1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Schwarzes Tor und magische Bühne

Schwarzes Tor und magische Bühne

Er schlüpft ständig in andere Rollen und wechselte vor acht Jahren von einem Flussvolk zum anderen: Tim Olrik Stöneberg. Der Schauspieler mit festem Engagement im Trierer Theater liebt es, auf der Bühne und auf dem Dach der Porta Nigra zu stehen. Von seinen beiden Lieblingsplätzen erzählt der 37-jährige gebürtige Kölner in unserer Serie.

S chon als Dreijähriger zog mich die Bühne magisch an. Während eines Konzerts, zu dem mich meine Mutter mitgenommen hatte, entwischte ich ihr. Sie fand mich wieder auf der Bühne, neben der Moderatorin, und ich durfte "Alle meine Entchen" trällern.

Die Faszination Bühne zieht sich durch mein Leben: Im Kinderzirkus habe ich Feuer gespuckt, bin Seil gelaufen und habe den Clown gemacht. Aber bevor ich endgültig zur Schauspielerei kam, drehte ich, wie viele Künstler, eine Schleife. Ich habe ein paar Semester auf Grundschullehramt studiert. Erst als ich wegen eines Beinbruchs viel Zeit zum Nachdenken hatte und ein Kellner den entscheidenden Satz sagte: "Man kann nicht zwei Wassermelonen mit einer Hand tragen!", habe ich mich im Alter von Mitte 20 mit aller Konsequenz an Schauspielschulen beworben. Zum Vorsprechen studierte ich moderne und klassische Rollen, Lieder und Gedichte ein. "Prometheus, gefesselt" werde ich noch als Greis aufsagen können.

Das Verrückte: Ausgerechnet in meiner Heimatstadt Köln erhielt ich die Zusage. Im dritten Ausbildungsjahr, das war 2002, winkte ein festes Engagement am Stadttheater Trier. Seitdem arbeite und lebe ich in dieser beeindruckenden Stadt. Trier ist mittlerweile meine Heimat geworden. Ich mag die Menschen hier, sie sind ebenso ein Flussvolk wie die Kölner. Der Unterschied: Der Trierer ist nicht so oberflächlich. Im Gegensatz zum Kölner ist er am nächsten Tag noch da! Obwohl ich viele Dialekte imitieren kann, gelingt es mir immer noch nicht, trierisch zu sprechen. Wenn die Großstadt rufen würde, müsste sehr, sehr viel Geld dahinter stecken.

Ich liebe die Bühne und Rituale: Vor und nach jedem Auftritt gehe ich zum Bühnenmittelpunkt und lege meine Hand auf den Boden. Die Bühne ist ein unglaublich lebendiger Ort. Da wird geliebt, gestorben, betrogen, getanzt. Wenn man sich auf der Bühne befindet, spürt man diese unglaubliche Kraft dieses emotional geladenen Ortes.

Gefühle zu vermitteln ist das Zentrale, sie untermalen die Texte. Ich arbeite mit viel Vorstellungskraft: Wenn ich mich etwa in einen Mann verlieben muss, stelle ich mir meine Freundin vor. Es ist fantastisch, dass man dort schöne Geschichten, die zum Nachdenken und zur Unterhaltung anregen, erzählen kann. Magie haben auch die Altertümer der Stadt, vor allem die Porta Nigra. Sie ist für Trierer, was für die Kölner ihr Dom ist.

Als Erlebnisführer Gladiator Valerius bin ich häufig in dem erhabenen Gebäude. Hin und wieder gehe ich auch mal aufs Dach. Ein Lieblingsplatz ohnegleichen! Genial! Man sieht den Dom, die Simeonstraße liegt einem zu Füßen, Sankt Paulin, sogar das Theater ist zu sehen. Von da oben fühlt man sich als Teil des Ganzen. Und der geschichtliche Geist von ewigen Jahren ist in jedem Stein spürbar. Es ist wunderbar, die Touristen am Geheimnis der Porta Nigra teilhaben zu lassen.

Aufgezeichnet von Katja Bernardy