Schulneubauten in Schweich: Über sieben Treppen musst du gehen

Schulneubauten in Schweich: Über sieben Treppen musst du gehen

Die Berliner Planer, die den ersten Preis beim Architektenwettbewerb für den Neubau des integrativen Schulzentrums in Schweich zuerkannt bekommen haben, haben auch den Zuschlag für die Planung bekommen. Unterdessen hat der Zweckverband, der die Schulen baut und betreibt, ein Enteignungsverfahren gegen fünf Landbesitzer beantragt.

Es passierte alles hinter verschlossenen Türen. Bürger und Presse hatten keinen Zutritt, als sich kürzlich der Verbandsgemeinderat Schweich und der Kreisausschuss in einer gemeinsamen Sitzung auf ein Planungsbüro für das integrative Schulzentrum in Schweich festgelegt haben.
Im Dreieck Bahnhofstraße/Ermesgraben/B 53 sollen zwei Schulen unter einem Dach errichtet werden: die Treverer-Förderschule für motorische Entwicklung und die Grundschule Schweich. Beide Schulen haben an ihren derzeitigen Standorten in Trier-Heiligkreuz und im Wohngebiet Bodenländchen in Schweich keine Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Berliner Planer, die mit ihrem Modell den ersten Platz beim Architektenwettbewerb belegt hatten, haben den Zuschlag für die endgültige Planung der Schulen erhalten. Der Vertrag mit der Bürogemeinschaft Numrich, Albrecht, Klumpp (Bauplanung) und Kubus (Freiraumplanung) soll bald unterschrieben werden. Vertragspartner ist ein Zweckverband. Ihn haben die Schulträger Verbandsgemeinde Schweich und Kreis Trier-Saarburg gegründet mit dem Ziel, die Schulen zu bauen und zu betreiben.Mitbewerber reist nicht an


In der nicht-öffentlichen Ratssitzung präsentierten dem Vernehmen nach nur die beiden Erstplatzierten ihre Planung. Wie es heißt, sei der dritte Preisträger nicht angereist, weil er sich keine Chancen ausrechnete. Dazu muss man wissen, dass das ganze Auswahlprozedere nach den strengen Regeln der Vergabeverordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) abläuft. Der erste Preisträger, das Berliner Büro, hatte bereits nach der Punktevergabe durch die Fach- und Sachjury im Wettbewerb einen nahezu uneinholbaren Vorsprung.
Die Ratsmitglieder konnten zwar auch Punkte vergeben, beurteilen durften sie aber nur die Leistungsfähigkeit der Planungsbüros. Kann es ein solches Projekt planerisch und bei der Bauausführung stemmen? Darum ging es. Nicht darum, welche Planung den Räten am besten gefällt. Wäre darüber abgestimmt worden, hätte der zweite Wettbewerbssieger, eine Planergemeinschaft aus dem Raum Tübingen, möglicherweise die besseren Karten gehabt.
Deren Entwurf orientiert sich am Waldorf-Prinzip: Der Baukörper ist fast durchgehend eingeschossig, kein Kind muss ins Obergeschoss. Die vernetzte Anordnung der Inklusions- sowie Schul- und Förderräume schaffe interessante Frei- und Innenräume, lobte die Jury. Der Entwurf des ersten Preisträgers ist dagegen kompakter, platzsparender. Die Zweigeschossigkeit ist durchgängig; sieben Treppen sind vorgesehen.Leiterin favorisiert Alternative


Christina Steinmetz, Leiterin der Grundschule Schweich, favorisiert die Waldorf-Komponente. Sie sagt: "Der zweitplatzierte Entwurf kommt unserem Konzept des gemeinsamen Unterrichtens von Grundschülern und motorisch beeinträchtigten Kindern der Treverer-Schule entgegen, indem er die räumlichen Bedingungen dafür schafft und sensibel mit dem Thema Inklusion umgeht." Steinmetz setzt jetzt auf Änderungen im Zuge der vorgesehenen Nachverhandlungen mit dem Siegerbüro.alfMeinung

Transparenz geht anders
Heute wird keine Straße und kein Bürgerhaus mehr gebaut, ohne dass die Bevölkerung gehört wird. Transparenz, Offenheit und Bürgernähe sind selbstverständlich geworden. Sollte man meinen. Was das große Schweicher Schulbauprojekt angeht, bei dem immerhin mehr als 30 Millionen Euro öffentliches Geld verbaut werden, muss die Öffentlichkeit tatenlos zugucken. Selbst die Volksvertreter von VG Schweich und Kreis haben nichts zu kamellen. Sie dürfen absegnen, was einige Architekten für gut befunden haben. Böse Zungen behaupten, das kompakte, zweigeschossige Siegermodell sei auch deshalb zum Zuge gekommen, weil es kostengünstiger sei als das raumgreifende, ebenerdige Konkurrenzmodell. Dies habe Landrat Schartz und Bürgermeisterin Horsch, die ebenfalls in der Jury waren, letztlich überzeugt. Ob auch Lehrer, Eltern und Schüler überzeugt sind, wird sich zeigen. Nur leider erst, wenn die Schulen gebaut sind. a.follmann@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund