"Schulspeis" und Schiefertafel

"Schulspeis" und Schiefertafel

TRIER. Artig stehen sie in einer langen Reihe an. Aus dem großen Topf dampft es verlockend... "Schulspeis wie 1946" stand beim Klassentreffen "60 Jahre Einschulung" der Volksschule St. Martin auf dem Plan.

Dieter Schlicker lacht: "In der Suppe sind mehr Würstchen drin, als es damals in ganz Trier gab!" Anno 1946 war die "Schulspeis" offenbar nicht immer sehr wohlschmeckend. "Man war froh, dass man was hatte", sagt Dieter Franke. Und Schlicker ergänzt: "Der Hunger hat's reingetrieben!" Rosemarie Thomas erinnert sich: "Am meisten haben wir uns gefreut, wenn es Kakao und Weißbrot gab. Und manchmal auch Schokolade!" Das Essen kam vom "Schweizer Dörfchen" beim Hochbunker in Trier-Nord. Gespeist wurde in einem Anbau bei der Volksschule St. Paulin, wo die Schüler oft auch unterrichtet wurden. Die Volksschule St. Martin befand sich in der Zurmaienerstraße an der Ecke zur Zimmerstaße, wo sie später der Neugestaltung des Brückenkopfes zum Opfer fiel. "Wenn ein Kind krank war, haben wir ihm mittags das Essenstöpfchen gebracht", erinnert sich Dieter Schlicker. "Hier im Maarviertel lebten sehr arme Leute, oft fünf oder sechs Personen in einem Zimmer." Vor allem die ärmsten Kinder fehlten oft in der Schule: Möglicherweise hatten sie nichts anzuziehen. "Die Schulspeis war für manche das erste Essen", sagt Helga Thömmes.Holzgaloschen und Risse in der Tafel

"Wir hatten keine Schuhe, sondern Holzgaloschen", weiß Rosemarie Thomas. "Da waren Gurte von Rolladen drüber. Gingen sie kaputt, mussten wir barfuß laufen. Gut gelernt haben wir in der Schule trotz allem!" In den beiden Klassen waren jeweils über 50 Kinder. Sonja Franke, die das Klassentreffen mit Resi Bach, Helga Thömmes und Dieter Schlicker organisierte, lacht: "Wir hatten immer kaputte Tafeln. Da waren ganz schnell Risse drin." Griffel gab es für zehn Reichspfennig bei Lehr in der Bruchhausenstraße. "Die alte Frau Lehr gab uns immer nur einen", erinnert sich Dieter Schlicker. "Einmal haben wir uns verkleidet, aber sie schrie: "Du wars' eben schon da, du kris' keinen!" Auch Kriegserinnerungen werden ausgetauscht: Evakuierung, Flucht in den Luftschutzkeller. "Wir kamen hoch, und die Gardinen flatterten: Die Fenster waren weg", berichtet Rosemarie Thomas. 33 frühere Martinsschüler sind der Einladung zum fünften großen Klassentreffen des Jahrgangs gefolgt. Die Stimmung im Pfarrsaal der Martinskirche bei Sektempfang und kräftiger Erbsensuppe ist heiter. Der Tag begann mit einem Gottesdienst in der Krypta, gehalten von Domkapitular Nikolaus Föhr, dem ehemaligen Kaplan in St. Martin. Nach einem Spaziergang durch Zurlauben bis hoch zum Weißhaus erwartet die munteren Martinser ein Büfett im "Postillion", dazu Leckereien von "Christi's Eis Bar." Und zu guter Letzt spielt die "Leiendecker Bloas" auf.