Schützenswerte Schönheit

Einer der weltweit bekanntesten Weinkritiker und Weinautoren, Stuart Pigott, hat der Mosel per Urkunde das Prädikat "Wein-Weltkulturerbe" verliehen. Er will damit ein Zeichen setzen, denn die Anerkennung des Moseltals als Unesco-Weltkulturerbe lässt weiter auf sich warten.

Ürzig. An solchen Tagen kommt Stuart Pigott ins Schwärmen. Mitten im Ürziger Würzgarten mit Blick ins Moseltal, auf die Steillagen und die Dörfer, ein Glas edlen Mosel-Riesling in der Hand, spricht er von der Schönheit dieser einzigartigen Landschaft, die so unvergleichliche Weine hervorbringt. Pigott ist ein Moselfan. Und das schon seit 25 Jahren, als er als "armer englischer Student" erstmals die Mosel bereiste. Arm ist Pigott längst nicht mehr. Mit seinen Büchern und Wein-Artikeln hat er viel Geld verdient. Und er hat sich in der internationalen Weinkritiker-Szene ganz nach oben geschrieben. Dass es ihm die Mosel besonders angetan hat, bestätigen seine Bücher und Artikel immer wieder eindrucksvoll. Jetzt hat Pigott erneut die Mosel geadelt. Dem Ortsbürgermeister von Ürzig, Arno Simon, überreichte er stellvertretend für die ganze Mosel eine Urkunde mit dem Eindruck: "Stuart Pigott's Wein-Weltkulturerbe wurde zum ersten Mal an D i e M o s e l verliehen." Mit dabei waren Mitglieder der beiden wichtigsten Weingüter-Vereinigungen der Mosel, Großer Ring und Bernkasteler Ring. Pigott sprach von der "doppelten Schönheit" der Mosel, von der Landschaft und dem Wein - genauer gesagt von den grandiosen Riesling-Weinen. Und er lobte die Bemühungen von immer mehr Winzern, solche "grandiosen Gewächse" zu produzieren. Doch Pigott wäre nicht Pigott, würde er nicht gleichzeitig auch kritisieren und mahnen. Dass die verantwortlichen Politiker noch keinen Antrag zur Anerkennung des Moseltals als Unesco-Weltkulturerbe gestellt haben, hält er schlichtweg für eine Katastrophe. Hingegen würden die Politiker einige hundert Millionen Euro aus dem Fenster werfen, um eine riesige Brücke über die Mosel zu bauen. Das wäre genauso, als wenn man über den Kölner Dom einen Betonklotz setzen würde. Pigott: "Das macht mich geradezu rasend." Pigott zählte eine ganze Reihe von Wein-Kulturlandschaften auf, von St. Emilion über das Loiretal, die Tokaj, die Wachau, das Duorotal bis zum Mittelrheintal, die diese Anerkennung bereits erhalten haben. Für Pigott ist die Mosel längst fällig, in die Unesco-Liste aufgenommen zu werden. Pigott: "Die Einmaligkeit der Moselweine und der Landschaft stimmen überein." Meinung Der englische Liebhaber Keine Frage: Stuart Pigott ist ein Meister der Selbstdarstellung. Der exzentrische Engländer, der gerne in schrillen Anzügen auftritt, macht mit der Verleihung seines Wein-Weltkulturerbes an die Mosel auch Werbung in eigener Sache. Warum auch nicht. Pigott zählt zu den profiliertesten Weinkennern. Kein anderer drückt seine Zuneigung für die Mosel und deren Rieslingweine mit einer solchen Leidenschaft aus. Pigott liebt die Mosel. Mit Begeisterung hat er die positive Entwicklung an der Mosel in den vergangenen Jahren registriert und sich darüber immer wieder lobend geäußert. Dass er jetzt selbst der Mosel den Titel "Wein-Weltkulturerbe" verleiht, will er aber nicht allein als persönliche Wertschätzung verstanden wissen. Vielmehr will er auch die Politiker wachrütteln, die sich bislang nicht dazu durchringen konnten, die Anerkennung des Moseltals als Unesco-Weltkulturerbe zu beantragen. w.simon@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund