Schulbuchausleihe: Die einen ärgert’s, die anderen sparen

Trier · Trier (woc) Die Leserreaktionen auf unseren Artikel "Ganz schön teure Lernmittelfreiheit" (TV von Freitag, 4. August) reichen von Lob bis Beschwerde über die Schulbuchausleihe. Auch ein bekannter Trierer Buchhändler übt Kritik an dem Gesetz, dass die ehemalige SPD-Landesregierung 2010 auf den Weg gebracht hat.

Einige Leser möchten nicht, dass ihr Name in der Zeitung steht. Dem TV sind die vollen Namen bekannt:

A. T.: "Meine Erfahrungen mit der kostenlosen Schulbuchausleihe waren sehr positiv. Als meine Tochter ins erste Schuljahr kam, habe ich alle Bücher bekommen inklusive derer, in die auch reingeschrieben wird. Alle waren neu."

Tina Zender (per Facebook): "Bei uns waren manche Bücher in keinem guten Zustand, zum Teil bekritzel mit diversen unschönen Sachen. Seitdem kaufen wir lieber die Bücher."

Simone Schieffer, Trier: "Ich leihe seit Beginn der Schulbuchausleihe für meine beiden Söhne, beide am Humboldt-Gymnasium Trier, die Bücher aus. Es hat bisher alles gut geklappt und man spart schon sehr viel Geld. Arbeitshefte oder Bücher, die viele Jahre genutzt werden - wie Atlas oder Bibel - müssen selbst gekauft werden. Trotzdem ist die Ersparnis sehr deutlich."

Richard Leuckefeld, Trierer Buchhändler und Mitglied der Grünen im Stadtrat: "Nicht nur der Stadtverwaltung, den Schulen und den Eltern macht diese ,Lernmittelfreiheit' Stress, sondern auch dem Buchhandel. So ist dieser gezwungen, dem Land 12 Prozent Rabatt zu gewähren. Anderenfalls erhält er keine Aufträge. Gerade für kleinere Buchhandlungen im ländlichen Bereich war das Schulbuchgeschäft enorm wichtig. Da kamen Kunden in den Laden, die man sonst eher selten sieht. Das eine oder andere Zusatzgeschäft mit Schreibwaren oder Geschenkartikeln wurde getätigt. Nun fehlen diese Kunden, da die Bücher in der Schule ausgehändigt werden. Dieses Gesetz ist ein dicker Sargnagel für den kleinen und mittleren Buchhandel."

R.S.: "Wir haben drei Kinder und nehmen die kostenpflichtige Schulbuchausleihe in Anspruch, da sonst die Kosten in die Höhe schnellen würde. Meiner Meinung nach sollte man die Einkommensgrenzen für die Lernmittelfreiheit deutlich erhöhen. 34 000 Euro brutto mit drei Kindern ist für mich ein absoluter Hohn. Es sind ja nicht nur Schulbücher. Hinzu kommen Materialien, Schulausflüge, Klassenfahrten, Kopierkosten, Fahrtkosten ..."

S.T., Lehrer an einer weiterführenden Schule im Raum Trier: "Für mich ist dieses Ausleihsystem ein einziges Ärgernis. Als Klassenlehrer verbringe ich nicht gerade wenig Zeit damit, die Formalien rund um die Schulbuchausleihe zu organisieren. Dazu kommt, dass andauernd wer aus dem Unterricht rennt, um am Anfang des Jahres seine Bücher zu holen und am Ende des Jahres diese wieder wegzutragen. Komplikationen bei verwechselten, doppelten oder anderweitig falschen Büchern sind die Krönung des Ganzen.
Zudem ergibt sich das Problem, dass die Schüler in der letzten Schulwoche in großen Teilen keine Bücher mehr haben, da diese bereits wieder zurückgegeben worden sind. Dann ist Unterricht nur noch eingeschränkt möglich. Das größte Problem ist jedoch die "Haltbarkeit" der Bücher. Prinzipiell ist es natürlich wünschenswert, wenn Bücher lange verwendbar bleiben. Das mag in manchen Fächern funktionieren, führt aber in anderen dazu, dass die Bücher inhaltlich furchtbar veraltet sind."

Sandra Weber: "Wer sich die Mühe macht, im Internet nach gebrauchten Schulbüchern zu suchen, kann eine Menge Geld sparen. Ich habe ein Schulbuch für zwei Euro gekauft, welches neu über 20 Euro kostet. In Anbetracht der Tatsache, dass die Bücher teilweise nicht viel benutzt werden, langt ein gebrauchtes Buch im guten Zustand allemal. Dort darf ich dann auch Markierungen und Eintragungen vornehmen, wenn es sein muss."

Kerstin Welsch, Olewig: "Wir nehmen von Beginn an und inzwischen mit drei Kindern an der Schulbuchausleihe teil und haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Auch wenn verständlicherweise Arbeitshefte und Bücher, die über mehrere Jahre genutzt werden, selbst angeschafft werden müssen, ist die Ersparnis groß. Die Ausleihe und Rücknahme war immer gut organisiert und die Bücher in einwandfreiem Zustand."

Steffi Weber (per Facebook): "Wir haben dieses Jahr für Schulbücher 433 Euro (ohne Material, das kommt noch dazu) bezahlt. Etwa haben wir 37 Euro für einen Taschenrechner bezahlen müssen. Dann kommen die Ausflüge, der Schüleraustausch, die Klassenfahrten, weiteres Material, das gebraucht wird und so weiter. Seit meine Tochter auf dem Gymnasium ist, mach ich das Portemonnaie gar nicht mehr zu."

Monika Molitor (per Facebook): "Ich zahle pro Kind circa 50 Euro für die Ausleihe und dann nochmal ungefähr das gleiche für die gekauften Bücher. Je nach Schuljahr mehr oder weniger. Früher haben wir viel mehr Geld für Bücher ausgegeben. Schade finde ich nur, wenn die gekauften Arbeitshefte nicht benutzt und stattdessen so viele Kopien gemacht werden."