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Trier: Schule zeigt Stärke gegen Rassismus

Trier : Schule zeigt Stärke gegen Rassismus

Eine bessere Patin hätten sich die Nelson-Mandela-Realschüler aus Trier nicht wünschen können: Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano unterstützt die Initiative mit Erfahrungsberichten aus erster Hand.

Es ist still. Kein Hüsteln. Kein Rascheln. Nur eine kräftige Stimme, klar, bestimmt. Sie redet  und singt an gegen Menschenverachtung, gegen Rassismus, gegen Nazis, gegen Krieg. Esther Bejarano, Jüdin, 1924 als Esther Loewy in Saarlouis geboren, ist eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz. Eine Erfahrung, an die sie sich fast allabendlich erinnert, in Lesungen und in Konzerten. Ihre Mission: die Jugend aufklären über diese schreckliche Zeit, über die Verbrechen, über Unmenschlichkeit und Rassismus. Damit die jungen Menschen den Mund aufmachen, wenn sie Ungerechtigkeiten, Unmenschlichkeiten mitbekommen.

Die 460 Kinder und Jugendlichen  der Nelson-Mandela-Realschule plus in Trier haben das gleiche Anliegen. Sie haben sich dafür entschieden, den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ anzustreben. Mehr als 80 Prozent der Schulgemeinschaft haben dazu ihre Unterschrift geleistet (siehe Info).

Das „Nein“ gegen Rassismus ergibt sich schon aus dem Namen Nelson-Mandela-Realschule plus. „Wir haben uns vor sechs Jahren bewusst für diesen Namen entschieden“, sagt die kommissarische Schulleiterin Laura Wendel. „Wir wollen die Werte des Namensgebers leben.“ Was durchaus Sinn macht, denn die Schüler stammen aus 30 Nationen. Und die wollten wissen: „Warum hören wir so viel Negatives über Ausländer und Asylbewerber? Wir mögen uns hier an der Schule, wir wollen das nicht“, erzählt Kristina Fischer, die das Projekt koordiniert. „Wir Lehrer haben diese Energie genutzt und das Projekt vorgeschlagen.“

Richtig Schwung bekam es, als Bejarano bei ihrem Gastspiel mit ihrer Band Microphone Mafia im November im Mergener Hof sagte, dass sie gerne eine Patenschaft für eine Courage-Schule in Trier übernehmen würde – ihre zweite neben einer Hauptschule in Lüneburg (2003).

Gefeiert  haben Patin und Patenkinder gemeinsam – bei Konzerten mit Lesung in der zweimal voll besetzten Herz-Jesu-Kirche in Trier-Süd. Bejarano liest aus ihrem Buch „Erinnerungen“, erzählt von Verhaftung, Deportation, dem  Leben im KZ, der Hoffnung, im Orchester zu spielen, vom Todesmarsch, von der Flucht. Die jungen Zuhörer, aber auch die Gäste, hängen an ihren Lippen. Die Gräuel aus dem Mund einer Überlebenden zu hören, ist ergreifender als jede Lektüre. Ergreifend auch die Texte der Lieder, modern im Rap vorgetragen. Lieder gegen den Krieg, für die Freiheit, Songs aus den Gettos und den KZs. Musikalisch unterstützt wird Bejarano von der Microphone Mafia, Sohn Joram am Bass und Rapper Kutlu.

Ihr letztes Stück ist ihr Lieblingslied. „Mir lebn ejbig“ – zu Deutsch: „Wir leben trotzdem! Wir sind da.“ Ein gutes Vorbild, denn präsent sein gegen Rassismus, Stärke zeigen, das wollen auch die Trierer Schüler. Bejaranos Engagement findet Fischer „super! Jetzt werden wir weiter gemeinsam arbeiten.“