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Schweich Jugendpfleger Jugendarbeit

Jugend : Jugendarbeit nur noch mit halber Kraft?

Nach dem Abgang von Stadtjugendpflegerin Isabelle Ziehm soll die Stelle nicht mehr in Vollzeit besetzt werden. Der Jugendverein sieht Handlungsbedarf, nicht nur, was das versprochene Jugendzentrum in Schweich angeht.

Wie geht es weiter mit der Betreuung von Jugendlichen in Schweich? Diese Frage beschäftigt derzeit viele in der Moselstadt. Denn Stadtjugenpflegerin Isabelle Ziehm hat ihre Stelle zum 31. Januar gekündigt. Jetzt lebt sie in Mainz und arbeitet als Jugendpflegerin im Wiesbadener Stadtteil Biebrich. Sie fühle sich wohl in dem neuen Job, sagt die Sozialpädagogin. Sechs Jahre hat Ziehm die Jugendarbeit in der Stadt Schweich und in der Verbandsgemeinde (VG) Schweich mitgeprägt. Nach allgemeiner Einschätzung hat sie sehr gute Arbeit abgeliefert.

Die Stelle von Isabelle Ziehm wurde je zur Hälfte von Stadt und VG finanziert. Diese Zweiteilung wird es künftig wohl nicht mehr geben. Wie Stadtbürgermeister Lars Rieger auf TV-Anfrage mitteilt, wird die Jugendpflegerstelle auf jeden Fall mit dem bisherigen städtischen Anteil von 50 Prozent ausgeschrieben. Ob sich die VG wieder mit 50 Prozent beteilige und damit eine volle Stelle zustande komme, sei noch mit der VG zu klären.

Auf Anfrage sagt die Bürgermeisterin der VG Schweich, Christiane Horsch, sie halte eine Stellenteilung für „nicht glücklich”. „Zwei Herren zu dienen, das ist für Isabelle Ziehm nicht immer einfach gewesen.” Die Verwaltungschefin will den Bereich Jugend/Senioren neu zuschneiden. VG-Jugendpfleger Dirk Marmann soll sich künftig ganz um Jugendpflege-Aufgaben kümmern, wobei laut Horsch die Schulstadt Schweich weiterhin einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden werde. Eine Halbtagskraft, die im Sozialamt angedockt wird, soll die Bereiche Senioren, demografischer Wandel und Barrierefreiheit abdecken. In Teilen gehörte dies zum Aufgabengebiet von Dirk Marmann.

Isabelle Ziehm kümmerte sich in den vergangenen Jahren mit dem VG-Jugendpfleger unter anderem um die 16 Jugendräume in den Orten der VG, sie organisierte Ferienfreizeiten und die Ausbildung der Jugendleiter. In der Stadt Schweich stand die projektbezogene Arbeit im Vordergrund, darunter Grafitti-Aktionen wie die Gestaltung von Stromkästen, das Computerspiel-Event „Schweich zockt” und der Mädchenflohmarkt. Per Satzung war die Stadtjugendpflegerin automatisch Geschäftsführerin des Vereins Jugendarbeit in Schweich.

Der Vorstand des Jugendvereins ringt schon seit Monaten mit den Stadtverantwortlichen darum, wie die Jugendarbeit in Schweich weiterentwickelt werden soll. Im Januar erörterten Vereinsführung und Ältestenrat  kurz- und mittelfristige Handlungsfelder (siehe Info). Dieses Treffen ist nach übereinstimmender Auffassung von Stefan Henn, dem Vorsitzenden des Vereins Jugendarbeit in Schweich, und Stadtbürgermeister Rieger konstruktiv verlaufen. Sind das Zeichen einer Annäherung?

Insbesondere was den versprochenen Bau eines Jugendkultur- und Informationszentrums (Jukiz) betrifft, fühlen sich Jugendliche bisher von der Politik im Stich gelassen. Dem Auftrag des Stadtrats, Ideen für die Gestaltung und die Angebote ihres „Traum-Jukiz” auszuarbeiten, sind die Jugendlichen schon vor längerer Zeit nachgekommen. Das Geld für die Planung des Jugendhauses (30 000 Euro) ist im Haushaltsplan von Schweich eingestellt. Allerdings wurde noch kein Cent davon ausgegeben. Erst recht nicht von der halben Million Euro, die für dieses Projekt im Investitionsplan steht.

Stadtbürgermeister Lars Rieger setzt seine Hoffnungen auf ein Holzhaus, das derzeit noch als Flüchtlingsunterkunft im Bereich Schlimmfuhren in Schweich genutzt wird. Es gehört dem Kreis. Im Jahr 2021, so hofft Rieger, könne die Stadt die Immobilie vom Landkreis übernehmen und als Jugendzentrum umfunktionieren. „Die Jugendpflege ist originäre Aufgabe des Kreises, ich hoffe da auf ein Entgegenkommen gegenüber der Stadt Schweich”, sagt Rieger. Der Mietvertrag zwischen Kreis und Verbandsgemeinde Schweich läuft noch bis 2020.

Das Holzhaus bietet Platz für 85 Personen, doch es leben dort nur einige Flüchtlinge. Die Zahlen sind seit 2016 rapide gesunken, zudem sind die weitaus meisten Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde Schweich dezentral in Wohnungen untergebracht.