut bei der Hauptversammlung von „Sew-Case“.

Das Thema soziale Verantwortung ist den Schüler-Unternehmer so wichtig geworden, dass sie eine eigene Abteilung für Nachhaltigkeit gegründet haben, ein Euro des Verkaufspreises von 25 Euro wird an die Aktion „Sternenkinder“ gespendet. Zudem gibt es nun Gespräche mit dem Energieanbieter Innogy, ob man die Ordnerhüllen auch mit Solarzellen bestücken kann, um diese dann als Powerbank (Akku) zum Beispiel für Handys verwenden zu können.

80 Ordnerhüllen wurden produziert, dass die hohen Qualitätsanforderungen eingehalten werden, dafür ist die Produktionsabteilung um Nicolas Poss zuständig. „Wir werden das Produkt nach erfolgreicher Markteinführung nun weiterentwickeln“, sagt der Produktionsleiter. Mehr als 500 Stunden ihrer Freizeit haben er und seine Mitstreiter mittlerweile in ihr Unternehmen investiert – dabei herausgekommen ist nun auch ein Onlineshop: Auf der Website  www.sew-case.de können Interessenten die Produkte direkt online bestellen – und sich sogar personalisieren lassen, mit Namensschildern.

42 Ordnerhüllen und 24 Handyhüllen wurden bereits verkauft, die ungefähr gleiche Zahl ist noch auf Lager. Gemeinsam mit der Trierer Agentur Ensch-Media haben die Schüler ihr Logo entwickelt, sind dank Marketingchefin Anna-Lena Schmitt und ihren Kollegen sehr aktiv in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram. Dort gibt es zum Beispiel auch eine Galerie mit Anteilseignern – alle 90 Aktien wurden verkauft, unter anderem an Julia Klöckner, Katarina Barley oder viele Trierer Unternehmer. Ziel ist neben dem wirtschaftlichen Erfolg auch der Junior-Landeswettbewerb Mitte Mai in Mainz. Dort stellen sich die Schüler-Unternehmen mit einem Stand und einer Bühnen-Präsentation den Jurymitgliedern.

„Unser Ziel ist natürlich der Sieg – dann sind wir beim Bundeswettbewerb in Berlin dabei“, sagt Markus Grünen, neben Laura Traut zweiter Sew-Case-Vorstand.

Das dritte Ziel haben die Schüler derweil schon erreicht: „‚Wir haben für unser Berufsleben unglaublich viel gelernt. Kommunikation, Führungskompetenz und Sozialkompetenz sind das A und O in einem Unternehmen“, sagt Grünen.

Ende Juni wird dann endgültig abgerechnet – und mit dem Schuljahr endet dann auch das Schüler-Unternehmen. Dann stehen vor allem die Abschlusszahlen bei der finalen Hauptversammlung im Fokus. Und mehr Kompetenz geht auch für die Kassenprüfung nicht: Denn als ehrenamtliche Rechnungsprüfer haben sich den Schülern die beiden Bankvorstände Norbert Friedrich (Volksbank Trier) und Martin Grünen (Sparkasse Trier) zur Verfügung gestellt.